Unterwegs auf der Rota Vicentina

Anfangs MaiUnsere Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Die Flüge sind gebucht, die Unterkünfte ebenfalls, das Kartenmaterial liegt bereit. Überlegungen zum mitzunehmenden Material sind gemacht und einige Dinge liegen bereit. Schon bald geht’s los. In wenigen Tagen kannst du lesen, was wir auf unserer Wanderreise im Süden Portugals erleben.

Montag, 13. Mai: Flug nach Faro
Im Verlaufe des Vormittags fahren wir mit unseren Rucksäcken und einem schweren Koffer nach Basel, wo uns unser Sohn mit der kleinen Daria erwartet. Mit den beiden essen wir zu Mittag. Nach der Verabschiedung von den beiden begeben wir uns mit dem Bus zum Flughafen und erledigen all die Formalitäten. Pünktlich um 16:25 Uhr startet unser Flieger und bringt uns in Rekordzeit rund zwanzig Minuten zu früh nach Faro. Hier erwarten uns sommerliche Temperatur und ein blauer Himmel. Unseren Koffer können wir schon bald in Empfang nehmen. Per Taxi erreichen wir unsere vorbestellte Unterkunft A Doca nahe beim Freizeithafen.
In sommerlichem Tenü erkunden wir schon bald das Hafengebiet. Beeindruckt sind wir von den weissen Gebäuden, den grossen Plätzen und den vielen Palmen. Ein Storch fliegt über uns hinweg und lässt sich auf seinem Nest nieder. In einem gemütlichen Strassenrestaurant lassen wir uns mit gegrillten Sardinen, Salat und einem Glas Weisswein verwöhnen. Bei angenehmer Temperatur setzen wir uns zum Ausklang des heutigen Tages in ein nächstes Strassenrestaurant. Über uns zieht der strahlende Halbmond seine Bahn, und wir geniessen den Sommerabend wie so viele Einheimische, die noch in Scharen und mit Kinderwagen unterwegs sind.

Dienstag, 14. Mai: Bahn- und Busreise nach Sagres
Da wir morgens schon früh wach sind, beschliessen wir, nach dem Duschen in die Stadt zu gehen, um die Busstation für unsere Weiterreise aufzusuchen und dort eventuell die Biilette zu lösen und zu frühstücken. Der Rezeptionistin im Hotel gibt uns den Tip, mit der Bahn nach Lagos zu reisen und erst dort einen Bus nach Sagres zu nehmen. Auf dem Stadtplan erklärt er uns, wo der Bahnhof ist. Also begeben wir uns zum Bahnhof, checken da die möglichen Verbindungen ab und kaufen die Tickets nach Lagos. Auf dem Rückweg zum Hotel geniessen wir in einem geöffneten Café Kaffee und Croissant.
Zurück im Hotel machen wir uns reisefertig, packen unsere Sachen ein und gehen zum Bahnhofzurück, wo der Zug – übrigens eine Dieselkomposition – pünktlich wegfährt. Allerdings kommt er genau zum Zeitpunkt in Lagos an, wo der Bus nach Sagres abfährt, aber nicht eta bei Bahnhof, sonder einige Kilometer davon entfernt von der zentralen Busstation. Mit dem Taxi err Ochsen wir diese und lösen die Tickets für den Bus, der knapp zwei Tunden später fährt. Dafür reicht uns nun die Zeit, in einem nahen Restaurant etwas Kleines zu essen und zu trinken.
Die Fahrt nach Sagres ist spannend, da verschiedene kleinere Dörfer an der Strecke bedient werden. In unserem Hotel, das wir nach kurzem Fussmarsch erreichen, werden wir äusserst freundlich empfangen und bekommen ein wunderschönes Zimmer mit kleinem Balkon zugewiesen.
Da schon bald der zweite und letzte Bus des Tages hinaus zum Cabo Sao Vicente fährt, beeilen wir uns und vergessen dabei wichtige Objekte (Fotoapparat und Karten). Die letzten paar Münzen, die sich neben Fünfzigeuronoten in unseren Potemonnaies befinden, werden für ein Glacé-Cornet mit und ein Armband ausgegeben. Der Buschauffeur kann nicht herausgeben, der Kioskinhaber bei der Haltestelle hat auch kein Kleingeld. Zum Glück hilft uns eine schwedische Touristin aus und gibt für uns den fehlenden Euro aus. So kommen wir doch noch dazu, dem südwestlichsten Punkt des europäischen Festlandes einen Besuch abzustatten. Zu unserer Ehrenrettung muss ich noch erwähnen, dass ich der Gläubigerin den Euro zurückzahlen könnt, da entgegen der Aussage unseres Chauffeurs ein paar Touristenstände offen haben und Margrit zwar mit dem Widerwillen der Betreiberin des Grillbratwurststandes mit dem sinnigen Slogan «Letzte Bratwurst vor Amerika» ihre «grosse» Note wechseln kann, indem sie ein Mineralwasser bestellt und beteuern muss, wirklich keine Münze mehr zu besitzen. Kleingeld ist in Portugal offenbar Mangelware. Aber es macht hier lange nicht den Eindruck, als ob alle Leute nur grosse Noten hätten.
Auf dem Rückweg, den wir übrigens zu Fuss zurücklegen beobachten wir verschiedene wunderschöne Pflanzen und Vögel, die man bei uns nicht sieht? Und dazu windet es so stark, dass wir uns teilweise so richtig gegen den Wind stemmen müssen.

