Übrige Reisen

Guatemala – Rundreise

Montag, 22. Oktober 2018: Flug nach Guatemala City
Nachdem wir seit Wochen die Route unserer Reise studiert, die einschlägigen Internetseiten und unsere Impfausweise studiert, uns mit den nötigen Medikamenten eingedeckt, unsere Sachen alle gepackt und immer wieder überlegt haben, was wir noch zu wenig beachtet haben, ist der Tag der Abreise gekommen. Die Kleider, Koffer und Rucksäcke liegen bereit. Zwei Handys wecken uns um viertel vor vier. Fast stressfrei schaffen wir es, eine gute halbe Stunde später abreisebereit vor dem Haus zu stehen. Da ist auch bereits unsere Reiseorganisatorin, Beatrice, eingetroffen. Und schon bald steht Judiths Wagen da. Sie bringt uns drei nach Zürich Flughafen.
Nahe der bye-bye-Bar lernen wir die meisten anderen Mitreisenden kennen. Weitere drei Teilnehmer stossen in Guatemala City zu uns.
Unser Flug geht über Madrid. Da heisst es rund drei Stunden warten. Etwas verspätet startet unsere Maschine nach Guatemala City. Und wie halt so Langstreckenflüge sind: Sie dauern und dauern. Die Zeit vertreibe ich mir mit Essen, Lesen, vor mich hin Dösen und hie und da die Füsse etwas Vertreten. Der Flug verläuft unspektakulär. Einzig vor der Landung dreht der Flieger zwei drei aussichtsreiche Kurven. Da der Flugplatz nahe bei unserem Hotel liegt, sind wir nach der Landung, den Zollformalitäten, dem Geldwechsel und der Begrüssung durch unseren Reiseleiter René schon bald im Hotel. Als Folge hören wir aber die startenden und landenden Flugzeuge sehr gut in unserem Zimmer. Aber da bis zu diesem Zeitpunkt wenig Flugverkehr herrscht, wird das wohl kaum zum Problem werden.

Nach einer längeren Erholungspause treffen wir uns in der Hotelhalle zur Besprechung des weiteren Programms.
In nahe gelegenen Restaurant Cacao geniessen wir einheimische Gerichte. Die schmecken uns sehr. Und darauf ist Nachtruhe nach einem langen Tag angesagt. 

Dienstag, 23. Oktober: Museumsbesuch und Fahrt nach Copán (Honduras)
Schon frühmorgens macht sich der Jetlag bemerkbar. Ab vier Uhr bin ich pudelmunter. Dafür habe ich Zeit, um die Tageszeitung herunter zu laden und zu lesen.

Für heute ist zuerst ein Museumsbesuch in Guatemala Stadt, kurz Guate, vorgesehen, anschliessend fahren wir nach Copan in Hoduras. Aber zuallererst werden unsere Augen und Gaumen mit einem reichhaltigen Frühstücksbuffet verwöhnt. Nach einem kurzen Rundgang in der Umgebung des Hotels starten wir das Tagesprogramm.
Mit unserem Bus erreichen wir nach verschiedenen Staus das Gelände der Fancisco Marroquin-Universität, wo sich das Popol Vuh-Museum befindet. Hier erhalten wir anhand von Keramikfunden, Zeichnungen, Grafiken und zugehörigen Texten einen Überblick über die verschiedenen Phasen der Mayageschichte. Eindrückliche Fundgegenstände lassen uns erahnen, wie die Mayas gelebt haben, aber auch feststellen, dass noch viele Rätsel ungelöst sind. Popol Vuh ist übrigens das heilige Buch der Quiché-Maya. Mehr darüber könnt ihr im Internet erfahren.
Anschliessend geht unsere Fahrt weiter mit Zwischehalten in El Rancho und Chiquimula an die guatemaltekisch-honduranische Grenze. In einem Dorf kurz davor beobachte ich noch eine auffällig grosse Menschenmenge und ein grosses Polizeiaufgebot. Unser Chauffeur erklärt mir, dass das honduranische Flüchtlinge seien, die weiter nach Mexiko und die USA wollten. Die zu erfüllenden Formalitäten sind wesentlich umständlicher als im Westen Europas. Doch können wir die Grenze nach Erledigung derselben problemlos passieren.
Für die Strecke Grenze-Copán ist unsere Geduld gefordert, denn wir müssen zwei riesigen Sattelschleppern folgen, die einfach nicht vorwärts kommen, da die Strasse verbreitert wird, der Belag aufgerissen wurde und an vielen engen Stellen auch der Gegenverkehr durchgelassen werden muss. Entschädigt werden wir durch tolle Sonnenuntergangs- und Dämmerungsbilder in diesem wilden Berggebiet. Über fast halsbrecherische anmutende Natur- und Kopfstieinpflasterstrassen erreichen wir bei Dunkelheit unser Hotel – ein Juwel. In einem Innenhof voller Pflanzen liegt ein Swimmingpool, verschiedene Treppen führen zu den grosszügigen Zimmern, da und dort plätschert Wasser in ein Becken und ein prachtvoller Garten gehört ebenfalls dazu.
In einem heimeligen Restaurant, auf der gedeckten Terrasse, geniessen wir das Nachtessen. Der Schlaf stellt sich nach diesem abwechslungsreichen Tag sehr schnell ein.

Mittwoch, 24. Oktober: Maya-Ruinen und Thermalbad
Nach einem vorzüglichen Frühstück fahren wir um acht zum Maya-Bezirk in Copán. René führt uns zusammen mit einem einheimischen Guide durch die Ruinen. Er weiss sehr viel zu erzählen. Es ist wirklich erstaunlich, was die Mayas hier hinterlassen haben. Mit einigen Reiseteilnehmern zusammen wagen wir noch einen Blick in die Tunnels, die von den ausgrabenden Archäologen angeregt und unter den Ruinen gegraben wurden. So können wir hier die Bauten verschiedener aufeinanderfolgender Herrscher besichtigen, denn jeder dieser Maya-Könige liess über den Gebäuden seiner Vorfahren eigene Bauten nach seinem Gusto erstellen, ohne allerdings die bestehenden abzureissen.

Den Besuch runden wir im Museum ab, wo eines der älteren, verschwundenen Gebäude in Originalgrösse nachgebildet wurde. Zudem stehen hier viele Originale, die im Freien nachgebildet wurden. Wir erhalten auf diese Weise einen recht umfassenden Einblick in diese für uns fremde und bizarre Kultur. Sogar die Wissenschafter scheinen sich noch nicht in allen Belangen auszukennen, und so werden wahrscheinlich in den nächsten Jahrzehnten noch einige neuere Erkenntnisse auftauchen. Von ausserirdischer Mithilfe, von der bei gewissen Autoren die Rede ist, steht allerdings nirgendwas.
Um halb eins kehren wir ins Hotel zurück, um uns zu verpflegen und etwas Siesta zu halten.
Um halb drei stehen wir alle mit Badezeug bereit bei der Hotelreception. In zwei Kleinbussen führt die Fahrt in die Berge. Nach einer guten Stunde erreichen wir den Standort einer hoch gelegenen, ergiebigen Thermalwasserquelle mit dem Namen Luna Jaguar. Mitten im Wald ist hier ein Thermalbad mit verschieden warmen Becken, mit romantisch angelegten Wegen und mit einer Hängebrücke über den Bach. Hier vergnügen und entspannen wir uns. Der Höhepunkt ist dann das gemeinsame Nachtessen, das uns im intgrierten Restaurant serviert wird. Danach fahren wir bei Nacht und bei aufgehendem Vollmond auf der zum Teil steil abfallenden Strasse zum Hotel zurück, wo die meisten von uns schon bald ins Bett steigen und den wohlverdienten Schlaf geniessen.

