Unterwegs auf der Rota Vicentina

Anfangs Mai
Unsere Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Flüge sind gebucht, die Unterkünfte ebenfalls, das Kartenmaterial liegt bereit. Überlegungen zum mitzunehmenden Material sind gemacht und einige Dinge liegen bereit. Schon bald geht’s los. In wenigen Tagen kannst du lesen, was wir auf unserer Wanderreise im Süden Portugals erleben.

Montag, 13. Mai: Flug nach Faro
Im Verlaufe des Vormittags fahren wir per Bahn mit unseren Rucksäcken und einem schweren Koffer nach Basel, wo uns unser Sohn mit der kleinen Daria erwartet. Mit den beiden essen wir zu Mittag. Nach der Verabschiedung von den beiden begeben wir uns mit dem Bus zum Flughafen und erledigen all die Formalitäten. Pünktlich um 16:25 Uhr startet unser Flieger und bringt uns in Rekordzeit rund zwanzig Minuten zu früh nach Faro. Hier erwarten uns sommerliche Temperatur und ein blauer Himmel. Unseren Koffer können wir schon bald in Empfang nehmen. Per Taxi erreichen wir unsere vorbestellte Unterkunft A Doca nahe beim Freizeithafen.


In sommerlichem Tenü erkunden wir schon bald das Hafengebiet. Beeindruckt sind wir von den weissen Gebäuden, den grossen Plätzen und den vielen Palmen. Ein Storch fliegt über uns hinweg und lässt sich auf seinem Nest nieder. In einem gemütlichen Strassenrestaurant lassen wir uns mit gegrillten Sardinen, Salat und einem Glas Weisswein verwöhnen. Bei angenehmer Temperatur setzen wir uns zum Ausklang des heutigen Tages in ein nächstes Strassenrestaurant. Über uns zieht der strahlende Halbmond seine Bahn, und wir geniessen den Sommerabend wie so viele Einheimische, die noch in Scharen und mit Kinderwagen unterwegs sind.

Dienstag, 14. Mai: Bahn- und Busreise nach Sagres
Da wir morgens schon früh wach sind, beschliessen wir, nach dem Duschen in die Stadt zu gehen, um die Busstation für unsere Weiterreise aufzusuchen und dort eventuell die Biilette zu lösen und zu frühstücken. Der Receptionist im Hotel gibt uns den Tip, mit der Bahn nach Lagos zu reisen und erst dort einen Bus nach Sagres zu nehmen. Auf dem Stadtplan erklärt er uns, wo der Bahnhof ist. Also begeben wir uns dorthin, checken da die möglichen Verbindungen ab und kaufen die Tickets nach Lagos. Auf dem Rückweg zum Hotel geniessen wir in einem geöffneten Café Kaffee und Croissant.
Zurück im Hotel machen wir uns reisefertig, packen unsere Sachen ein und gehen zum Bahnhof zurück, wo der Zug – übrigens eine Dieselkomposition – pünktlich wegfährt. Allerdings kommt er genau zum Zeitpunkt in Lagos an, wo der Bus nach Sagres abfährt, aber nicht etwa bei Bahnhof, sondern einige Kilometer davon entfernt, von der zentralen Busstation. Mit dem Taxi erreichen wir diese und lösen die Tickets für den Bus, der knapp zwei Stunden später fährt. Dafür reicht uns nun die Zeit, in einem nahen Restaurant etwas Kleines zu essen und zu trinken.

Die Fahrt nach Sagres ist spannend, da verschiedene kleinere Dörfer an der Strecke bedient werden. In unserem Hotel, das wir nach kurzem Fussmarsch erreichen, werden wir äusserst freundlich empfangen und bekommen ein wunderschönes Zimmer mit kleinem Balkon zugewiesen.
Da schon bald der zweite und letzte Bus des Tages hinaus zum Cabo Sao Vicente fährt, beeilen wir uns und vergessen dabei wichtige Objekte (Fotoapparat und Karten). Die letzten paar Münzen, die sich neben Fünfzigeuro-Noten in unseren Portemonnaies befinden, werden für ein Glacé-Cornet und ein Armband ausgegeben. Der Buschauffeur kann nicht herausgeben, der Kioskinhaber bei der Haltestelle hat auch kein Kleingeld. Zum Glück hilft uns eine schwedische Touristin aus und gibt für uns den fehlenden Euro aus. So kommen wir doch noch dazu, dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes einen Besuch abzustatten. Zu unserer Ehrenrettung muss ich noch erwähnen, dass ich der Gläubigerin den Euro zurückzahlen kann, da entgegen der Aussage unseres Chauffeurs ein paar Touristenstände offen haben und Margrit zwar mit dem Widerwillen der Betreiberin des Grillbratwurststandes mit dem sinnigen Slogan «Letzte Bratwurst vor Amerika» ihre „grosse“ Note wechseln kann, indem sie ein Mineralwasser bestellt und beteuern muss, wirklich keine Münze mehr zu besitzen. Kleingeld ist in Portugal offenbar Mangelware. Aber es macht hier lange nicht den Eindruck, als ob alle Leute nur grosse Noten hätten.
Auf dem Rückweg, den wir übrigens zu Fuss zurücklegen, beobachten wir verschiedene wunderschöne Pflanzen und Vögel, die man bei uns nicht sieht. Und dazu windet es so stark, dass wir uns teilweise so richtig gegen den Wind stemmen müssen.
So erreichen wir am späten Nachmittag unser Hotel, wo ich jetzt am Bericht Schreiben bin.

Mittwoch, 15. Mai: 1. Wanderetappe Sagres – Vila do Bispo
Morgenessen gibt es erst um halb neun, aber es ist reichhaltig und gut. Schon vorher haben wir uns abreisebereit gemacht, denn wir möchten möglichst weit kommen, bevor es richtig heiss wird. So können wir etwa um neun Uhr starten. Ein ziemlich starker Wind weht uns entgegen. Wir folgen ein Stück weit der Strasse Richtung Cabo Sao Vicente und zweigen dann nach rechts ab. Durch ein scheinbar vor Jahren geplantes Ferienhausquartier, von denen Gebäude nie gebaut wurden, andere bereits am Zerfallen und nur wenige bewohnt sind, gelangen wir nach etwa sechs Kilometern durch eine Schafherde hindurch auf den offiziellen Wanderweg der Rota Vicentina. Links und rechts wachsen mittelmeerische Macchiapflanzen, dann wieder Strandhafer und hie und da scheint auch ein Acker dazwischen zu liegen. Wir begegnen Wanderern und Radfahrern.