So erreichen wir am späten Nachmittag unser Hotel, wo ich jetzt am Bericht Schreiben bin.

Mittwoch, 15. Mai: 1. Wanderetappe Sagres – Vila do Bispo
Morgenessen gibt es erst um halb neun, aber es ist reichhaltig und gut. Schon vorher haben wir uns abreisebereit gemacht, denn wir möchten möglichst weit kommen, bevor es richtig heiss wird. So können wir etwa um neun Uhr starten. Ein ziemlich starker Wind weht uns entgegen. Wir folgen ein Stück weit der Strasse Richtung Cabo Sao Vicente und zweigen dann nach rechts ab. Durch ein Scheinbar vor Jahren geplantes Ferienhausquartier, von denen einige nie gebaut wurden, andere kbereits am Zerfallen sind und nur wenige bewohnt sind, gelangen wir nach etwa sechs Kilometern durch eine Schafherd hindurch auf den offiziellen Wanderweg der Rota Vicentina. Links und rechts wachsen mittelmeerische Macchiapflanzen, dann wieder Strandhafer und hie und da scheint auch ein Acker dazwischen zu liegen. Wir begegnen hie und da Wanderern und Radfahrern. Über weite Strecken sind wir ganz allein unterwegs. Bei einer Kuhherde sehen wir Kuhreiher, von Sträuchern ertönt der Gesang der Grauammer und links und rechts des Weges tauchen immer wieder Schwarzkehlchen auf. Verschiedene Lerchen, wie Hauben-, Feld- und Heidelerche heben sich singend in die Lüfte oder machen sich von Grasbüscheln und Steinen her bemerkbar. Wir geniessen die Landschaft, picknicken auf dem Betongeländer einer Brücke und lassen uns immer wieder von Pflanzen, Vögeln und irgendwelchen Tönen und Geräuschen ablenken. Ertönte da der Ruf einer Wachtel? Was für eine Möwe schreit da wie ein Kleinkind?
Schliesslich erreichen wir gegen 14 Uhr unser Ziel, Vila do Bispo. Da ich bereits bei der Fahrt nach Sagres unsere heutige Unterkunft von der Strasse her ausmachen konnte, finden wir den Weg sehr schnell, wie und der Zufall will es, dass wir unserer Gastgeberin bei der Kirche gerade in die Arme laufen. Sie nimmt uns seh freundlich in Empfang und zeigt uns alle wichtigen Gegebenheiten, die uns zur Verfügung stehen.
Duschen, ein Erkundungsrundgang im Dorf und ein Bier bzw. ein Glas Weisswen stellen uns wieder auf und geben uns die Gewissheit, dass wir auch den morgigen Tag meistern werden. Zudem haben wir ein Lokal gefunden, wo wir heute Abend frischen Fisch und gemischten Salat geniessen können. Ein bisschen die Beine hoch lagern und den Tag Revue passieren lassen ist nun angesagt.