Donnerstag, 25. Oktober: Fahrt über Quiriguá nach Livingston
Heute ist eine längere Fahrt zu bewältigen. Ziel ist Livingston an der Karibikküste. Nach dem üppigen Frühstück fahren wir um acht Uhr los. Die Rucksäcke sind so gepackt, dass wir die kommende Nacht ohne Koffer auskommen. Ein guter Teil der Fahrt ist uns bekannt von der Hinfahrt. Die Grenze passieren wir wieder etwas umständlich, aber problemlos. In Chiquimulá machen wir einen Halt, um in einem Einkaufszentrum unser Picknick einzukaufen. Margrit und ich entscheiden uns für Babybananen, eine Avocada, Äpfel und Maischips. Zudem kommt noch ein Kilo schwarze Bohnen dazu zum Heimnehmen, schliesslich soll es dann nach unserer Reise einmal ein guatemaltekisches Essen geben.
Der nächste Halt findet in Quiriguá statt. Wir fahren hier mitten durch eine Bananenplantage von riesigen Ausmassen. Am Strassenrand halten wir an und begeben uns ein paar Schritte zwischen die Bananenstauden. Die Fruchtstände sind an den Stauden in blaue Plastiksäcke eingepackt, um sie vor Schädlingen zu schützen. Da führt ein Luftseilbähnchen zwischen den Stauden hindurch. Anstelle der Kabinen hängen ganze Fruchtstände am Seil und werden durch eine Sprinkleranlage, die offenbar der Reinigung dient, vom Pflückort zur Sammelstelle geführt.
Nach kurzer Weiterfahrt kommen wir zum Eintrittsportal der archäologischen Stätte. Aber hier in dieser parkähnlichen Anlage geniessen wir zuerst unser Picknick. Dann führt uns René zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten und erklärt uns in gewohnt sachkundiger Art die Zusammenhänge und die historische Abfolge. Interessant ist insbesondere die Verknüpfung mit der Fundstelle in Copán. Es ist heiss, die Sonne brennt auf unsere Köpfe, so dass nach dieser anstrenenden Führung ein kühles Getränk wohltut.

Die Fahrt führt weiter durch riesige Weidegebiete nach Puerto Barrios. Speziell an diesen Rinderweiden ist, dass überall Palmen drin stehen. Die Rinder der Rasse Brahman bieten einen ungewohnten Anblick mit ihren Hängeohren und ihrem Zebubuckel. Vor unserem Ziel geraten wir noch in einen veritablen Stau. Aber als dann schon die Dämmerung einzusetzen beginnt, erreichen wir den Hafen, wo die ganze Reisegesellschaft in zwei Motorboote einsteigt. Livingston ist nur auf dem Wasserweg erreichbar. So gelangen wir nach rasanter Fahrt zu unserem Hotel, direkt an der Mündung des Dulce River gelegen. Und wiederum hat René ein fantastisches Hotel ausgewählt. Wir werden mit einem kühlen Begrüssungsdrink und einem kühl-feuchten Waschlappen zur Erfrischung empfangen.
Wir geniessen den Aperitif in der Budubar und das Essen in einem einfachen Restaurante, das von Garífunas betrieben wird. Diese sind Abkömmlinge schwarzer Sklaven, die sich hier an der Küste ansiedelten. Den Gute Nacht-Drink schlürfen wir auf der Hotelterrasse – ein echter Karibik-Traum.

Freitag, 26. Oktober: Transfer von Livingston nach Flores
Kurz nach fünf Uhr bin ich wach. Draussen ist bereits Betrieb. Man hört die Motoren einiger Boote, Musik von einem Radio und verschiedene andere Tätigkeiten. Schon bald stimmen auch verschiedene Vogelarten ein. Da drängt sich auf, den Feldstecher zu aktivieren. Auf der Zimmerterrasse können wir wunderbar das Getue rund eines Dutzends Rabengeier auf einer nahen Palme beobachten. Unmittelbar vor uns, auf einer anderen Palme, singen und karisieren bis zu vier kleinere Vögel mit gelber Brust, einem schwarzen Augenstreif und darüber einem weissen Streifen. Am Wasser unten sind Braunpelikane, Kormorane und Silberreiher zu beobachten. Und plötzlich taucht neben anderen unbestimmten Vögeln ein Yucatánspecht auf. So vergeht die Zeit schnell bis zur Morgentoilette und zum Frühstück.

Mit zwei Booten fahren wir nun den Dulce River hoch Richtung Lago de Izabal. Unser Schiffführer fährt ans Ufer und in Buchten, wo sich unter anderen auch ein Leguan und die bereits vor dem Frühstück gesehenen Vögel beobachten lassen. Dazu kommt noch ein Gelbstirn-Blatthühnchen.
Bei einem Halt lernen wir noch eine initiative guatemaltekische Familie kennen, die den vorbeifahrenden Touristen kühle Getränke, selbstgemachte Tortillas und Souvenirs anbietet. Wir sind nicht die einzigen Touristen, die dort Halt machen. Wir fahren anschliessend weiter bis zum Castillo de San Felipe de Lara, von dem aus früher der Zugang zum See kontrolliert werden konnte.
In der Ortschaft Rio Dulce geniessen die meisten von uns ein Tabado, ein typisches Gericht dieser Region. Es ist eine Art Fischsuppe mit einem ganzen Fisch und verschiedenen Meeresfrüchten, mit Kokosmilch zubereitet. Schmeckt wirklich lecker!
Die Weiterfahrt mit dem Bus in die Nähe von Flores verläuft ohne Stau. Allerdings ist bei unserer Ankunft die Sonne bereits untergegangen, aber die Stimmung ist grandios. Nachtessen brauchen wir nach diesem Mittagessen nicht mehr. So lassen wir den Tag bei einem Drink auf der Terrasse unseres Hotels ausklingen.

Samstag, 27. Oktober: Fahrt zur Chiminos Island Lodge und Besuch von Aguatecá
Vor dem Morgenessen unternehmen wir einen Spaziergang am Seeufer. Da gibt es schon etwas zu sehen. Auf dem gegenüberliegenden Ufer besetzt eine Kolonie Silberreiher mehrere Bäume und auf unserer Seite macht sich einer der bisher unbestimmten Vögel bemerkbar. Auf dem Spaziergang hören wir immer wieder das Klopfen eines Spechtes und begegnen einem scheuen Hühnchen, wahrscheinlich ein Sumpfhuhn. Nach dem Morgenessen, das aus einem Früchtecocktail, einer Omelette mit Garnitur, Toastbrot, Butter und Marmelade sowie Kaffee mit Milch besteht, werden wir noch ans Seeufer gerufen. Da zeigt sich ein Krokodil im Wasser, das allerdings vom Kellner mit Brot gefüttert wird.