Über weite Strecken sind wir ganz allein unterwegs. Bei einer Kuhherde sehen wir Kuhreiher, von Sträuchern ertönt der Gesang der Grauammer und links und rechts des Weges tauchen immer wieder Schwarzkehlchen auf. Verschiedene Lerchen, wie Hauben-, Feld- und Heidelerche heben sich singend in die Lüfte oder machen sich von Grasbüscheln und Steinen her bemerkbar. Wir geniessen die Landschaft, picknicken auf dem Betongeländer einer Brücke und lassen uns immer wieder von Pflanzen, Vögeln und irgendwelchen Tönen und Geräuschen ablenken. Ertönte da der Ruf einer Wachtel? Was für eine Möwe schreit da wie ein Kleinkind?
Schliesslich erreichen wir gegen 14 Uhr unser Ziel, Vila do Bispo. Da ich bereits bei der Fahrt nach Sagres unsere heutige Unterkunft von der Strasse her ausmachen konnte, finden wir den Weg sehr schnell. Der Zufall will es, dass wir unserer Gastgeberin bei der Kirche gerade in die Arme laufen. Sie nimmt uns sehr freundlich in Empfang und zeigt uns alle wichtigen Gegebenheiten, die uns zur Verfügung stehen.
Duschen, ein Erkundungsrundgang im Dorf und ein Bier bzw. ein Glas Weisswein stellen uns wieder auf und geben uns die Gewissheit, dass wir auch den morgigen Tag meistern werden. Zudem haben wir ein Lokal gefunden, wo wir heute Abend frischen Fisch und gemischten Salat geniessen können. Ein bisschen die Beine hoch lagern und den Tag Revue passieren lassen ist nun angesagt.

Donnerstag, 16. Mai: Vila do Bispo – Carrapateira
22 km haben wir heute vor uns, und das zu Fuss. Wir sind gespannt, wie sich das anlässt.
Kurz vor neun Uhr, nach einem reichhaltigen Frühstück im Freien, machen wir uns auf den Weg. Zuerst geht es ein Stück der Strasse entlang und dann auf einer Naturstrasse weiter durch Brachland mit wunderschönen, in allen Farben blühenden Sträuchern und Kräutern, darunter verschiedene Arten von Zistrosen , Mastixsträuchern, Witwenblumen, Lavendel u.a.

Plötzlich ändert sich das Landschaftsbild. Wir wandern durch Pinien- und Eukaliptuswäldchen. Nun geht es durch hügeliges Gelände mit dichtem Pflanzenwuchs und steil hinunter in ein Tal. Wir folgen einem Bachlauf. Nun steigen wir hinauf und entdecken links und rechts vom Weg Korkeichen, die mindestens teilweise genutzt wurden. Unterwegs gelangen wir in das Dörfchen Pedralva, wo wir auf einer Bank picknicken. Auf der Nachbarbank sind zwei wandernde Franzosen mit derselben Tätigkeit beschäftigt. Wir kommen ins ins Gespräch und erfahren, dass die beiden nach Santiago di Compostela unterwegs sind. Im Restarant genehmigen wir uns noch etwas zu trinken, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Und da hören wir mindestens zwei Nachtigallen, beobachten ein Schwarzkehlchen, werden von den beiden Franzosen überholt und überholen sie wieder. Um ca. halb vier treffen wir in Carrapateira ein und finden unsere heutige Unterkunft problemlos. Von aussen sieht alles sehr hübsch aus, aber unser Zimmer ist klein und der heftig blasende Wind lässt Fenster und Türen klappern. Mit eingeklemmten WC-Papierchen und Schliessen der Fenster hoffe ich, das in Griff zu kriegen. Aber die Pfeifgeräusche und das Rauschen bringe ich nicht weg.
Schon bald ist Nachtessen angesagt. Gemäss Auskunft unseres Beherbergers sind alle Restaurants im Dorf heute zu, so dass wir uns noch zu einem Strandrestaurant begeben müssen. Mal schauen, ob daraus was wird.

Freitag, 17. Mai: Carrapateira – Arrifana (Vale da Telha)
Gemäss Routenplaner stehen uns heute 24 km Wegstrecke und Steigungen von 500 Metern bevor. Es scheint die härteste Etappe unserer Wanderung zu werden.
Schon etwas vor acht treffen wir beim „Zmorge“-Buffet ein. Es ist sehr reichhaltig, so dass es mir Mühe macht, mich für etwas zu entscheiden. Ein Früchteteller, frisch gepresster Orangensaft, Milchkaffee, ein weich gekochtes Ei, ein Brötchen, verschiedene Käse und Wurstwaren, Butter stärken mich für die geplante Strecke. Darauf machen wir uns auf den Weg.
Die erste Wegstrecke verläuft entlang einer Strasse, was ich gar nicht schätze. Wandern auf Asphalt und Strassenborden belastet Füsse und Gelenke. Zum Glück können wir schon bald auf einen Fussweg abzweigen, der durch eine Pferdeweide in die Hügel führt. Wir werden mit einem tollen Ausblick auf die Dünenlandschaft und die Meeresküste belohnt. Der Weg führt nun durch unbewirtschaftetes, coupiertes Gelände mit blühenden Pflanzen und singenden Vögeln, mit häufigen Auf- und Abstiegen zum kleinen Dorf Bordeira. Von da an geht es entlang einem landwirtschaftlich genutzten Tälchen, wobei einige Betriebe nicht am Zerfallen sind.

Danach führt der Weg durch dicht bewachsene Kiefern- und Eukaliptuswäldchen über weite Flächen. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Bei einem zerfallenden Gebäude mit einem aus Steinen gebauten Backofen daneben picknicken wir und beobachten einen Gecko. Beim Weitergehen, an den fehlenden Espresso denkend, stehen wir auf einer Anhöhe vor einem neu gebauten Anwesen mit einer am Boden liegenden Tafel, auf der «Open» und ein Angebot an Getränken steht. Wir gehen durch die Pforte des umgebenden Hages aus Bambus- oder Schilfstengeln und stehen in einem Park mit Pool, einem lang gezogenen Gebäude mit teilweise aus Schiefer erstellten Wänden und einem phänomenalen Blick in die umgebenden Hügel. Und hier gibt es auch den ersehnten Kaffee.
Einige Zeit später tut sich der Blick hinaus auf den Atlantik und etwas später auf eine im Meer draussen stehende, von den Wellen umtoste Felsnadel und auf eine Steilküste auf. Nun heisst es, in die Bucht hinab- und auf der anderen Seite wieder etwas mehr als hundert Meter hochsteigen. Dabei überholen wir zwei Geländewagen, wovon der eine grösste Mühe bekundet, diese Steigung zu überwinden.
Darauf folgt noch die letzte Herausforderung des Tages: Finde die Unterkunft! Wir haben zwar die Karte, worauf sie eingezeichnet ist, aber die genaue Lage ist unklar. In einem weiten Bogen gelangen wir zum Ort, aber mit Ausnahme eines Wegweisers ist nirgends etwas angeschrieben. Und Leute zum Fragen sind nicht greifbar. Durch ein offenes Gartentor gehe ich zu einem Gebäude, wo sich eine Frau auf der Terrasse aufhält, und sie bestätigt mir, dass wir am richtigen Ort sind. Mehr als 28 Kilometer gibt mir mein Handy an, hätten wir heute zurückgelegt, und die letzten paar Kilometer auf Asphalt. Das fährt in die Knochen. Aber jetzt ruft die Dusche, und die entschädigt für die Strapazen. Das kühle Bierchen und ein feiner Fisch vom Grill sind die weiteren Höhepunkte.