Donnerstag, 16. Mai: Vila do Bispo – Carrapateira
22 km haben wir heute vor uns, und das zu Fuss. Wir sind gespannt, wie sich das anlässt.
Kurz vor neun Uhr, nach einem reichhaltigen Frühstück im Freien, machen wir uns auf den Weg. Zuerst geht es ein Stück der Strasse entlang und dann auf einer Naturstrasse weiter durchBrachland mit wunderschönen, in allen Farben blühenden Sträuchern und Kräutern, darunter verschiedene Arten von Zistrosen , Mastixsträuchern, Witwenblumen, Lavendel u.a. Plözlich ändert sich das Landschaftsbild. Wir wandern durch Pinien- und Eukaliptuswäldchen. Nun geht es durch hügeliges Gelände mit dichtem Pflanzenwuchs und steil hinunter in ein Tal. Wir folgen einem Bachlauf. Nun steigen wir hinauf und entdecken links und rechts vom Weg Korkeichen, die mindestens teilweise genutzt wurden. Unterwegs gelangen wir in das Dörfchen Pedralva, wo wir auf einer Bank picknicken. Auf der Nachbarbank sind zwei wandernde Franzosen mit derselben Tätigkeit beschäftigt. Wir kommen ins Ins Gespräch und erfahren, dass die beiden nach Santiago di Compostela unterwegs sind. Im Restarant genehmigen wir uns noch etwas zu trinken, bevor wir uns wieder auf den Weg machen. Und da hören wir mindestens zwei Nachtigallen, beobachten ein Schwarzkehlchen, werden von den beiden Franzosen überholt und überholen sie wieder. Um ca. halb vier treffen wir in Carrapateira ein und finden unsere heutige Unterkunft problemlos. Von aussen sieht alles sehr hübsch aus, aber unser Zimmer ist klein und der heftig blasende Wind lässt Fenster und Türen klappern. Mit eingeklemmten WC-Papierchen und Schliessen der Fenster hoffe ich, das in Griff zu kriegen. Aber die Pfeifgeräusche und das Rauschen bringe ich nicht weg.

Schon bald ist Nachtessen angesagt. Gemäss Auskunft unseres Beherbergers sind alle Restaurants im Dorf heute zu, so dass wir uns noch zu einem Strandrestaurant begeben müssen. Mal schauen, ob daraus was wird.

Freitag, 17. Mai: Carrapateira – Arrifana (Vale da Telha)
Gemäss Routenplaner stehen uns heute 24 km Wegstrecke und Steigungen von 500 Metern bevor.es scheint die härteste Etappe unserer Wanderung zu werden.
Schon etwas vor acht treffen wir beim Zmorgenbuffet ein. Es ist sehr reichhaltig, so dass es mir Mühe macht, mich für etwas zu entscheiden. Ein Früchteteller, frisch gepresster Orangensaft, Milchkaffee, ein weich gekochtes Ei, ein Brötchen, verschiedene Käse und Wurstwaren mit Butter stärken mich für die geplante Strecke. Darauf machen wir uns auf den Weg.
Die erste Wegstrecke verläuft entlang einer Strasse, als ich gar nicht schätze. Wandern auf Asphalt und Strassenborden belasten Füsse und Gelenke. Zum Glück können wir schon bald auf einen Fussweg abzweigen, der durch eine Pferdeweide in die Hügel führt. Wir werden mit einem tollen Ausblick auf die Dünenlandschaft und die Meeresküste belohnt. Der Weg führt nun durch unbewirtschaftetes, coupiertes Gebiet mit blühenden Pflanzen und singenden Vögeln, mit häufigen Auf- und Abstiegen zum kleinen Dorf Bordeira. Von da an geht es entlang einem landwitschaftlich genutzten Tälchen, wobei einige Betriebe nicht mehr genutzt werden und am Zerfallen sind.
Danach führt der Weg durch dicht bewachsene Kiefern- und Eukaliptuswäldchen über weite Flächen. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich. Bei einem zerfallenden Gebäude mit einem Ebensolchen aus Steinen gebauten Backofen picknicken wir und beobachten einen Gecko. Beim Weitergehen, an den fehlenden Espresso denkend, stehen wir auf einer Anhöhe vor einem neu gebauten Anwesen mit einer am Boden liegenden Tafel, auf der «Open» und ein Angebot ab Getränken steht. Wir gehen durch die Pforte des umgebenden Hages aus Bambus-oder Schilfstengeln und stehen in einem Park mit Pool, einem lang gezogenen Gebäude mit teilweise aus Schiefer erstellten Wänden und einem phänomenalen Blick in die umgebenden Hügel. Und hier gibt es auch den ersehnten Kaffee.
Einige Zeit später tut sich der Blick hinaus auf den Atlantik und etwas später auf eine im Meer draussen stehende, von den Wellen umtoste Felsnadel und auf eine Steilküste auf. Nun heisst es in die Bucht hinab- und auf der anderen Seite wieder etwas mehr als hundert Meter hochsteigen. Dabei überholen wir zwei Geländewagen, wovon der eine grösste Mühe bekundet, diese Steigung zu überwinden.
Nun folgt noch die letzte Herausforderung des Tages: Finde die Unterkunft! Wir haben zwar die Karte, worauf sie eingezeichnet ist, aber die genaue Lage ist unklar. In einem weiten Bogen gelangen wir zum Ort, aber mit Ausnahme eines Wegweisers ist nirgends etwas angeschrieben. Und Leute zum Fragen sind nicht greifbar. Durch ein offenes Gartentor gehe ich zu einem Gebäude, wo eine Frau sich auf der Terrasse aufhält, und sie bestätigt mir, dass wir am richtigen Ort sind. Mehr als 28 Kilometer gibt mir mein Handy an, hätten wir heute zurückgelegt, und die letzten paar Kilometer auf Asphalt. Das fährt in die Knochen. Aber jetzt ruft die Dusche, und die entschädigt für die Strapazen. Und das kühle Bierchen und ein feiner Fisch vom Grill sind weitere Höhepunkte.