Danach geht unsere Reise im Bus weiter. Wir haben für die kommende Nacht den Rucksack gepackt, denn der Koffer bleibt im Bus. Über Flores werden wir an den Rio Pasion gefahren, wo wir in ein Langboot umsteigen. Dieses führt uns zur Chiminos Island Lodge am Ufer der Laguna Petexbatún, wo wir zum Mittagessen erwartet werden. Auf der Fahrt begegnen wir u.a. einem rotbraun gefärbten Adler mit hellem Kopf und zweimal je einer Gruppe Brüllaffen. Sie bewegen sich in den Kronen hoher Bäume und geben mit lautem Brüllen und Knurren kund, dass ihnen unsere Anwesenheit in ihrem Revier absolut missfällt. In der Lodge angekommen, gibt es eine leckere Guisquilsuppe, eine Art Kohlgemüse, fein zubereitetes Hühnchenfleisch mit Reis und Gemüse und zum Dessert Wassermelone.
Nach dem Bezug unserer zugeteilten Hütten starten wir zum Ausflug zur Mayasiedlung Aguatecá. Mit dem Langboot fahren wir über den See und den Arroyo Petexbatún zu einer Landestelle. Hier kündigen alte, verblichene und teilweise zerstörte Hinweistafeln an, dass sich hier in der Nähe die archäologische Mayastätte Aguatecá befindet. Über eine mit halb verfaulten Brettern, zum Teil notdürftig geflickt, und unregelmässig hohen Stufen gelangen wir zum Eingangsgebäude, dessen Dach ganz fehlt, dessen Fensterscheiben weitgehend zerstört sind und dessen Mobiliar mir Ausnahme eines halb verfaulten Stehpultes inexistent ist. Immerhin ist ein Museumswächter da, der seinen Dienst hier weit abgeschieden von jeglicher Zivilisation wahrnimmt. René erklärt uns anhand eines Übersichtsplans die Anlage und die geschichtlichen Hintergründe. Dann machen wir uns auf den Rundgang, der zuerst am Fuss einer rund 50 m hohen Kalkwand entlang durch dichten Wald führt. Der Weg ist mit glitschigen feuchten Steinen übersät und Baumwurzeln überqueren ihn in alle Richtungen. Wir gelangen zu einem Unterstand, einem Aussichtspunkt hoch über dem See und der Ebene. Nach einem weiteren Aufstieg teilen wir uns in zwei Gruppen auf. Die eine nimmt den etwas einfacher angelegten Pfad zum Wohnsitz des damals hier herrschenden Mayafürsten. Zu sechst steigen wir in einen bis zu dreissig Meter hohen, engen Canyon hinunter und gehen einige hundert Meter der Sohle entlang bis zum Aufstieg, der uns wieder zur anderen Gruppe zurückführt. Und natürlich begegnen wir wiederum den Brüllaffen, deren lauthalse Proteste uns schon die ganze Zeit aus der Ferne begleiteten. Wir treffen nach kurzer Zeit unsere Gefährten, und René gibt uns die Erklärungen zu den hier stehenden Ruinen, die bis zur Zeit des Niedergangs der Mayakultur im 9. Jahrhundert bewohnt und dann als Folge feindlicher Angriffe verlassen wurden.
Die Rückfahrt zur Lodge erfolgt mit dem Boot. Und da offeriert René uns allen noch einen Cuba libre. Dabei werden wir aufgefordert, mal ganz stille zu werden und den Stimmen der Natur bei untergehender Sonne zu lauschen. Das animiert darauf einige Teilnehmer, ein Lied anzustimmen. So kommen wir bei Dunkelheit in der Lodge an, gehen duschen und geniessen anschliessend das in der Lodge-Küche zubereitete köstliche Abendessen. Da bereits kurz nach neun das Licht ausgeht und das Bier alle ist, kehrt schon bald Nachtruhe ein.

Sonntag, 28. Oktober: Fahrt nach Tikal
Margrit und und ich unternehmen bei Sonnenaufgang eine Entdeckungstour im Gelände der Lodge. Wir entdecken einen kleinen Frosch, der ähnlich aussieht wie ein Grasfrosch, sowie ein eichhörnchenähnliches Tier am Fusse eines Baumes. Bei einer Weggabelung steht ein Wegweiser, der zur Akropolis führt. Wir folgen ihm und erkennen auf einem Hügel eine Lichtung. Und da steht wiederum ein Wegweiser, der den Weg zum Ballspielplatz der Mayas führt. Dort sind noch zwei parallel verlaufene Wälle sichtbar. Ein weiterer Wegweiser führt uns zu einer Mauer und einem Kanal. Da scheint der Weg am Ende zu sein. Begleitet werden wir vom Fauchen und Knurren der Brüllaffen und vielen anderen Tönen und Geräuschen.

Nach unserer Rückkehr zur Hütte, müssen wir uns mit Zusammenräumen und Packen beeilen, denn das Morgenessen steht auf dem Programm: Omelette mit Bohnenmus, Tortillas, gebeites Brot, Butter und Hibiskuskonfi, Kaffee.
Die Bootsfahrt zurück zum Rio de la Passion, wo unser Bus uns erwartet verläuft ohne spezielle Höhepunkte. Mit dem Bus fahren wir nach Flores, wo wir uns etwas die Füsse vertreten und etwas essen können. Das Städtchen liegt auf einer Insel des Lago Petén Itza, die über einen Damm und über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist, Enge Gässchen führen durch das Städtchen. Die Häuser sind verschiedenfarbig gestrichen. Auf der höchsten Erhebung befindet sich ein Kleiner Park und die Kirche. Eine Strasse führt dem Wasser entlang rund um die Insel. Sie steht aber zurzeit zum Teil unter Wasser, da jetzt, am Ende der Regenzeit, der Seespiegel sehr hoch steht.
Anschliessend führt die Fahrt weiter nach Tikal, wo unser Hotel für die nächste Nacht steht. Schon kurz nach unserer Ankunft können wir die Zimmer beziehen und uns im Pool abkühlen. Ein Platzregen kühlt dann auch die Luft ab, so dass der von Beatrice gespendete Cuba Libre bereits wieder nötig wird, uns geht nervlich zu wärmen. Um halb sechs gibt es Strom, warmes Wasser und Internet, und ab jetzt sind alle anderweitig beschäftigt. Ein leckeres Abendessen im Hotelrestaurant rundet den Tag ab. Um halb zehn werden die Annehmlichkeiten unserer Zivilisation wieder abgeschaltet. So bleibt nicht viel anderes übrig als schlafen zu gehen und sich auf den Morgen zu freuen, denn um halb sieben wird alles wieder eingeschaltet. Jetzt ist es so weit: Ich kann meinen Text hochladen.

Montag, 29. Oktober: Besuch von Tikal und Fahrt nach Flores
Der heutige Tag ist zur Hauptsache der Besichtigung von Tikal gewidmet. Nach dem Packen unserer Koffer und dem Frühstück starten wir mit dem Rundgang durch das archäologische Gelände um halb neun Uhr zusammen mit René und einem lokalen Guide. René erklärt uns die geschichtlichen Zusammenhänge, der Guide macht uns immer wieder auf besondere Pflanzen und Tiere aufmerksam. Es tönt einfach fantastisch, wenn wir durch diese von den Maya hinterlassenen Monumente gehen, mit welchen Mitteln und mit welchem Aufwand sie erstellt wurden, welche Stellung die Mayafürsten einnahmen und wie wenig Wissen über das Leben in den politischen Gebilden vorhanden ist. Das Denken und die Lebensweise dieser Menschen ist uns sehr fremd.