Samstag, 18. Mai: Vale da Telha – Aljezur
Wir haben beide gut geschlafen. Das Frühstück ist o.k., der Eierkocher funktioniert offenbar anders als ich mir das gewohnt bin. Jedenfalls ist das Ei sehr weich und lässt sich aufs Brot streichen.
Da die heutige Etappe recht kurz ist, beschliessen wir, sie zu verlängern. Auf einer Asphaltstrasse, teilweise sogar mit Trottoir, erreichen wir die Ponta Atala, eine ins Meer hinaus ragende Felsnase. Da es immer noch recht windig ist, können wir hier das Schauspiel der sich am Strand überschlagenden, weiss schäumenden Wellen geniessen.

Der nächste Abschnitt unserer heutigen Wanderung ist eindrücklich und sagenhaft schön. Hoch auf einer Steilküste, durch artenreiche Vegetation gehen wir zu Fuss durch Sand und auf Felsen ca. zwei Kilometer weit zum Punkt Meda da Pina. Leider führt der Rückweg nach Vale da Telha wieder über eine Asphaltstrasse, was sehr eintönig ist und uns einige Mühe bereitet. So gelangen wir zum Lago Silencioso, der wirklich still wirkt. Kein Wasservogel  und auch kein Mensch zeigt sich.
Der nachfolgende Abschnitt bis Aljezur ist dann wieder sehr abwechslungsreich. Allerdings erkennen wir keine neuen Arten. So gelangen wir problemlos und gemächlich ins Städtchen Aljezur und geniessen dort in einer alten Mühle, die als Restaurant dient, ein kühlendes Getränk. Und da lassen wir uns für den Abend auch gleich einen Tisch reservieren, denn heute findet da drin ein besonderer Event statt, ein Pachangaabend. Wir sind gespannt, was das wird.
Bevor wir aber zum Nachtessen gehen, müssen wir noch etwas Proviant für morgen einkaufen. Da begegnen wir zwei jungen Frauen aus Münster, Westfalen, die gerade von Norden her in Aljezur eintreffen. Sie möchten wissen, wie es weiter geht, und zwar für ihre letzte Etappe.
Unser Nachtessen ist ebenfalls ein Hit. Das Lokal ist ein Vegi-Restaurant. Als Starter kriegen wir dreifarbiges Hummus mit Karotten- und Stangensellerie-Stiften sowie Vollkornbrot. Margrit kriegt als Hauptmahlzeit einen Regenbogen-Salat und ich das Tagesmenü, bestehend aus einem Getreide-Stew, Bohnengemüse und Broccolisalat. Es schmeckt uns beiden, da die Sachen lecker gewürzt sind. Zudem wird südamerikanische Tanzmusik, Pachanga und Salsa gespielt, und eine hübsche schwarze Frau animiert die Gäste zum Mittanzen, was auch Publikum und Tanzende von der Strasse anlockt.

Sonntag, 19. Mai: Aljezur – Odeceixe
Rund 19 Kilometer sind heute zu Fuss zu bewältigen: ein wahrer Sonntagsspaziergang. Da das Frühstück erst um halb neun bereit ist, marschieren wir spät ab. Aljezur ist noch nicht wach. Wir nutzen die Gelegenheit, hier noch einige Fotos und Videoaufnahmen zu machen.
Der Weg führt zuerst hinunter auf den Talboden und über den Ribeira de Aljezur auf die linke Talseite. An einem Tierheim vorbei mit Hundezwingern, darin eingesperrt in allen Tonlagen kläffende Köter, gelangen wir wieder auf eine Hochebene. Da geht es wenig spektakulär weiter, zum Teil durch brach liegende Flächen, zum Teil durch landwirtschaftlich genutzte Felder, an Weihern vorbei, durch Eukaliptus- und Kiefernwäldchen, an verlassenen und zerfallenden Gehöften vorbei, durch die Ortschaft Rogil, ziemlich eben, bei zunehmender Wärme und Luftfeuchtigkeit. Und doch erleben wir einige Höhepunkte. Am Aljezurfluss beobachten wir Sporngänse, die an und für sich in Afrika beheimatet sind. Ausserhalb Rugils entdeckt Margrit ein Blauelsterpaar, das allerdings sehr scheu ist und sich schlecht beobachten lässt. Zwei weitere Exemplare entdecken wir später. Ein Eichelhäher fliegt davon, als wir ihm zu nahe kommen. Vor Odeceixe hören wir Rufe der Bienenfresser, aber vorerst wollen sie sich nicht zeigen. Und plötzlich ruft einer von einer Stromleitung herunter. Weitere Exemplare entdecken wir später noch.

Die Windmühle von Odeceixe, die hoch über dem Städtchen steht, fasziniert uns. Sie soll noch funktionieren. Allerdings ist sie bei unserer Ankunft nicht in Betrieb. Aber die Aussicht auf das Städtchen, das sich an den Abhang schmiegt und durch enge Gassen und Steintreppen erschlossen ist, sowie auf das Tal des Seixe-Flusses ist phänomenal.
Unsere Unterkunft finden wir problemlos, und werden von einer kleingewachsenen Frau äusserst freundlich empfangen. Das Zimmer können wir auswählen. Unser Koffer ist auch schon da, und weil er so schwer ist, wählen wir das Zimmer im Parterre neben der Reception.
Duschen, etwas ausruhen und dann ein Gang ins Städtchen mit Nachtessen runden den Tag ab.

Montag, 20. Mai: OdeceixeZambujeira do Mar
Beim Morgenessen beschliessen wir, für die ersten vier Kilometer unserer Wanderung ein Taxi zu nehmen, da gemäss Routenbeschrieb diese Wegstrecke auf Asphalt zurückzulegen ist. Unsere Gastgeberin organisiert uns dieses telefonisch, und so beginnt unsere Wanderung erst am Strand von Odeceixe mit dem Aufstieg auf die Klippen. Doch bereits hier gibt es einiges zu beobachten. Ein Schwarzkehlchen zeigt sich und weitere, im Augenblick nicht identifizierbare Vogelarten fliegen weg. Bei den Schafen, oben auf der Weide ist eine Gruppe Dohlen im Gras zu beobachten.
Neben landschaftlich spannenden Elementen gibt es wieder eine sagenhafte Vielfalt an Pflanzen, die gelb, rot, rosa, blau, violett in verschiedensten Tönen blühen.