Samstag, 18. Mai: Vale da Telha – Aljezur

Wir haben beide gut geschlafen. Das Frühstück ist o.k., der Eierkocher funktioniert offenbar anders als ich mir das gewohnt bin. Jedenfalls ist das Ei sehr weich und lässt sich aufs Brot streichen.
Da die heutige Etappe recht kurz ist, beschliessen wir, sie zu verlängern. Auf einer Asphaltstrasse, teilweise sogar mit Trottoir, erreichen wir die Ponta Atala, eine ins Meer hinaus ragende Felsnase. Da es immer noch recht windig ist, können wir hier das Schauspiel der sich am Strand überschlagenden, weiss schäumenden Wellen geniessen.
Der nächste Abschnitt unserer heutigen Wanderung ist eindrücklich und sagenhaft schön. Hoch auf einer Steilküste, durch artenreiche Vegetation gehen wir zu Fuss durch Sand und auf Felsen ca. zwei Kilometer weit zum Punkt Meda da Pina. Leider führt der Rückweg nach Vale da Telha wieder über eine Asphaltstrasse, was sehr eintönig ist und uns einige Mühe bereitet. So gelangen wir zum Lago Silencioso, der wirklich still wirkt. Kein Wasservogel zeigt sich.
Der nachfolgende Abschnitt bis Aljezur ist dann wieder sehr abwechslungsreich. Allerdings zeigen sich keine neuen Arten. So gelangen wir problemlos und gemächlich ins Städtchen Aljezur und geniessen dort in einer alten Mühle, die als Restaurant dient, ein kühlendes Getränk. Und da lassen wir uns für den Abend auch gleich einen Tisch reservieren, denn heute findet da drin ein besonderes Event statt, ein Pachangaabend. Wir sind gespannt, was das wird.

Bevor wir aber zum Nachtessen gehen müssen wir noch etwas Proviant für morgen einkaufen. Da begegnen wir zwei jungen Frauen aus Münster, Westfalen, die gerade von Norden her in Aljezur eintreffen. Sie möchten wissen, wie es weiter geht, und zwar für ihre letzte Etappe.
Unser Nachtessen ist ebenfalls ein Hit. Das Lokal ist ein Vegi-Restaurant. Als Starter kriegen wir dreifarbiges Hummus mit Karotten- und Stangensellerie-Stiften sowie Vollkornbrot.Margrit kriegt als Hauptmahlzeit einen Regenbogen-Salat und ich das Tagesmenü bestehend aus einem Getreide-Stew, Bohnengemüse und Broccolisalat. Es schmeckt uns beiden, da die Sachen lecker gewürzt sind. Zudem wird südamerikanische Tanzmusik, Pachanga und Salsa gespielt, und eine hübsche schwarze Frau animiert die Gäste zum Mittanzen, was auch Publikum und Tanzende von der Strasse anlockt.

Sonntag, 19. Mai: Aljezur – Odeceixe
Rund 19 Kilometer sind heute zu Fuss zu bewältigen: ein wahrer Sonntagsspaziergang. Da das Frühstück erst um halb neun bereit ist, marschieren wir spät ab. Aljezur ist noch nicht wach. Wir nutzen die Gelegenheit, hier noch einige Fotos und Videoaufnahmen zu machen.
Der Weg führt zuerst hinunter auf den Talboden und über den Ribeira de Aljezur auf die linke Talseite. An einem Tierheim, vorbei an Hundezwinern mit in allen Tonlagen kläffenden Kötern gelangen wir wieder auf eine Hochebene. Da geht es wenig spektakulär weiter, zum Teil durch ungenutzte Flächen, zum Teil durch landwirtschaftlich genutzte Felder, an Weihern vorbei, durch Eukaliptus- und Kiefernwäldchen, an verlassenen und zerfallenden Gehöften vorbei, durch die Ortschaft Rogil, ziemlich eben, bei zunehmender Wärme und Luftfeuchtigkeit. Und doch erleben wir einige Höhepunkte. Am Aljezurfluss beobachten wir Sporngänse, die an und für sich in Afrika beheimatet sind. Ausserhalb Rugils entdeckt Margrit ein Blauelsterpaar, das allerdings sehr scheu ist und sich schlecht beobachten lässt. Zwei weitere Exemplare entdecken wir später. Ein Eichelhäher fliegt davon, als wir ihm zu nahe kommen. Vor Odeceixe hören wir Rufe der Bienenfresser, aber vorerst wollen sie sich nicht zeigen. Und plötzlich ruft einer von einer Stromleitung herunter. Weitere Exemplare entdecken wir später noch.
Die Windmühle von Odeceixe, die hoch über dem Städtchen steht, fasziniert uns. Sie soll noch funktionieren. Allerdings ist sie bei unserer Ankunft nicht in Betrieb. Aber die Aussicht auf das Städtchen, das sich an den Abhang schmiegt und durch enge Gassen und Steintreppen erschlossen ist, sowie auf das Tal des Seixe-Flusses ist phänomenal.
Unsere Unterkunft finden wir problemlos, und werden von einer kleingewachsenen Frau äusserst freundlich empfangen. Das Zimmer können wir auswählen. Unser Koffer ist auch schon da, und weil er so schwer ist, wählen wir das Zimmer im Parterre neben der Reception.
Duschen, etwas ausruhen und dann ein Gang ins Städtchen mit Nachtessen runden den Tag ab.