Wir besteigen Pyramiden, deren Spitzen wohl Tempel beherbergten, gehen durch Paläste mit meterdicken Steinmauern, bewundern die Bauweise, bei der jeder Herrscher seine Gebäude über die Bauten seines Vorfahren erstellte, und geniessen die Aussicht und die weite dieser Anlage. Einfach sagenhaft. Um viertel nach eins ist unser Rundgang abgeschlossen, nachdem wir als Höhepunkt unserer Besichtigungstour die zentrale Akropolis und die Gran Plaza besuchen.
Bis drei Uhr haben wir noch Zeit, uns hier im Gelände aufzuhalten. Margrit und ich nutzen die Zeit, indem wir noch eine Klammeraffengruppe hoch in den Baumwipfeln beobachten, gemütlich Richtung Ausgang schlendern, Ausschau nach Vögeln halten, uns in den Souvenirshops noch etwas umsehen und kleine Geschenke für die Daheimgebliebenen posten.
Anschliessend erfolgt per Bus der Transfer nach Flores, wo für uns das Hotel gebucht ist. Nach dem Poolbesuch, einem Drink auf der Seeterrasse gehen wir alle in einem Lokal am See gemeinsam essen. Da kommen noch ein paar Musikanten vorbei und bringen uns alle dazu, ein paar wenige Worte mitzusingen. Danach sind die meisten Reiseteilnehmer bettreif, denn morgen ist früh Tagwache. Nur ein paar Unentwegte genehmigen sich noch einen Schlummertrunk in der Terrassenbar.

Dienstag, 30. Oktober: Flug nach Guate, Busfahrt nach Quetzaltenango
Um 05.45 Uhr ist Tagwache, eine halbe Stunde später Morgenessen, und um 06.45 Uhr fährt der Bus zum Flughafen von Flores. Mit einer Maschine des Typs Embraer-145 fliegen wir in gut einer halben Stunde nach Guatemala-Stadt. Per Bus geht die Reise weiter durch gebirgiges Gelände ins Hochland von Guatemala. René versorgt uns unterwegs immer wieder mit interessanten Informationen zu Bevölkerung, Wirtschaft und Politik der aktuellen Gegend.
Einen ersten Halt machen wir auf rund 2600 m Höhe und geniessen die Aussicht auf den Atitlan-See.
Auf der Weiterfahrt halten wir noch bei einer «Kleinziegelei» an. Hier werden einfache Bausteine und Ziegel in Schwerstarbeit aus Lehm, Sand und Wasser von Hand hergestellt und auch gebrannt. Zwei Buben sind bei diesem Prozess neben ein paar Männern beteiligt. Zwei dieser Männer stampfen mit den nackten Füssen, fast bis zu den Knien in der Masse steckend. René nennt uns die Preise für diese Backsteine und Ziegel. Solche Preise sind in unseren Augen das Betteln versäumt.

Den Mittagshalt beim Restaurante Katok nutzen wir für eine Zwischenverpflegung. Ich geniesse eine für die Gegend typische Spezialität, spezielle Würstchen auf schwarzen Maistortillas.
Der nächste Halt gibt uns einen Einblick, wie der ÖV hier funktioniert. Bei der Kreuzung Quattro Caminos beobachten wir eine Zeitlang, wie die Busse, übrigens bunt lackiert, mit imposanten Fronten und silbernen Hörnern versehen, am Strassenrand anhalten. Bunt gekleidete und schwer bepackte Passagiere, vorwiegend Indigenas, steigen ein und aus. Ausrufer dirigieren sie lautstark zum richtigen Bus und sorgen dafür, dass sie den Einstieg nicht verpassen, ein Chaos sondergleichen. Da schätzen wir es, dass wir ohne Eile und Drängen unseren Bus wieder besteigen können. Und der fährt uns als nächstes nach San Andrés Xecul.
Dort gibt es eine besondere Kirchenfront. René gibt uns das Rätsel auf, vier Jaguare darauf zu erkennen, was den gefitzteren Reiseteilnehmern leicht fällt, mir aber gewaltig Mühe bereitet. Zudem werde wir hier Zeugen einer Gesundheits-Präventionsveranstaltung. Mit lauter Musik und Zaubertricks gibt ein Clown den zuschauenden Kindern Tipps zur Gesundheit. Aufgestellte Plakatwände vertiefen die Darbietungen des Clowns.
Die Fahrt führt uns nun zum Hotel in Quetzaltenango. Hier führt uns René zuerst in den Palacio Municipal mit einem wunderschönen Sitzungssaal, wo von alle guatemaltekischen Präsidenten ein Portraitbild hängt und von den offiziellen Besuchern die Staatsflagge aufgestellt ist. Zum Abschluss besuchen wir einen Familienbetrieb, ein Café, wo heisse Schokolade in verschiedenen Variationen angeboten wird. Ich verlange eine Variante, die hier unbekannt ist, aber in den Pistenrestaurants in Österreich angeboten wird, einen Lumumba. Prompt wird nach längerem Warten Die österreichische Version serviert. Und sie schmeckt u.a. auch unserem Mitreisenden Sepp. Ob sie hier in Zukunft ins Angebot aufgenommen wird, ist noch hängig. Neben geschlagener Nidel gehört ein Schuss Rum hinein.
Das Tagesprogramm kann nun individuell abgeschlossen werden.

Mittwoch, 31. Oktober: Almolonga, Zunil, Thermalbad, Huehuetenango
Schon während des Frühstücks werden unsere Koffer in den Bus verladen. Die Reise führt uns nach Almolonga auf den Markt. Im Gewirr der praktisch nur einheimischen Marktbesucher lassen wir uns durch die Marktstände mit verschiedensten Gemüsen und Früchten treiben. Auf Allerheiligen sind ganz verschiedene Blumen, speziell auch Chrysanthemen, aktuelle Handelsware. Aber auch andere Güter wie Fleisch, Fische, Eier usw. werden angeboten. Die Einheimischen sind sehr kleine Leute, oft zwei und mehr Köpfe kürzer als wir. Die Frauen tragen bunte Trachten, tragen oft schwere Lasten auf dem Kopf, und wenn sie nichts tragen, haben sie ein buntes, zusammengelegtes Tuch drauf. Da ist wirklich viel los. In den Strassen neben dem Markt herrscht ein gewaltiges Verkehrschaos, denn da werden die oft en gros gekauften Waren auf Pickups und kleine Laster verladen, um sie an ihre Bestimmungsorte zu bringen. Wir kaufen uns ein paar süsse Bananen und Avocados und erfreuen uns am farbenprächtigen und geschäftigen Treiben.

Der nächste Höhepunkt findet in Zunil statt. Wir gehen da auf den Friedhof, wo sehr viele Leute damit beschäftigt sind, die Gräber ihrer verstorbenen Angehörigen für das bevorstehende Allerheiligen-Fest prunkvoll zu schmücken. Mit Blumen, Nadelholzästen und verschiedenen anderen Pflanzen werden zum Teil riesige und farbenprächtige Gebinde hergestellt. Ausserhalb des Friedhofs bieten Händler die Zutaten für den Schmuck und allerlei Esswaren an, teilweise frisch gekocht. Da herrscht ein reges, für uns ungewohntes Treiben. Mir macht unsere Fotografierwut zwischen den Gräbern einige Mühe, wobei ich allerdings den Eindruck habe, dass sich die Einheimischen nicht gross um unsere Anwesenheit kümmern.
Der Markt von Zunil bietet ebenfalls ein spezielles Bild. Neben den üblichen Artikeln wird hier aber von einer San Simon-Gemeinschaft ein «Erlösungsritual» angeboten. Wir können ein Ticket und zudem für zehn Quetzales eine Fotografiererlaubnis kaufen. Was hier geboten wird, passt mir gar nicht, und ich verlasse den Ort umgehend mit dem schlechten Gefühl, dass hier abergläubische Menschen über den Tisch gezogen werden.
Als nächstes besuchen wir über eine schmale und kurvenreiche Bergstrasse das Thermalbad Fuentes Georginas und lassen es uns im warmen Schwefelwasser wohl sein. Da hier dichter Nebel herrscht und das heisse Wasser zusätzliche Dampfwolken erzeugt, herrscht eine mystische Stimmung. Im Restaurant geniesse ich eine schwarze Bohnensuppe (Sopa de frijoles). Sie schmeckt mir.
Wohlbehalten langen wir bereits bei Dunkelheit bei unserem Hotel in Huehuetenango ein und gehen anschliessend gemeinsam essen. In der Stadt wird der Vorabend von Allerheiligen mit lauter Musik aus verschiedenen Lokalen, von einer Bühne auf der Gran Plaza und aus den riesigen Lautsprecherboxen in offenen Autos, die ständig in der Stadt herumkurven, gefeiert – für unsere Ohren zu laut, was uns ein ruhigeres Eckchen für den Schlummertrunk suchen lässt. Die Nachtruhe können wir auch nicht so richtig geniessen, da es überall sehr laut ist.