 

Uns fällt im Verlauf der Wanderung am Rand der hier vorherrschenden Steilküste auf, dass sich auf den unzugänglichen Klippen Nester befinden, auf denen Störche ihre Eier bebrüten oder bereits geschlüpfte Junge füttern. Immer wieder werden wir von über den Klippen kreisenden Störchen abgelenkt. Zudem machen sich im Buschwerk und in der Luft Zistensänger, Schwarzkehlchen, Hausrotschwanz und weitere, nicht bestimmte Kleinvögel bemerkbar. Sogar ein Rötelfalke fliegt unter uns durch. Unterschiedliche Möwen ziehen ihre Bahnen über dem Wasser und lassen sich oft auch in den Wellen nieder. Über längere Zeit beobachten wir dunkel gefärbte, metallisch glänzende Tauben, die aus einer Höhle kommen, das gegenüberliegende Ufer anfliegen, dort offenbar Futter oder Nistmaterial sammeln und dann zur Höhle zurückfliegen. Könnte es sich hierbei um Felsentauben handeln? Auf Abbildungen sind sie nicht so dunkelfarbig.
Einmalig ist die Landschaft mit diesen zerklüfteten Felsformationen, den kleinen Sand- und Kieselstränden in der Tiefe, den sich überschlagenden und weiss schäumenden Wellen, den hoch aufspritzenden Wasserfontänen an den Kliffen, den verschiedenen Farbeffekten: ein grossartiges Schauspiel. Dort wo Bäche und Flüsse ins Meer münden, müssen wir uns richtiggehend durchs Pflanzendickicht kämpfen, wo der nackte Fels an die Oberfläche tritt, ist die Vegetation sehr spärlich. Vor lauter Staunen und Beobachten verpassen wir dann tatsächlich die Wegmarkierungen und befinden uns plötzlich in der «Wildnis», obschon in unserer Broschüre ausdrücklich verlangt wird, dass man die markierten Wege nicht verlassen soll. Glücklicherweise finden wir dann relativ schnell auf den markierten Weg zurück.
So erreichen wir nach über siebenstündigem Spaziergang unser Ziel, das Dorf Zambujeira do Mar und unsere Unterkunft. Duschen, Kleider wechseln und ein anschliessender Rundgang im Dorf sind die nächsten Programmpunkte. Beim Aperitif treffen wir ein Ehepaar aus dem Aargau, das mit dem Wohnmobil unterwegs ist.
Nach dem Nachtessen (Seeteufelspiess mit Crevetten und Gemüse, Pommes Frites und Reis, gemischter Salat und ein Glas Weisswein) ist schon bald Nachtruhe angesagt. Die Sonne ist bereits im Atlantik schlafen gegangen, die Dämmerung und eine leichte Rotfärbung der Wolken künden die Nacht an.

Dienstag, 21. Mai: Zambujeira do Mar – Almograve
Der Tag beginnt heute mit einer Besonderheit. Wir müssen/dürfen uns unser Frühstück selber zubereiten. Im Zimmer ist ein Wasserkocher vorhanden. Butter, Käse, Schinken, Milch, Saft und Joghurt sind im Kühlschrank, Geschirr, Besteck und andere Zutaten auf einem Tablet und die frischen Brötchen werden uns um zwanzig nach acht an die Zimmertüre gehängt. Wir decken unseren Frühstückstisch im Innenhof und geniessen da unsere Mahlzeit.
Danach starten wir unsere heutige Etappe. Der erste Abschnitt führt einer Strasse entlang, auf einem Trottoir, bei starker Bewölkung, zum Fischerhafen. Ab hier marschieren wir mit wenigen Ausnahmen auf einem Weg über den Klippen. Und da tun sich wieder prachtvolle Szenerien auf. Da und dort gibt es was zu beobachten. Leider zeigen sich keine neuen Arten.

Beim Leuchtturm Cabo Sardao machen wir Mittagshalt. Unterdessen ist der Himmel blau geworden und wir haben die Sonnenbrillen aufgesetzt. Auf einer Holzplattform, von der aus man hinunter in eine steilwandige Bucht schauen kann, belegen wir eine Holzbank, um da unser Picknick zu geniessen. Uns fällt auf, dass sich eine grosse Gruppe Vogelbeobachter am Rande der Bucht oben auf den Klippen aufhält und angestrengt mit Feldstechern, Fernrohren und gewaltigen Zooms auf den Kameras in die Bucht hineinschaut. Da sind wieder die Storchennester auf den Klippen, die ihre Aufmerksamkeit erregen. Und plötzlich fliegen auch zwei Rötelfalken über uns hinweg, die nun genauestens beobachtet werden.
Der Weitermarsch am Nachmittag ist streng, führt uns der Weg doch zu einem grossen Anteil entlang von Sandwegen, die sehr tiefgründig sind. Und das braucht Kraft. Wir überstehen auch diese Phase bestens und stossen mit Sand gefüllten Schuhen zwei drei Kilometer vor Almograve auf eine Strasse mit gestampftem Belag. Wir entleeren unsere Schuhe und Socken und geniessen den letzten, weniger anstrengenden Abschnitt unserer Tagesetappe. Leider sind die beiden Strandcafés am Meer vorne noch geschlossen. So gelangen wir durstig und problemlos zu unserer Unterkunft. Ein Bier bzw. ein Glas Wein gibt es erst nach dem Duschen in einer Bar im Dorf. Und da der Wirt grosszügigerweise noch etwas Salziges dazu serviert, der Preis dafür sehr günstig ist und der Chef des anschliessend besuchten Restaurants nicht den besten Eindruck hinterlässt, gehen wir dahin zurück zum Essen. Wir bereuen es nicht. Die Bedienung ist gut, der Seebarsch vom Grill exzellent, der weisse Hauswein ist kühl und schmeckt uns, und der Preis? Dafür bekommt man in der Schweiz kaum einen halben Liter Wein.
Und nun geniessen wir die Ruhe und stärken uns für den morgigen Tag, der mit rund 16 km, wovon einige im Sand, nicht ganz ohne sein wird.

Mittwoch, 22. Mai: Almograve – Vila Nova de Milfontes
Heute Morgen erleben wir gerade mehrere Novums. Es hat Nebel draussen. Nach dem Morgenessen starten wir und verlassen Almograve zuerst ein paar hundert Meter weit auf einer Asphaltstrasse, bevor wir auf ein Natursträsschen einbiegen. Und da bewegen sich zwei Schlangen eng umschlungen auf dem Weg. Allerdings fühlen sie sich offenbar durch uns gestört. Bevor wir unsere Apparate zur Festhaltung dieses Geschehens zur Hand haben, haben sich die beiden Tiere entschlungen und das eine ist bereits zur Hälfte in den Pflanzen am Wegrand verschwunden. Dafür singt bei der nächsten Hecke eine Nachtigall wunderschön und lässt sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Leider können wir sie aber im Dickicht nicht sehen.
Ab jetzt führt der Weg über mehrere Kilometer durch feinen Sand. Das Gehen ist anstrengend. Die Schuhe füllen sich allmählich damit. Entsprechend kommen wir langsam voran.