Montag, 20. Mai: OdeceixeZambujeira do Mar
Beim Morgenessen beschliessen wir, für die ersten vier Kilometer unserer Wanderung ein Taxi zu nehmen, da gemäss Routenbeschrieb diese Wegstrecke auf Asphalt zurückzulegen ist. Unsere Gastgeberin organisiert uns dieses telefonisch, und so beginnt unsere Wanderung erst am Strand von Odeceixe mit dem Aufstieg auf die Klippen. Doch bereits hier gibt es einiges zu beobachten. Ein Schwarzkehlchen zeigt sich und weitere, im Augeblick nicht identifizierbare Vogelarten fliegen weg. Bei den Schafen, oben auf der Weide, ist eine Gruppe Dohlen im Gras zu beobachten.
Neben landschaftlich spannenden Elementen gibt es wieder eine sagenhafte Vielfalt an Pflanzen, die gelb, rot, rosa, blau, violett in verschiedenen Tönen blühen.
Uns fällt im Verlauf der Wanderung am Rand der hier vorherrschenden Steilküste auf, dass sich auf den unzugänglichen Klippen Nester befinden, auf denen Störche ihre Eier bebrüten oder bereits geschlüpfte Junge füttern. Immer wieder werden wir von über den Klippen kreisenden Störchen abgelenkt. Zudem machen sich im Buschwerk und in der Luft Zistensänger, Schwarzkehlchen, Hausrotschwanz und weitere, nicht bestimmte Kleinvögel bemerkbar. Sogar ein Rötelfalke fliegt unter uns durch. Unterschiedliche Möwen ziehen ihre Bahnen über dem Wasser und lassen sich oft auch in den Wellen nieder. Über längere Zeit beobachten wir dunkel gefärbte, metallisch glänzende Tauben, die aus einer Höhle kommen, das gegenüberliegende Ufer anfliegen, dort offenbar Futter oder Nistmaterial sammeln und dann zur Höhle zurückfliegen. Könnte es sich hierbei um Felsentauben handeln? Auf Abbildungen sind sie nicht so dunkelfarbig.
Einmalig ist die Landschaft mit diesen zerklüfteten Felsformationen, den kleinen Sand- und Kieselstränden in der Tiefe, den sich überschlagenden und weiss schäumenden Wellen, den hoch aufspritzenden Wasserfontänen an den Kliffen, den verschiedenen Farbeffekten: ein grossartiges Schauspiel. Dort wo Bäche und Flüsse ins Meer münden, müssen wir uns richtiggehend durchs Pflanzendickicht kämpfen, wo der nackte Fels an die Oberfäche tritt, ist die Vegetation sehr spärlich. Vor lauter Staunen und Beobachten verpassen wir dann tatsächlich die Wegmarkierungen und befinden uns plötzlich in der «Wildnis», obschon in unserer Broschüre ausdrücklich verlangt wird, dass man die markierten Wege nicht verlassen soll. Glücklicherweise finden wir dann relativ schnell auf den markierten Weg zurück.
So erreichen wir nach über siebenstündigem Spaziergang unser Ziel, das Dorf Zambujeira do Mar und unsere Unterkunft. Duschen, Kleider wechseln und ein anschliessender Rundgang im Dorf sin die nächsten Programmpunkte. Beim Aperitif treffen wir ein Ehepaar aus dem Aargau, das mit dem Wohnmobil unterwegs ist.
Nach dem Nachtessen (Seeteufelspiess mit Crevetten und Gemüse, Pommes Frites und Reis, gemischter Salat und ein Glas Weisswein) ist schon bald Nachtruhe angesagt. Die Sonne ist bereits im Atlantik schlafen gegangen, die Dämmerung und eine leichte Rotfärbung der Wolken künden die Nacht an.