Donnerstag, 1. November: Todos Santos und Fahrt nach Chichicastenango
Da uns heute eine lange Fahrt bevorsteht, setzt René die Abfahrtszeit auf sieben Uhr an. Margrit hat den Wecker auf fünf eigestellt. Da ich aber aber eine praktisch schlaflose Nacht hinter mir habe, bin ich sowieso wach. Der starke Kaffee am Abend, das reichliche Nachtessen und damit einhergehende Verdauungsprobleme liessen mich nicht schlafen. Nun ist aber ein neuer Tag angebrochen. Jedenfalls sind wir um sieben im Bus und bereit auf ein neues Abenteuer.
Die Fahrt führt über die Kette der Cuchumantanes. Die Strasse ist steil und kurvenreich. Auf rund 3100 m ü.M. machen wir beim Aussichtspunkt Juan Diéguez Olaverri Halt. Die Aussicht ist fantastisch. Man sieht unheimlich weit. René nennt einige Namen, aber diese zu behalten, ist ein anderes Thema. Da sind Gebirge, Ebenen, Vulkane und Städte erkennbar, wirklich beeindruckend.

Die Fahrt führt weiter über die Hochebene der Cuchumantanes und dann wieder steil und weit hinunter nach Todos Santos. Gemäss Renés Ausführungen ist es ein reicher Ort,da viele Einwohner in die USA emigrierten und dort einen guten Verdienst erreichten, der in Form von Zahlungen an die Zurückgebliebebnen oder nach ihrer Rückkehr Todos Santos wieder zugut kam.
Wir steigen am Ortsrand aus und begeben uns zu Fuss ins Zentrum. Je näher wir kommen, desto mehr Leute treffen wir an: Frauen und Mädchen in traditionellen, bunten Trachten, Männer und Knaben in rotweiss gestreiften Hosen und mit goldweiss gestreiften Jacken mit den Frauentrachten nachempfundenen grossen Kragen.
Im Zentrum ist Hochbetrieb. Da gibt es Stände mit Esswaren, Souvenirartikeln, Spielsachen, Glücksspielen: Kilbi total. Ein Gedränge herrscht. Und in diesem Gedränge treffen wir Carolina, eine Schweizerin, deren Mutter hier in Todos Santos aufwuchs und die selbst ihre frühe Kindheit hier verbrachte: Die Welt ist doch klein!
Etwas ausserhalb des Dorfes finden Pferderennen der besonderen Art statt. Die Reiter in bunten Kostümen sind auf einer sandigen Piste unterwegs hin und her von einem Ende zum andern und müssen dort jeweils einen Schnaps trinken. Wann und wie das Rennen beendet wird, ist mir unbekannt. Auf jeden Fall müssen wir über schlafende «Alkoholleichen» steigen, um einen günstigen Beobachtunsplatz zu ergattern.
Zwei Riesenräder sind im Dorf aufgestellt. Margrit findet, das müssen wir nutzen. So steigen wir im Dorf zur Schule hoch, wo das eine Rad steht. Wir treffen noch Beatrice an, die ebenfalls mitmachen will. So lösen wir, ohne uns genauer zu informieren, drei Tickets für 25 Quetzales und besteigen die Sessel, Margrit und ich zusammen, Beatrice etwas später einen zweiten. Mit einer Stange vor unseren Bäuchen werden wir gesichert. Es versteht sich, dass ich den Bauch etwas einziehen muss, denn die Einheimischen sind wirklich Leichtgewichte. Und dann beginnt der Spass. In kleinen Schritten steigt der Sessel etwas höher, denn in den folgenden Sesseln werden die Passagiere ebenfalls ausgewechselt. Jedesmal schaukelt der Sessel etwas, und das in immer grösserer Höhe. Einmal sind ja dann alle Sessel neu besetzt. Jetzt geht der Spass erst recht los. Das Rad beschleunigt seine Fahrt, und zwar rückwärts zu unserer Sitzrichtung, und immer schneller. Uns wird es recht ungemütlich, wenn nicht sogar ungeheuer. Zum Glück erfolgen dann endlich die Verlangsamung der Drehung bis zum Stillstand. Wir haben’s geschafft. Da beginnt aber das Rad in engegengesetzter Richtung zu drehen und wird immer schneller. Zum Glück haben wir die Sicherunsstange, und sie hält. Mir wird langsam übel, Margrit erlebt Schrecksekunden. Sie schreit, andere allerdings auch. Und dann kommt der Halt. Endlich! Wir sind froh, als wir endlich dem Mordsgerät entsteigen können, zwar mit etwas zittrigen Beinen, ansonsten aber unversehrt. Nach diesem Schreck ist ein Cuba libre fällig.
Es gäbe noch viel zu berichten über diesen Ort, der den Namen des heutigen Tages trägt.
Die Rückfahrt verläuft ganz normal. Sie führt uns nach Chichicastenango zum Hotel, wo ich nach der letzten schlaflosen Nacht ohne Znacht ins Bett steige. Und das lohnt sich. Jedenfalls bekomme ich nicht mehr mit, wann Margrit zu Bett geht, trotz der Knallpetarden, die zu Ehren aller Heiligen rund ums Hotel abgefeuert werden.

Freitag, 2. November: Fahrt nach Santa Catarina am Atitlán-See
Schon früh werde ich durch Böllerschüsse geweckt. Es ist hier offensichtlich üblich, an Allerheiligen Knallkörper zu zünden. Zudem sind hupende Lastwagen unterwegs.
Heute steht uns ein gemütlicher Tag bevor. Um halb neun starten wir mit dem Programm. Gemeinsam gehen wir durch den Markt, besuchen die Thomaskirche, wo uns René fachkundig erklärt, wie die Spanier bei und nach der Eroberung der Urbevölkerung wirkten und wie sie das Christentum unter den Indigenas verbreiteten. Gegenüber steht eine Kalvarien-Kapelle, vor der gerade eine Zeremonie, ein Opfer stattfindet, bei der eine Frau das Feuer auf einem Altar mit verschiedenen Flüssigkeiten besprüht und beschwörende Worte spricht. Übrigens wurde das Buch Popol Vuh, das heilige Buch der Mayas in dieser Stadt gefunden und übersetzt.