Die nächste Überraschung ist das Pflanzendickicht, durch das der Weg führt. Wurzeln am Boden, Äste und umgestürzte Bäume über den Weg erschweren das Weiterkommen. Dafür tun sich aber immer wieder wunderschöne Küstenabschnitte auf und animieren uns zum Fotografieren. Als sich endlich unser Ziel, Vila Nova de Milfontes, blicken lässt, freuen wir uns, dass wir’s bald geschafft haben. Aber das ist ein Irrtum. Denn es sind immer noch sechs Kilometer zurückzulegen. Zuerst geht’s noch ein Weilchen der Küste entlang in die Trichtermündung des Rio Mira, dann durch Wälder und Weiden zur Strasse hoch, die über den Fluss führt, der Strasse entlang über die Brücke zu einem Kreisel und von dort ins Städtchen. Das Auffinden unserer Unterkunft ist ebenfalls nicht problemlos. Aber mit Fragen von Passanten erreichen wir sie doch noch. Und Margrit kann unterwegs noch wunderbar aus der Nähe ein Schwarzkehlchen-Männchen fotografieren.
In der Unterkunft werden wir mit hausgemachtem Vanille-Keks und Zitronensaft verwöhnt. Unser Zimmer sieht gut aus. Im Garten hinter dem Haus kann ich die Schuhe innen und aussen von Sand befreien. Die Dusche funktioniert, so dass wir schon bald eine kurze Erkundungstour machen und in einem Strassencafé eine kühle Weisswein-Sangria geniessen können.

Donnerstag, 23. Mai: Vila Nova – Porto Covo
Heute Morgen werden wir beim Frühstück bedient. Zwei Frauen und ein Herr fragen uns immer wieder, was wir begehren und bringen uns das Verlangte. Danach machen wir uns möglichst bald auf den Weg, denn eine strenge Etappe steht uns bevor. Das erste Stück Weg führt auf einer Naturstrasse sehr gerade und direkt zur Ponta dos Barcas, einem Fischerhafen. Von da weg geht es auf sandigen Pfaden entlang verschiedener Buchten durch die Dünen. Der Sand ist tief, das Gehen entsprechend anstrengend. Die Schuhe füllen sich allmählich mit Sand und engen die Zehen ein. Aber die Natur hier entschädigt uns bei weitem für die erlittenen Strapazen. Wir sind weit und breit die einzigen Wanderer, die unterwegs sind. Nahe der Praia do Malhão begegnen uns die ersten Wandernden in der Gegenrichtung. Gelegentlicher Austausch mit diesen gibt uns Anhaltspunkte, wie weit wir bereits gekommen sind und was uns noch bevorsteht.

 

Bei der Praia Malhão, wo sich riesige, aber zu dieser Jahreszeit noch leer stehende Parkplätze für Autos befinden, wurden vor ein paar Jahren Holzstege mit Aussichtsplattformen und Informationstafeln in den Dünen erstellt. Allerdings sind diese in einem schlechten Zustand. Eine Erneuerung wäre angebracht. Da finden wir eine Bank zum Picknicken. Hier leeren wir aber zuerst unsere Schuhe. Unglaublich, wieviel Sand neben und unter unseren Füssen Platz fand.
Nun kommt der unmarkierte Abschnitt unserer Etappe. Es gibt zwei Möglichkeiten, diesen zu bewältigen. Man kann dem Stand entlang gehen, was bei Ebbe problemlos sein soll. Oder man geht den Dünen entlang. Wir wählen den Dünenweg. Da sind immer mehrere Wege sichtbar, die dazu dienen, die Strände zu erreichen. Und Sand hat es hier auch wieder in unübersehbaren Mengen. Und da bemerken wir plötzlich, dass wir uns von den Dünen zu weit entfernt haben, sehen aber von einer Kuppe aus den richtigen Weg. Also beschliessen wir, querfeldein Richtung Dünen zu marschieren. Dabei gelangen wir allerdings auf ein Privatgrundstück, wo plötzlich ein bellender Hund auftaucht. Margrit will umkehren, ich bestehe darauf, diesen Hund zu missachten, da wir sonst durch ein undurchdringliches Dickicht gehen müssten. So gelangen wir zurück auf den Weg entlang den Dünen und wechseln da schon bald einmal an den Strand, der nur gerade von drei Personen besetzt ist. Dem tosenden Atlantik entlang setzen wir unseren Weg fort.
Als Wasserratte muss ich da aber unbedingt ein Bad nehmen. So machen wir bei den nächsten, in den Sand hineinragenden Felsen Halt. Ich ziehe mich aus und begebe mich in die Wellen. Ein wunderbares Gefühl! Allerdings ist das Wasser kalt, so dass ich es nicht allzulange aushalte. Margrit filmt. Als ich aus dem Wasser steige, stellt Margrit fest, dass sie noch ein Foto hätte knipsen können. Also gibt es eine Zweitauflage meines Badeerlebnisses. Bis ich dann trocken und wieder in die Kleider gestiegen bin, dauert es etwas. Aber dafür sind die Schuhe wieder sandfrei und auch frei von stacheligen Grasfrüchten.
Nun ist der Weg wieder markiert, und wir gelangen problemlos nach Porto Covo. Unterwegs beobachten wir noch ziemlich viele Dohlen, ein Hausrotschwanzpärchen, ein Schwarzkehlchen und Möwen. Unser Hotel, das am Siedlungsrand liegt, finden wir leicht dank hilfreichen Tips von Einheimischen. Und hier ist es nun nach einfachen Zimmern in den vorherigen Unterkünften luxuriös: grosses Zimmer, Pool, Gartensitzplatz, breite Betten.
In einem einfachen, gut besuchten Restaurant geniessen wir das Nachtessen: Oliven mit Käse und Brot, eine 3/8-Flasche Weisswein aus dem Alentejo, grillierten Tintenfisch mit Kartoffeln und Gemüse und gemischten Salat. Und danach ist Schreiben und Schlafen angesagt.

Freitag, 24. Mai: Porto Covo – Cercal do Alentejo
Da wir heute schon früh, nämlich ab halb acht, frühstücken können, sind wir auch rechtzeitig bereit und können dem Markt noch einen Besuch abstatten, um das heutige Picknick einzukaufen. Beim Stand mit Früchte und Gemüse kaufen wir Aprikosen, Birnen und einen Pfirsich mit ganz heller Haut. Angetan hat es mir aber der Fischmarkt mit einem Angebot, das das Herz eines jeden Fischliebhabers höher schlagen lässt. Was da alles in der Auslage liegt! Leider können wir keine Fische mitnehmen!
Im Hotel zurück, verpacken wir die Einkäufe in unseren Rucksäcken, kontrollieren nochmals, ob alles mitgekommen ist, und dann machen wir uns auf den Weg. Nun ist er wieder bestens markiert und führt uns von der Küste weg. Das macht sich vor allem in der begleitenden Flora bemerkbar. Links und rechts des Weges breiten sich Blumenwiesen, Schafweiden, Ackerland und Heuwiesen aus. Wir kommen an Bauernhöfen vorbei, unter anderem auch an einer antiken portugiesischen Windmühle, die leider am Zerfallen ist.