Dienstag, 21. Mai: Zambujeira do Mar – Almograve

Der Tag beginnt heute mit einer Besonderheit. Wir müssen/dürfen uns unser Frühstück selber zubereiten. Im Zimmer ist ein Wasserkocher vorhanden. Butter, Käse, Schinken, Milch, Saft und Joghurt sind im Kühlschrank, Geschirr, Besteck und andere Zutaten auf einem Tablet und die frischen Brötchen werden uns um zwanzig nach acht an die Zimmertüre gehängt. Wir decken unseren Frühstückstisch im Innenhof und geniessen da unsere Mahlzeit.
Danach starten wir unsere heutige Etappe. Der erste Abschnitt führt einer Strasse entlang, auf einem Trottoir, bei starker Bewölkung, zum Fischerhafen. Ab hier marschieren wir mit wenigen Ausnahmen auf einem Weg über den Klippen. Und da tun sich wieder prachtvolle Szenerien auf. Da und dort gibt es was zu beobachten. Leider zeigen sich keine neuen Arten.
Beim Leuchtturm Cabo Sardao machen wir Mittagshalt. Unterdessen ist der Himmel blau geworden und wir haben die Sonnenbrillen aufgesetzt. Auf einer Holzplattform, von der aus man hinunter in eine steilwandige Bucht schauen kann, belegen wir eine Holzbank, um da unser Picknick zu geniessen. Uns fällt auf, dass sich eine grosse Gruppe Vogelbeobachter am Rande der Bucht oben auf den Klippen aufhält und angestrengt mit Feldstechern, Fernrohren und gewaltigen Zooms auf den Kameras in die Bucht hineinschaut. Da sind wieder die Storchennester auf den Klippen, die ihre Aufmerksamkeit erregen. Und plötzlich fliegen auch zwei Rötelfalken über uns hinweg, die nun scharf beobachtet werden.
Der Weitermarsch am Nachmittag ist streng, führt uns der Weg doch zu einem grossen Anteil entlang von Sandwegen, die sehr tiefgründig sind. Und das braucht Kraft. Wir überstehen auch diese Phase bestens und stossen mit Sand gefüllten Schuhen zwei drei Kilometer vor Almograve auf eine Strasse mit gestampftem Belag. Wir entleeren unsere Schuhe und Socken und geniessen den letzten, weniger anstrengenden Abschnitt unserer Tagesetappe. Leider sind die beiden Strandcafés am Meer vorne noch geschlossen. So gelangen wir durstig und prblemlos zu unserer Unterkunft. Ein Bier bzw. ein Glas Wein gibt es erst nach dem Duschen in einer Bar im Dorf. Und da der Wirt grosszügigerweise noch etwas Salziges dazu serviert, der Preis dafür sehr günstig ist und der Chef des anschliessend besuchten Restaurants nicht den besten Eindruck hinterlässt, gehen wir dahin zurück zum Essen. Wir bereuen es nicht. Die Bedienung ist gut, der Seebarsch vom Grill exzellent, der weisse Hauswein ist kühl und schmeckt uns, und der Preis? Dafür bekommt man in der Schweiz kaum einen halben Liter Wein.
Und nun geniessen wir die Ruhe und stärken uns für den morgigen Tag, der mit rund 16 km, wovon einige im Sand, nicht ganz ohne sein wird.