Der nächste Besuch gilt dem Friedhof, wo heute, an Allerseelen, sehr viel los ist. Hier besuchen die Leute ihre Toten, lassen sich am reich geschmückten Grab nieder, picknicken und reden miteinander und hinterlassen auf den Gräbern Essen und Trinken. Auch hier sind Stände mit Esswaren und fliegende Händler mit Glace und Süssigkeiten unterwegs. Da und dort spielt eine Musikkapelle und beim Friedhofeingang wird eine Messe gelesen. Kinder lassen überall Drachen steigen. Ab hier sind wir frei und müssen um zwölf Uhr beim Hotel zurück sein fürs Auschecken und die Weiterreise.
Beim nächsten Halt in Panajachel am Atitlán-See geniessen wir freien Ausgang. Wir essen dort zuerst auf einer Seeterrasse etwas Kleines und erkunden dann die ganze Seeuferpromenade. Es windet ziemlich stark, der Wellengang ist als Folge davon entsprechend. Der Strasse zum Ortszentrum entlang gelangen wir gemächlich durch die vielen Souvenirstände zu unserem abgemachten Treffpunkt. Hier triff dann auch David, der Bekannte von Beatrice und Guide des morgigen Tages ein. Er überrascht uns alle mit einem Kugelschreiber mit einem bunten, textilen Überzug, auf dem unsere Namen zu lesen sind.
Die Weiterfahrt führt uns zu unserem Hotel in Santa Catarina, sehr nahe am Ufer des Atitlán-See. Hier kann man sich wohlfühlen in grosszügiger und stiller Umgebung. Wir machen zu zweit zu Fuss noch einen kleinen Abstecher zum See, um den Sonnenuntergang zu fotografieren, aber heute Abend findet dieser hinter dichten Wolken statt.

Samstag, 3. November: Schifffahrt auf dem Atitlán-See
Heute ist Ausschlafen angesagt. Aber ab morgens um vier bin ich bereits ausgeschlafen. Ab fünf krähen die Hähne im Dorf. Und so schreibe ich an diesem Bericht und lese noch etwas.
Wissen Sie, wie Kaffee hergestellt wird? Dies und anderes haben wir heute auf dem Programm.
Nach dem Frühstück besammeln wir uns vor der Rezeption draussen. David stösst ebenfalls zu uns und bringt die in Auftrag gegebenen Kugelschreiber mit. Wir gehen zum Bootssteg, wo uns bereits ein Ausflugsboot samt Kapitän erwartet. Die Reise geht quer über den See nach San SanJuan Laguna am Fuss des  Vulkans San Pedro. Hier steigen wir aus und «klettern» die steile Hauptstrasse hoch, vorbei an unzähligen Souvenirständen und -läden bis zur Kirche. Beatrice und Sepp legen die Steigung mit dem Mototaxi zurück.
Im Dorf besuchen wir ein Frauenkooperative, die sich der traditionellen Verarbeitung der Baumwolle verpflichtet fühlt und die alten Handwerkstechniken den jungen Frauen und Mädchen weiter vermittelt. Eine Frau führt uns vor und referiert darüber, wie aus den Baumwollfrüchten letztlich verschiedenfarbige Stoffe entstehen. Dabei wird wenn immer möglich auf früher praktizierte Methoden zurückgegriffen. Sie zeigt uns, wie die Reinigung der Baumwollkapseln, das Verknüpfen der Fasern, das Spinnen, das Färben mit natürlichen Produkten und das Weben erfolgen. Beeindruckt von ihren Vorführungen kaufen einige unserer Reiseteilnehmerinnen Schäle und andere Gegenstände.
Mit dem Schiff geht es darauf weiter nach Santiago La Laguna. In einem wunderschön gelegenen Beizli mit prachtvollem Garten bestellen wir uns etwas zu essen und trinken.

Nach dieser Mittagspause werden wir von einem Pickup abgeholt. Wir alle 17 Personen sollten da hintendrauf auf die Ladebrücke steigen. René will das aber nicht verantworten und ruft noch vier oder fünf Mototaxis. Margrit und mich trifft es auf ein solches. So tuckern wir mit unserem Fahrer durch das Städtchen und ein Stück aufs Land hinaus zu einer Kaffeeplantage, auf der Versuche mit verschiedenen Pflanzen aus Brasilien gemacht und die Kleinbauern aus der Umgebung geschult werden. Hier erfahren wir sehr viel über die Hege und Pflege der Kaffeesträucher, über die Ernte und die weitere Verarbeitung der Kaffeekirschen bzw. -bohnen. Zuletzt werden wir in der Rösterei von einer Barista, einer Kaffeespezialistin, zum Probieren eingeladen. Natürlich besteht die Möglichkeit, frisch geröstete Kaffeebohnen einzukaufen, was viel Anklang findet.
Auf einem grösseren Pickup, worauf wir alle Platz finden, fahren wir zu unserem Gaudi und zum Gaudi einiger Einheimischer zurück ins Städtchen, wo uns Beatrice zum Capuccino in ein Café einlädt. Der Mann hinter dem Tresen, ein 18-jähriger, kleiner, gedrungener Indigena ist ein wahrer Künstler in der Herstellung von Milchschaumbildern auf der Oberfläche der Cappuccinos. Mit verschiedenen Milchkrügchen, einer Schokoladencouvertüre-Tüte, Cacaopulver, einem Holzstäbchen und viel Geschick zaubert er Palmen, Herzen, Vögel, Gesichter, Spinnennetze und geometrische Figuren in die Tassen, einfach genial. Und zudem schmeckt der Kaffee ausgezeichnet.
Die Rückfahrt gerät zur Boatparty, dank Christas Musik auf dem Handy uns ihrer Cuba Libre-Spende an alle Mitreisenden. Das Wetter tut das Seine dazu. Hinter und über den drei Vulkanspitzen durchzucken Blitze den dunkler werdenden Himmel, das ferne Donnergrollen wird von der Musik übertönt. Bei Dunkelheit erreichen wir unser Hotel.

Sonntag, 4. November: Fahrt nach Monterrico am Pazifik
Um halb neun müssen wir bereit sein zur Abfahrt Richtung Pazifikküste. Die Zeit reicht, um sich noch etwas in Santa Catarina umzusehen. Auffällig ist, dass viele Häuser in gutem Zustand und farbig, speziell blau, bemalt sind. Der Ort ist auf Tourismus ausgerichtet und bietet den Eiheimischen entsprechende Verdienstmöglickeiten.
Mit dem Bus fahren wir nun zuerst hinauf zum Kraterrand des ehemals riesigen Vulkans, aus dem der Atitlánsee vor Jahrtausenden entstand. Der erste Halt findet bei einem Aussichtspunkt hoch über dem Atitlánsee statt, wo wir nochmals zurück blicken können auf die drei landschaftsprägenden Vulkane San Pedro, Atitlán und Tolimán. Von da an geht es praktisch nur noch abwärts Richtung Pazifikküste. Unterwegs machen wir noch zwei Halte, um etwas zu trinken und/oder zu essen. Die Vegetation und das Erscheinungsbild der Siedlungen hat sich gewaltig geändert. Wo vorher sorgfältig angelegte, kleinere Gemüse- und Maisfelder sowie Kaffeeplantagen vorherrschten, sind es jetzt Viehweiden, Bananenplantagen und in der Nähe der Küste eine riesige Crevettenzuchtanlage. Wenn wir den Bus verlassen, ist die Luft schwül-warm und schweisstreibend.

So erreichen wir schon bald einmal unser Domizil für die kommenden zwei Nächte, die Hotelanlage Utz Tzaba Beach, wo der Swimmig Pool zum kühlenden Bade einlädt. Der nächste Gang führt zum Pazifikstrand, wo schwarzer Sand liegt und sich die Wellen donnernd zehn Meter weiter draussen brechen. Vor dem Baden darin werden wir gewarnt, da eine kräftige Strömung aufs Meer hinaus wirkt. Ein Cuba Libre für alle Reiseteilnehmer, gespendet von Christa, hält uns davon ab, das Bad im Pazifik zu wagen.
Eine schmackhafte Ceviche für mich rundet den Tag gediegen ab.