 

Schon bald steigt der Pfad an und teilweise bizarr geformte Korcheichen säumen ihn. Dieser nimmt schon fast die Form eines ausgetrockneten Bachbettes an. Da tritt Margrit beinahe auf eine am Wegrand liegende Schlange. Sie ist dünn, vielleicht etwas mehr als einen halben Meter lang. Drohend hebt sie ihren Kopf und gibt leise zischende Geräusche von sich. Mit Fotoapparat und Videokamera wird das Ding festgehalten.
Der Weg steigt weiter an, an Korkeichen, Kiefern und Eukaliptusbäumen vorbei. Wir beschliessen, unser Picknick einzunehmen, wenn wir den Kulminationspunkt unserer Etappe erreicht haben. Mit Mühe finden wir ein Plätzchen mit zwei Steinen, worauf wir uns setzen können. Dort geniessen wir Aprikosen, Pfirsich und Birne. Sie schmecken vorzüglich. Beim Weitergehen sehen wir dann, dass nur wenige hundert Meter von diesem Ort eine Bank zur Verfügung gestanden hätte.
Der allmähliche Abstieg nach Cercal führt durch eintönigen Eukaliptuswald, später durch einen artenreichen Wald mit ganz verschiedenen Bäumen und Pflanzen, darunter Mimosen ähnliche Bäume in grosser Zahl. Und darauf geht es an Bauernhöfen mit unterschiedlichen Produkten vorbei. Dabei begegnet uns noch eine „Riesenheuschrecke“, die fotografisch festgehalten wird.
Über eine Brücke gelangen wir an unseren Zielort, wo uns eine Passantin auf Portugiesisch den Weg zu unserer Unterkunft erklärt. Und schon bald sind wir da, können uns frischmachen und mit Bier und Wein den Durst in einem nahen Café löschen. Anschliessend suchen wir noch das Restaurant auf, wo wir heute Abend essen werden. Es sieht vielversprechend aus.

Samstag, 25. Mai: Cercal do Alentejo – Vale Seco
Es ist später Nachmittag. Wir sitzen frisch geduscht und blasenversorgt in unserem Zimmer in Cercal, nicht weil wir heute nicht weitergewandert sind, sondern weil wir nach unserer Ankunft in Vale Seco abgeholt wurden und per Minivan nach Cercal, in unser Hotel zurückgefahren wurden.


Der Morgen begann etwas ungewöhnlich, da das Hotel kein Frühstück bereitstellt. So mussten wir ein paar Meter zu einem Café gehen und konnten dort unseren Voucher einlösen. Die Auswahl war nicht so gross. Mit einem frisch gepressten Orangensaft, Käse- und getoasteten Brotscheiben und einem Milchkaffee wurden wir bedient. Zurück im Hotel, machten wir uns wanderfertig und zogen los. Noch im Dorf wurden wir durch einen wunderbar singenden Vogel auf einer Freiluft-Eletroleitung überrascht. Er hatte ein schwarzes Käppchen und war sonst unscheinbar grau. Weder Mönchs- noch Samtkopfgrasmücke kommen für uns in Frage. Des Weiteren begegneten wir Schwarzkehlchen, Grauammern, einer Blauelster, Zistensängern, Amseln, Distelfinken, einer riesigen Anzahl Hausspatzen und hörten auch mehrmals den Kuckuck rufen. Zudem entdeckten wir auf dem Weg eine tote Blindschleiche und einen überfahrenen Fuchs. Wir wanderten durch Wiesen, wo gerade geheut wurde, durch Getreidefelder, die bereits abgeerntet waren oder gerade gemäht wurden, durch Korkeichenwälder mit vielen toten und absterbenden Bäumen, durch Eukaliptus- und wenige Kiefernwälder. Zwei stehende Gewässer trafen wir an, den Stausee de Campilhas und einen Weiher mit vielen Wasserfröschen, die beim Näherkommen – plitsch – ins Wasser sprangen. Es ging hinauf, dann wieder hinunter, und das wiederholte sich. Menschen, insbesondere Wanderer, trafen wir wenige. Mit einem schwedischen Ehepaar, das in umgekehrter Richtung unterwegs war, redeten wir etwas länger. Zudem stieg die Temperatur von Hügel zu Hügel. Einigen Pflanzen, die wir auf dem Fischerpfad beobachteten, kamen auch hier wieder vor. Jedenfalls hatten wir immer wieder etwas zu beobachten und schätzten es sehr, als nach rund 14 km ein angeschriebenes Haus auftauchte und wir uns da mit Wasser, Espresso und einer Glace auf einem Stuhl etwas ausruhen konnten.
Um ca. 15 Uhr kamen wir an unserem Ziel an, in Vale Seco. Da bestaunten wir noch eine riesige Beige Korkeichenrinde. Leider war niemand da, der uns erklären konnte, was mit diesen Korkstücken passiert. Im Café warteten wir auf unseren Chauffeur, der dann eine junge Frau war, die perfekt Deutsch sprach. Sie wuchs als Tochter eines Deutschen und einer Portugiesin hier auf und arbeitet in einer Tourismusagentur.
Morgen steht uns die letzte Etappe unsere Wanderreise bevor.
Zum Nachtessen gibt es da noch etwas zu erzählen. Wir gehen auf Rat des Receptionistin unserer Unterkunt in ein Restaurant mit regionalem Angebot. Das Lokal ist mit nur wenigen Tischen ausgestattet, gedeckt mit umgekehrten Tellern, je einem Kelchglas mit eingesteckter Serviette, Gabel und Messer. Kaum sitzen wir, bekommen wir schon einen Korb mit halbierten Brotscheiben, auf einem Teller ein in Scheiben geschnittenes Käslein, auf einem zweiten Teller ein Döslein mit Sardinenpaste und eines mit gesalzener Butter. Bedient werden wir von einer umtriebigen, älteren, kleinen Frau mit einer Mütze, die die Haare vollständig abdeckt. Von unserem Tisch aus haben wir freie Sicht in die Küche. Dort erscheinen nun noch zwei weitere Frauen und beginnen zu wirken. Unterdessen hat sich das Lokal bis auf zwei Tische gefüllt. Mit der Menü-Karte kommt nun die erstgenannte Frau bei jedem Tisch vorbei, fragt nach den Wünschen der Gäste und gibt Ratschläge. Margrit bekommt viele mitleidige Blicke und Bemerkungen, als sie nur einen gemischten Salat bestellt. Mir rät sie, weil ich Fisch essen möchte, zu Filets. Dazu gibt es ein „Halbeli“ Weisswein und ein Flasche Mineral nature. Nachdem alle Gäste bestellt haben, übernimmt unsere Serviererin das Szepter in der Küche, die drei Frauen sind im Element, wir geniessen unsere Appetit-Häppchen, und schon bald werden die ersten Speisen aufgetragen. Zuerst bekommt Margrit ihren Salat, bestehend aus Lattich, Tomaten und Zwiebeln mit denselben Mitleidsbezeugungen wie beim Bestellen, dann wird mir eine Platte mit vier panierten Fischfilets aufgetragen, danach folgt eine Platte Reis mit Kräutern und etwas später folgt noch eine Platte mit Pommes Frites. Wir essen und trinken, geniessen diese einfache, aber schmackhafte Mahlzeit und werden noch gefragt, ob wir genug bekommen hätten. Offenbar wäre noch ein Nachservice geplant. Für mich bestelle ich darauf noch eine Espresso. Als wir danach die Rechnung bestellen, da staunen wir nur noch: 16 Euro kostet uns dieses Vergnügen.
Den Gute-Nacht-Drink und das Dessert nehmen wir in einer Pasteleria, wo gerade das Fussballmatch Sporting Lissabon gegen Porto im Fernseher übertragen wir. Es handelt sich nach unserer Meinung um den Cupfinal. Und da können wir beobachten, was wirkliches «Fanen» ist. Der Final wird mit Penalty-Schiessen entschieden. Bei jedem Goal für Sporting liegen sich die Fans, mehr junge Männer, weniger Frauen, mit ohrenbetäubendem Geschrei in den Armen, bei Gegentoren bleiben sie ruhig. Schliesslich siegt Lissabon, die Fans verschwinden nach lautstarkem Beifall sehr schnell. Und dann hören wir sie, wie sie mit ihren Autos mit aufheulenden Motoren und vielstimmigem Hörnerklang durch die Strassen Cercals brausen.