Mittwoch, 22. Mai: Almograve – Vila Nova de Milfontes

Heute Morgen erleben wir gerade mehrere Novums. Es hat Nebel draussen. Nach dem Morgenessen starten wir und verlassen Almograve zuerst ein paar hundert Meter weit auf einer Asphaltstrasse, bevor wir auf ein Natursträsschen einbiegen. Und da bewegen sich zwei Schlangen eng umschlungen auf dem Weg. Allerdings fühlen sie sich offenbar durch uns gestört. Bevor wir unsere Apparate zur Festhaltung dieses Geschehens zur Hand haben, haben sich die beiden Tiere entschlungen und das eine ist bereits zur Hälfte in den Pflanzen am Wegrand verschwunden. Dafür singt bei der nächsten Hecke eine Nachtigall wunderschön und lässt sich durch unsere Anwesenheit nicht stören. Leider können wir sie aber im Dickicht nicht sehen.
Ab jetzt führt der Weg über mehrere Kilometer durch feinen Sand. Das Gehen ist anstrengend. Die Scuhe füllen sich allmählich damit. Entsprechend kommen wir langsam voran.
Die nächste Überraschung ist das Pflanzendichicht, durch das der Weg führt. Wurzeln am Boden, Äste und umgestürzte Bäume über den Weg erschweren das Weiterkommen. Dafür tun sich aber immer wieder wunderschöne Küstenabschnitte auf und animieren uns zum Fotografieren. Als sich endlich unser Ziel, Vila Nova de Milfontes, blicken lässt, freuen wir uns, dass wir’s bald geschafft haben. Aber das ist ein Irrtum. Denn es sind immer noch sechs Kilometer zurückzulegen. Zuerst geht’s noch ein Weilchen der Küste entlang in die Trichtermündung des Rio Mira, dann durch Wälder und Weiden zur Strasse hoch, die über den Fluss führt, der Strasse entlang über die Brücke zu einm Kreisel und von dort Ins Städtchen. Das auffinden unserer Unterkunft ist ebenfalls nicht problemlos. Aber mit Fragen von Passanten erreichen wir sie doch noch. Und Margrit kann unterwegs noch wunderbar aus der Nähe ein Schwarzkehlchen-Männchen fotografieren.
In der Unterkunft werden wir mit hausgemachtem Vanille-Keks und Zitronensaft verwöhnt. Unser Zimmer sieht gut aus. Im Garten hinter dem Haus kann ich die Schuhe innen und aussen von Sand befreien. Die Dusche funktioniert, so dass wir schon bald eine kurze Erkundungstour machen und in einem Strassencafé eine kühle Weisswein-Sangria geniessen können.

Donnerstag, 23. Mai: Vila Nova – Porto Covo

Heute Morgen werden wir beim Frühstück bedient. Zwei Frauen und ein Herr fragen uns immer wieder, was wir begehren und bringen uns das Verlangte. Danach machen wir uns möglichst bald auf den Weg, denn eine strenge Etappe steht uns bevor. Das erste Stück Weg führt uns auf einer Naturstrasse sehr gerade und direkt zur Ponta dos Barcas, einem Fischerhafen. Von da weg geht es auf sandigen Pfaden entlang verschiedener Buchten durch die Dünen. Der Sand ist tief, das Gehen entsprechend anstrengend. Die Schuhe füllen sich allmählich mit Sand und engen die Zehen ein. Aber die Natur hier entschädigt uns bei weitem für die erlittenen Strapazen. Wir sind weit und breit die einzigen Wanderer, die unterwegs sind. Nahe der Praia do Malhão begegnen uns die ersten Wandernden in der Gegenrichtung. Gelegentlicher Austausch mit diesen gibt uns Anhaltspunkte, wie weit wir bereits gekommen sind und was uns noch bevorsteht.
Bei der Praia Malhão, wo sich riesige, aber zu dieser Jahreszeit noch leer stehende Parkplätze für Autos befinden, wurden vor ein paar Jahren Holzstege mit Aussichtsplattformen und informationstafeln in den Dünen erstellt. Allerdings sind diese in einem schlechten Zustand. Eine Erneuerung wäre angebracht. Da finden wir eine Bank zum Picknicken. Hier leeren wir aber zuerst unsere Schuhe. Unglaublich, wieviel Sand neben und unter unseren Füssen Platz fand.
Nun kommt der unmarkierte Abschnitt unserer Etappe. Es gibt zwei Möglichkeiten, diesen zu bewältigen. Man kann dem Stand entlang gehen, was bei Eppe problemlos sein soll. Oder man geht den Dünen entlang. Wir wählen den Dünenweg. Da sind immer mehrere Wege sichtbar, die dazu dienen, die Strände zu erreichen. Und Sand hat es hier auch wieder in unübersehbaren Mengen. Und da bemerken wir plötzlich, dass wir uns von den Dünen zu weit entfernt haben, sehen aber von einer Kuppe aus den richtigen Weg. Also beschliessen wir, querfeldein Richtung Dünen zu marschieren. Dabei gelangen wir allerdings auf ein Privatgrundstück, wo plötzlich ein bellender Hund auftaucht. Margrit will umkehren, ich bestehe darauf, diesen Hund zu missachten, da wir sonst durch ein undurchdringliches Dickicht gehen müssten. So gelangen wir zurück auf den Weg entlang den Dünen und wechseln da schon bald einmal an den Strand, der nur gerade von drei Personen besetzt ist. Dem tosenden Atlantik entlang setzen wir unseren Weg fort.
Als Wasserratte muss ich da aber unbedingt ein Bad nehmen. So machen wir bei den nächsten, in den Sand hineinragenden Felsen Halt. Ich ziehe mich aus und begebe mich in die Wellen. Ein wunderbares Gefühl! Allerdings ist das Wasser kalt, so dass ich es nicht allzulange aushalte. Margrit filmt. Als ich aus dem Wasser steige, stellt Margrit fest, dass sie noch ein Foto hätte knipsen können. Also gibt es eine Zweitauflage meines Badeerlebnisses. Bis ich dann trocken und wieder in die Kleider gestiegen bin, dauert es etwas. Aber dafür sind die Schuhe wieder sandfrei und auch frei von stacheligen Grasfrüchten.
Nun ist der Weg wieder markiert, und wir gelangen problemlos nach Porto Covo. Unterwegs beobachten wir noch ziemlich viele Dohlen, ein Hausrotschwanzpärchen, ein Schwarzkehlchen und Möwen. Unser Hotel, das am Siedlungsrand liegt, finden wir leicht dank hilfreichen Tips von Einheimischen. Und hier ist es nun nach eifachen Zimmern in den vorherigen Unterkünften luxuriös. Grosses Zimmer, Pool, Gartensitzplatz, breite Betten.
In einem einfachen, gut besuchten Restaurant geniessen wir das Nachtessen: Oliven mit Käse und Brot, eine 3/8-Flasche Weiisswein aus dem Alentejo, grillierten Tintenfisch mit Kartoffeln und Gemüse und gemischten Salat. Und danach ist Schreiben und Schlafen angesagt.