Montag, 5. November: Hotel Utz Tzabo Beach, Monterrico
Heute ist Ruhetag. Strand- bzw. Pool-Betrieb steht auf dem Programm.
Um fünf Uhr stehen wir allerdings zusammen mit acht anderen Reiseteinehmern bereit für eine Bootsexkursion in den Mangrovenwald auf der anderen Seite der Küstenstrasse. Die Organisation und nötige Eklärungen sind verbesserunsfähig. Aber die Route ist eindrücklich.

Nach dem Morgenessen unternehme ich mit Margrit eine längere Strandwanderung Richtung Westen. Die Schuhe in den Händen, den Feldstecher umgehängt, marschieren wir los. Der schwarze Sand ist dort, wo er der Sonne ausgesetzt ist, glühend heiss. Die am Strand auslaufenden Wellen kühlen die Füsse angenehm. Ein Bad im Pool trägt zum Wohlbefinden bei. Bis am Abend hier am Pool liegen ist gar nicht meine Sache. Mein Vorschlag, nach Monterrico zu gehen stösst bei Margrit auf taube Ohren. So beschliesse ich nach Absprache mit Beatrice allein den Weg unter die Füsse zu nehmen.
Mit Feldstecher und Portemonnaie begebe ich mich auf den Weg. Da es heiss ist und zudem immer wieder Vögel vor mir auffliegen, die ich mir genauer anschaue, ohne sie bestimmen zu können, komme ich langsam vorwärts. Aber irgendwann erreiche ich das angepeilte Städtchen. Zuerst gehe ich zum Binnenhafen, zur Schiffsanlegestelle, nachher auf die andere Seite Richtung Strand. Da ist die Strasse blockiert, weil Kilbistände und -buden abgebaut werden. Der Durst meldet sich, habe ich doch rund 4.5 km zu Fuss zurückgelegt. In einem schattigen Beizli bestelle ich mir ein Bier, ein Gallo, und weil noch etwas Hunger dazu kommt einen Salat. Bis der Salat zubereitet ist, dauert es etwas. Da drängt sich ein zweites Bier auf. Mit dem Herrn am Nebentisch komme ich ins Gespräch auf Englisch und Französisch. Er stammt ursprünglich vom Atitlán-See und lernte Englisch und Französisch in Kanada. Mit ihm kann ich mich auf einfache Weise unterhalten und erfahre von ihm , wie und wo ich die Möglichkeit habe, zum Hotel zurück zu fahren.
Nachdem ich meine Konsumation bezahlt habe, begebe ich mich zur katholischen Kirche und erfahre dort, wo genau der Mikrobus in meine Richtung abfährt. Allzu lange muss ich nicht warten. Dem Chauffeur kann ich den Fahrpreis zahlen und einsteigen. Der Bus ist sehr gut frequentiert, mir wird ein Sitzplatz angeboten, und so fahren wir los, mit offener Schiebetüre und drei danebenstehenden Passagieren. An der dritten Haltestelle steige ich aus und gehe den Rest zum Hotel zu Fuss. Hier werde ich schon erwartet. Im Pool kann ich mich abkühlen. Ein interessanter Nachmittag ist damit vorbei.
Um halb sieben haben wir zum Nachtessen abgemacht. René gibt noch das genaue Programm für morgen und die Zahlungsmodalitäten für zusätzliche Getränke und Essen durch. Wir gehen anschliessend an die Rezeption, um unsere Rechnung zu begleichen. Und dann ist Nachtruhe.

Dienstag, 6. November: Fahrt nach Antigua, Stadtrundgang
Ein strahlend blauer Himmel begrüsst uns heute Morgen. Nach der Morgentoilette packen wir gleich unsere Koffer und stellen sie vor das Zimmer hinaus. Das Frühstück haben wir schon gestern Abend bestellt, damit wir das Essen rechtzeitig auf den Tisch bekommen. Gleich nach dem Essen fahren wir ab, zurück auf der Küstenstrasse bis Puerto Quetzal und dann auf der Autobahn Richtung Haupstadt. Schon bald erkennen wir am Horizont die drei Vulkane Fuego, Agua und Pacaya. Der Fuego stösst von Zeit zu Zeit eine Rauchwolke aus.
René teilt uns unterwegs mit, dass wir einen Umweg fahren müssen, weil die kürzeste Verbindung nach Antigua gesperrt sei. So fahren wir ab Esquintla auf der Autobahn weiter Richtung Guatemala Stadt und nehmen dann die Strasse nach Amatitlán über den Berg nach San Lucas. Und da kommen wir langsamer voran, weil sich der Verkehr immer wieder staut.

Mittags erreichen wir Antigua und beginnen vor dem Hotelbezug die Stadtbesichtigung. Unser Chauffeur lässt uns beim ehemaligen Dominikanerkloster aussteigen. Heute ist hier ein sehr gutes Hotel integriert. Mehrere Museen, Ruinen und Gärten geben einen Einblick in die Geschichte der Stadt, die Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet wurde. Eigentlich sollte Antigua, damals als „Muy Noble y Muy Leal Ciudad de Santiago de Los Caballeros de Goathemala“ benannt, Hauptstadt von ganz Zentralamerika werden.
Nächste Station ist das Kapuzinerinnenkloser, heute ein Museum. René weiss viel zu erzählen über die Gebäude und ihre Bewohnerinnen, die als erste ein Frauenspital im Klosterareal betrieben.
Nun meldet sich allmählich der Hunger. Ein unmittelbar in der Nähe gelegenes Restaurante namens La Cuevita de los Urguizu mit einem speziellen Konzept kommt uns da gelegen. Beim Eingang werden verschiedene Speisen in Töpfen angeboten. Der Gast wählt ein Fleisch und zwei Beilagen aus, begibt sich darauf an einen Tisch und bestellt sich ein Getränk dazu. Dieses und der gefüllte Teller werden ihm an den Tisch gebracht. Nach dem Essen bezahlt der Gast seine Konsumation beim Ausgang.
Gestärkt besuchen wir anschliessend die öffentlichen Waschbecken (Tanque La Union), in denen noch heute Wäsche gewaschen wird. Das Wasser im zugehörigen Brunnen sieht aber gar nicht danach aus, dass damit die Wäsche sauber werden kann.
Einen weiteren Besuch statten wir der ehemaligen Kathedrale und dem Bischofspalast ab. Sie war einmal die grösste Kirche Zentralamerikas und wurde beim Erdbeben von 1773 erheblich beschädigt. Nur ein kleiner Teil der damaligen Gebäulichkeiten wurde renoviert. Die heutige Kirche ist wesentlich kleiner als die ursprüngliche, der Rest ist ein Ruinenfeld.
Der Parque Central bildet den Abschluss des Stadtrundgangs. Er ist ein sehr belebter Ort. Souvenirverkäufer, Schmuck- und Textilienschöpferinnen, Spielzeughändler, spielende Kinder, Liebespaare und Spaziergänger unterschiedlicher Herkunft agieren hier. Zudem sind die Gartenanlagen sehr gepflegt und hohe Bäume spenden kühlenden Schatten.
Anschliessend gehen wir zu Fuss zu unserem Hotel nahe beim als Stadtsymbol bekannten Bogen, El Arco de Santa Catalina. Wort bekommen wir unsere Zimmerschlüssel und müssen noch etwas auf unsere Koffer warten, da unser Chauffeur Carlos Probleme mit der Erlaubnis zur Zufahrt zum Hoteleingang hat. Unser Zimmer ist sehr gross, passend zum ebenfalls grossen und schweren Schlüssel. Den steckt niemand versehentlich in seine Hosentasche. Unser Zimmer hat über dem WC mit Dusche noch einen zweiten Boden mit zwei Stühlen und einem kleinen Tisch, erreichbar über eine steile Holztreppe. Das Fenster unseres Zimmers geht auf die Strasse hinaus und ist vergittert. Die Möbel sind antik.