Sonntag, 26. März: Vale Seco – Santiago do Cacem
Heute steht uns der letzte Wandertag bevor. Das Morgenessen ist wieder im Café. Anschliessend packen wir unsere Sachen und machen uns bereit für die letzte Etappe der Rota Vicentina. In der Hotellounge erwarten wir unsere Chauffeuse nach Vale Seco. Pünktlich ist sie da. Aber es ist nicht mehr die von gestern. Zügig fährt sie uns an unseren Ausgangsort. Im dortigen Café kaufen wir noch eine Flasche Wasser, platzieren sie in meinem Rucksack, setzen unsere Sonnenbrillen und die Hüte auf. Und los geht’s. Nach wenigen Metern macht sich schon das erste Schwarzkehlchen bemerkbar und setzt sich in gutem Licht auf einen Ast. Im nächsten Dickicht lässt eine Nachtigall ihren Gesang erklingen. In gutem Tempo marschieren wir Richtung Endziel. Vor allem Korkeichenwälder, hie und da eine Weide, Brach- und Ackerflächen, Heuwiesen und Eukaliptusplantagen säumen den Weg. Ein längeres Wegstück gehen wir durch ein Tal, an dessen Hängen recht bizarre Korkeichen wachsen. Es wird heiss, und unser Wasservorrat schwindet. Die ersten Wanderer von Santiago do Cacem her begegnen uns. Zum Picknicken machen wir bei einem verlassenen Bauernhof Halt. Irgendwann kommen wir zu den Ruinen eines verfallenen Klosters aus dem 14. Jahrhundert. Nahe dabei hören wir Glöckchen und fühlen uns auf eine unserer Alpweiden versetzt. Da sind wirklich ganz spezielle Ziegen in einem fürchterlich unordentliche Gehege eingesperrt, und keine Menschenseele ist sichtbar.


Unser Marsch geht weiter, immer in der Hoffnung, die im Wanderbeschrieb prophezeiten Schlangen-, Bussard- und Zwergadler am Himmel zu sehen. Aber diesen Gefallen machen sie uns nicht.
Keiner von ihnen lässt sich blicken. In der brütenden Hitze machen sich auch die Singvögel nicht gross bemerkbar.
Endlich sehen wir in der Ferne die Kirche und die Burg von Santiago. Wir haben mit rund 250 Meter über Meer den höchsten Punkt unserer Route erreicht. Eine prächtige Rundsxicht eröffnet sich uns. Leider ist heute die Luft etwas feucht, so dass die weit entfernten Orte nicht mehr so klar sichtbar sind.
Nun beginnt der lange Anmarsch zum Burg- und Kirchenhügel von Santiago. Wir sind jetzt auf einer guten Höhe, aber zwischen uns und dem Ziel liegen weitere Hügel und Täler. Dazu steigt jetzt dank der intensiven Sonneneistrahlung die Temperatur. Und das Ziel liegt doch vermeintlich so nah. Und trotzdem dauert es dann noch mehr als eine Stunde, bis wir es erreichen. Abstiege und erneute Aufstiege machen uns das Wandern in der Hitze schwer. Aber der letzte Aufstieg verläuft dann weitgehend im Schatten. Allerdings müssen wir mitten durch die Teilnehmer einer Familienfeier gehen, wo kühle Getränke und leckere Speisen auf Festtischen aufgestellt sind. Aber endlich sind wir nach einem steilen Treppenaufstieg bei der Kirche. Diese ist geschlossen. Nur gerade zwei Katzen streunen hier herum. Nach einiger Zeit gesellt sich noch ein Ehepaar dazu, Nichtwanderer, und mit dem kommen wir ins Gespräch. Die beiden sind Portugiesen aus der Umgebung von Porto und machen einen Sonntagsausflug. Die Frau arbeitet in der Nähe, spricht gut Deutsch und möchte von uns wissen, wie wir Portugal erleben. Ihr Mann ist arbeitslos. Sie sind beide froh, dass Portugal die ökonomisch Krise in Griff bekommen hat und dass die Bevölkerung dabei ruhig geblieben ist.
Danach machen wir uns auf, unsere heutige Unterkunft zu suchen. Die Mithilfe einiger einheimischer Passanten führt uns zum richtigen Ort.
Nach der Dusche geht’s auf zum Nachtanken der auf der Wanderung verlorenen Flüssigkeit in einem nahen Strassencafé, wo viel Betrieb ist, und wir von jungen Portugiesen noch einiges mitbekommen über portugiesische Gepflogenheiten.
Danach besorgen wir uns die Tickets für die morgige Busfahrt nach Lissabon, denn die Busstation befindet sich gerade in der Nähe. Zum Nachtessen besuchen wir dasselbe Restaurant und essen… natürlich Fisch.

Montag, 27. Mai: Busfahrt nach Lissabon, erste Eindrücke
Mit einiger Verspätung fährt unser Bus. Die Fahrt zeigt uns eindrücklich, dass die Gegend zwischen Cercal und Lissabon sehr trocken ist. Aber viele Flüsse aus dem höher gelegenen Landesinnern fliessen zum Atlantik und bringen etwas Wasser her. Der Boden scheint sehr sandig zu sein. Trotzdem wachsen an vielen Orten Korkeichen und Eukaliptusbäume. Wo bewässert werden kann, beobachten wir auch Acker- und Gemüsebau. Jedoch sind einige Gewächshäuser ausser Betrieb, die Plastikfolien sind zerrissen und die Gestänge zerstört.