Freitag, 24. Mai: Porto Covo – Cercal do Alentejo

Da wir heute schon früh, nämlich ab halb acht, frühstücken können, sind wir auch rechtzeitig bereit und können dem Markt noch einen Besuch abstatten, um das heutige Picknick einzukaufen. Beim Stand mit Früchte und Gemüse kaufen wir Aprikosen, Birnen und einen Pfirsich mit ganz heller Haut. Angetan hat es mir aber der Fischmarkt mit einem Angebot, das das Herz eines jeden Fischliebhabers höher schlagen lässt. Was da alles in der Auslage liegt! Leider können wir keine Fische mitnehmen, da sie leider verderben würden.
Im Hotel zurück, verpacken wir die Einkäufe in unseren Rucksäcken, kontrollieren nochmals, ob alles mitgekommen ist, und dann machen wir uns auf den Weg. Nun ist der Weg wieder bestens markiert und führt uns von der Küste weg. Das macht sich vor allem in der begleitenden Flora bemerkbar. Links und rechts des Weges breiten sich Blumenwiesen, Schafweiden, Ackerland und Heuwiesen aus. Wir kommen an Bauernhöfen vorbei, unter anderem auch an einer antiken portugiesischen Windmühle, die leider am Zerfallen ist.
Schon bald steigt der Weg an und teilweise bizarr geformte Korcheichen säumen den Weg. Dieser nimmt schon fast die Form eines ausgetrockneten Bachbettes an. Da tritt Margrit beinahe auf eine am Wegrand liegende Schlange. Sie ist dünn, vielleicht etwas mehr als einen halben Meter lang. Drohend hebt sie ihren Kopf uns gibt leise zischende Geräusche von sich. Mit Fotoapparat und Videokamera wird das Ding festgehalten.
Der Weg steigt weiter an an Korkeichen, Kiefern und Eukaliptusbäumen vorbei. Wir beschliessen, unser Picknick einzunehmen, wenn wir den Kulminationspunkt unserer Etappe erreicht haben. Mit Mühe finden wir ein Plätzchen mit zwei Steinen, worauf wir uns setzen können. Dort geniessen wir Aprikosen, Pfirsich und Birne. Sie schmecken vorzüglich. Beim Weitergehen sehen wir dann, dass nur wenige hundert Meter von diesem Ort eine Bank zur Verfügung gestanden hätte.
Der allmähliche Abstieg nach Cercal führt durch eintönigen Eukaliptuswald, später durch einen artenreichen Wald mit ganz verschiedenen Bäumen und Pflanzen, darunter Mimosen ähnliche Bäume in grosser Zahl. Und darauf geht es an Bauernhöfen mit unterschiedlichen Produkten vorbei. Dabei begegnet uns noch eine Riesenheuschrecke, die fotografisch festgehalten wird.
Über eine Brücke gelangen wir an unseren Zielort, wo uns eine Passantin auf Portugiesisch den Weg zu unserer Unterkunft erklärt. Und schon bald sind wir da, können uns frischmachen und mit Bier und Wein den Durst in einem nahen Café löschen. Anschliessend suchen wir noch das Restaurant auf, wo wir heute Abend essen werden. Es sieht vielversprechend aus.

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