Kurz nach Mittag sind wir in Lissabon, und per Taxi gelangen wir zum Hotel, wo wir sehr freundlich empfangen und zu unserem Zimmer geführt werden. Der Receptionist warnt uns vor Taschendieben, stellt uns einen Stadtplan zur Verfügung und zeigt uns darauf, wo und wie wir am besten unsere Ziele, die Margrit ihm nennt, erreichen. Nachdem wir uns im Zimmer eingerichtet haben, machen wir uns zu Fuss auf den Weg Richtung Rossio und auf den Hügel mit dem Castelo de Sao Jorge. Unterwegs genehmigen wir uns aber noch ein Bierchen, ein Glas Weisswein und etwas zwischen die Zähne. Nach dem recht anstrengenden Aufstieg geniessen wir dort oben die Aussicht, den Schatten der Bäume und den kühlenden Wind. Und zudem schiessen wir einige Fotos mit der Kamera und den Handys. Danach steigen wir zur Praça do Comércio hinunter und bewundern die Ausdehnung dieses Platzes sowie die Gebäude auf den bebauten drei Seiten, insbesondere den Arco da Rua Augusta. Ebenso erregt die Reiterfigur, Dom José I., in der Mitte des Platzes unsere Aufmerksamkeit. Auf dem Platz und auf dem Gelände zum Tejo hin wimmelt es nur so von Leuten aus allen möglichen Nationen.
Auf verschlungenen Wegen schlendern wir zurück zu unserem Hotel im Bairro Alto. Hier angekommen reden wir noch etwas mit der Receptionistin, die sehr gut deutsch spricht und aus Russland stammt. Sie fragen wir wegen unseres Nachtessens und erhalten von ihr einen Tipp, mit dem Hinweis, zwei Angestellten einen Gruss von ihr auszurichten.
Nach einer Ruhepause begeben wir uns ins empfohlene Lokal, bestellen unser Menü: Thunfisch, Salat und Roséwein. Als wir dann dem einen Angestellten die Grüsse überbringen können, ist der überglücklich und freut sich sehr. Nach einem Barbesuch kehren wir ins Hotel zurück, wo allerdings bereits wieder eine andere Person an der Reception ist. Nun ist Schlafen angesagt.

Dienstag, 28. Mai: Lissabon
Nachdem wir uns für den heutigen Tag fit gemacht haben, starten wir unsere Tour. In der Reception holen wir uns noch ein paar Anregungen. Zu Fuss gehen wir hinunter zur Metrostation Cais do Sodré, wo wir zuerst in einem Café ein kleines Frühstück einnehmen und uns 24 h-Karten für die öffentlichen Verkehrsmittel kaufen.


Mit dem Tram Nr. 2, ein richtig antikes Gefährt mit hölzernen Wänden, Bänken und Stangen zum Festhalten fahren wir nach Belém. Eine gewaltige Menschenmenge ist hier unterwegs, richtiggehend Overtourism. Auf einen Besuch des Jeronimos-Klosters verzichten wir, die Schlange der anstehenden Menschen ist immens. Auch von aussen ist der Bau eindrücklich, besticht er doch durch seine Ausdehnung, die weissen Kalksteine und durch die reichen Verzierungen. Gemütlich spazieren wir zum Denkmal der Entdecker, schauen uns dieses Monument genauer an, speziell auch die riesige Mosaikwindrose auf dem Vorplatz und gehen dann weiter zum Turm von Belem, dem Eingang zum Hafen. Auf dem Rückweg entschliessen wir uns, mit dem Lift auf das Dach des Entdeckerdenkmals zu fahren, um von dort den Ausblick auf die Umgebung zu geniessen. Das lohnt sich wirklich. Vor allem sieht man von hier oben die Windrose sehr gut. Danach spazieren wir durch die Praça do Império und lassen uns vom Springbrunnen beeindrucken.
Mit einem Bus fahren wir ein Stück weit Richtung Stadtzentrum und suchen den Weg zur Estrela-Kirche. Unterwegs kaufen wir uns in einem Mini Mercado, von denen es hier sehr viele gibt, ein paar Früchte und zwei Flaschen Wasser, um im Park bei der Kirche zu picknicken. In einem Café nebenan geniessen wir eine Bica (ein Espresso) und ein Pastéis de Belem (ein Vanilletörtchen). Danach besichtigen wir die Kirche.
Mit einem nächsten Tram fahren wir zur Praça da Figueira, um noch einmal durch den Augusta-Bogen auf den riesigen Comércio-Platz und an den Tejo zu gelangen. Allerdings lassen wir uns auf dem Weg dazu zu einer Sangria verführen. Und weil es so schattig ist, ein kühler Wind weht und ein paar Strassenhändler und -künstler etwas darbieten, bleiben wir etwas länger sitzen.
Danach geht es zu Fuss weiter. Wir gelangen zur Standseilbahn bei Cais de Sodré und fahren damit hoch zum Bairro Alto, wo wir schon sehr nahe bei unserem Hotel sind. Und da ruhen wir uns etwas aus, bevor es dann zum Nachtessen geht.


Mittwoch, 29. Mai: Lissabon, Heimreise
Leider ist heute der letzte Tag unserer Portugalreise angebrochen. Da wir erst gegen Abend fliegen, können wir das Gepäck im Hotel zurücklassen. Wir nutzen noch unsere 24 h-Karte für den öV und fahren mit der Standseilbahn hinunter nach Cais de Sodrè. Mit der Metro, wo ein riesiges Gedränge herrscht, geht die Fahrt weiter mit Umsteigen nach der Praça Marquès de Pombal. Ab hier spazieren wir en Parque Eduardo VII hoch. Hier werden Vorbereitungen getroffen für das grosse Buchfest, das nächstens stattfinden wird. Mit grossem Aufwand stellen Verlage und Gesellschaften Pavillons und noch geschlossene Essbuden auf, legen Teppiche aus und schaffen Sitzgelegenheiten. Vom oberen Ende des Parkes haben wir eine wunderbare Aussicht auf die Stadt.


Auf dem Rückweg zum Pombal-Platz frühstücken wir in einem einfachen Café. Es gibt Kaffee, frisch gepresster Orangensaft und ein Küchlein.
Auf der Avenida da Liberdade spazieren wir gemütlich zur Estaçao do Rossio und betrachten die Gebäude, schauen in die Seitengassen hinein und stossen per Zufall auf den Ascensor da Gloria, die Standseilbahn, an der das Hotel Suiço Atlantico steht, wo wir bei unserem letzten Aufenthalt in Lissabon im Oktober 1996 nächtigten. Ein weiteres Gebäude, das unsere Beachtung findet, ist der Bahnhof Rossio. Auf der Rua Augusta, die zum gleichnamigen Triumphbogen und auf die Praça do Comércio führt und Fussgängerzone ist, genehmigen wir uns eine Spezialität, ein warmes Gebäck mit Bacalhau und Käse drin und dazu ein Gläschen Porto. Zum Abschluss unserer Portugalreise geniessen wir nochmals den Blick hinaus auf den Tejo.
Auf dem Rückweg zum Hotel machen wir einen Halt im Mercado da Ribeira. Hier finden wir ein reiches Sortiment an frischen Lebensmitteln vor. Für mich ist es immer wieder faszinierend, was an Fischen und anderem Meeresgetier zum Essen zum Verkauf steht. Im «Time Out»-Bereich dieser Markthalle befinden sich verschiedene Essensstände, wo Gerichte aus aller Welt und die Getränke dazu angeboten werden. Da legen wir unseren letzten Halt ein und geniessen noch eine feine Sangria und etwas Kleines zu essen. Danach steigen wir zu unserem Hotel im Bairro Alto hinauf, wo unser Gepäck wartet. Per Taxi lassen wir uns zum Airport bringen.
Der Flug zurück verläuft unspektakulär. Unsere Reise endet um halb elf, als wir mit dem Zug unseren Wohnort erreichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.