Mittwoch, 7. November: Volcán Pacaya
Nach dem Frühstück stehen wir zu elft um acht Uhr bei der Rezeption bereit für eine Bergtour. Mit dem Bus fahren wir in fünf Viertelstunden nach San Francisco de Sales, wo uns Stecken und Pferde angeboten werden, um hinauf zum Lavakegel zu wandern. Ein obligatorischer Guide begleitet uns. Auf einem recht steil angelegten Waldpfad mit vielen interessanten Pflanzen steigen wir auf zum Fusse des Lavakegels. Unterwegs macht uns unser Guide immer wieder auf Besonderheiten aufmerksam. Begleitet werden wir in der ersten Phase von mehreren Jungs und Männern mit gesattelten Pferden. Immer wieder bestürmen Sie uns, doch ihr Angebot, in den Sattel auf ihr Pferd zu steigen, anzunehmen. Sie glauben offenbar nicht so recht daran, dass wir diese Wanderung schaffen. Einer schafft es dann doch, und abwechslungsweise sitzt nu jeweils eine unserer Teilnehmerinnen auf dem Pferd. Die anderen Pferdeknechte mit ihren Tieren geben auf.
Am Fuss des Lavakegels angekommen, können wir beobachten, wie immer wieder Rutsche von Lavabrocken ausgelöst werden. Zeitweise sehen wir auch weit oben fliessende, rotglühende Lava. Das ganze Geschehen wird von deutlich hörbaren Kullergeräuschen begleitet. Unser Guide führt uns noch ein gutes Stück hinein in die mit unterschiedlich grossen, scharfkantigen Brocken durchsetzte Fläche. Und plötzlich spüren wir die Wärme, die aus den Spalten heraus strahlt. Unser Guide packt Steckchen und ein Pack Marshmallows aus seinem Rucksack, zeigt uns, wie diese in den heissen Löchern grilliert werden können , und schon bald befolgen wir alle seinen Instruktionen. Nach rund einer Minute sind die süssen Mocken schön weich und schmecken uns.

Nun erfolgt der Abstieg zum etwas weiter unten liegenden Parkplatz. Hier erwartet uns unser Carlos mit dem Bus und bringt uns sicher zum Hotel zurück.
Den restlichen Nachmittag verbringen wir mit Duschen und einem kleinen Stadtbummel. Abends treffen wir uns alle zum gemeinsamen Nachtessen im Restaurant der Dominikanerkloster-Ruine. Das Essen ist sehr gut, allerdings ist die Lufttemperatur tief, so dass einige kühl haben. Auf jeden Fall schlüpfen wir nachher gerne unter die warme Bettdecke.

Donnerstag, 8. November: Antigua, Fahrt zum Flughafen und Rückflug
Margrit und ich sind die ersten beim Frühstück. Für lange Zeit gibt es zum letzten Mal schon am Morgen einen Fruchtteller mit Banane, Wassermelone, Ananas und Papaya, Spiegeleier mit schwarzem Bohnenmus und Toastbrot mit Butter und Marmelade. Sepp und Liselotte gesellen sich zu uns. Mit Liselotte machen wir ab, den Vormittag für den Besuch des Cerro de La Cruz im Norden und der Märkte im Westen der Stadt zu nutzen.
So marschieren wir gemeinsam los und finden den Weg problemlos zum Aussichtspunkt mit dem Kreuz. Unterwegs und oben haben wir eine prächtige Aussicht auf die Stadt hinunter, auf den inaktiven Vulkan Agua, und wir können mehrere Eruptionen mit Rauchausstoss auf dem Vulkan Fuego beobachten. Leider müssen wir denselben Weg in die Stadt zurück nehmen. Einen kurzen Halt legen wir bei der Kirche La Merced ein, aussen sehr hübsch aussehend, im Innern sehr nüchtern.
Für den Marktbesuch setzen wir am meisten Zeit ein. Zuerst ist der Handwerkermarkt an der Reihe, wo Margrit ein wunderschönes, handgewobenes Tischtuch kauft. Liselotte findet für ihren Sepp einen passenden Jadeanhänger. Im kommunalen Markt werden vorwiegend Esswaren, aber auch Gebrauchsgegenstände angeboten. In den engen Gassen wimmelt es nur so von Leuten. Oft scheint mir, dass mehr Leute etwas zu verkaufen haben, als Käufer vorhanden sind. Liselotte findet verschiedene Gewürze, von denen sie kleine Mengen kauft, Margrit erwirbt zwei rote Bananen. Aber mein Wunsch nach Macapulver lässt sich nicht erfüllen. Zum Abschluss reicht dann die Zeit doch noch, den letzten Cuba Libre in Guatemala zu geniessen, bevor wir ins Hotel zurückkehren, um auszuchecken und uns für die Fahrt zum Flughafen bereit zu machen.

Um zirka viertel vor eins fahren wir mit dem Bus nach Guatemala Stadt. Während der Fahrt lässt René die ganze Reise Revue passieren. Das ist zugleich der Abschied von uns, denn er wird erst später zurückfliegen. Sepp dankt im Namen der ganzen Gruppe Beatrice für ihren Anstoss, diese Guatemalareise zu organisieren, für die Werbung dafür und für ihren grossen Beitrag dazu, was mit grossem Beifall der Teilnehmer bekräftigt wird.
Am Flughafen folgen die üblichen Formalitäten. Wir schaffen es alle ins Flugzeug. Mit einer Zwischenlandung in San Salvador starten wir bereits nach Eindunkeln Richtung Madrid.

Freitag, 9. November: Ankunft in Madrid und Weiterflug in die Schweiz
Wir haben gerade das Frühstück serviert bekommen. Es ist sechs Uhr morgens in Guatemala, 13 Uhr in Madrid. In 40 Minuten landen wir. Es ist wolkig, am Boden braun und trocken.
Nun sitzen wir in der Maschine nach Zürich. Eigentlich sollte sie schon gestartet sein. Aber noch immer suchen später zugestiegene Passagiere einen Platz für ihr Gepäck, da die dafür vorhergesehen Fächer hoffnungslos gefüllt sind. Mit rund einer halben Stunde Verspätung können wir starten.
Damit endet mein Bericht nach einer eindrücklichen Reise durch ein Land, das mit gewaltigen Problemen zu kämpfen hat und wo Lösungen gesucht sind.

 

Übrigens finden Sie Beatrice‘ Reisebericht unter folgendem Link:
https://www.umdiewelt.de/Die-Amerikas/Mittelamerika/Guatemala/Reisebericht-9301/Kapitel-0.html

Viel Vergnügen beim Lesen!

Rundreise durch SW-Afrika (Namibia, Simbabwe, Botswana)

17. Oktober – 13. November 2017

Dienstag, 17. Oktober 2017: Flug nach Johannesburg

Um 22.45 geht unser Flug ab Zürich Richtung Johannesburg. Mit uns reisen Beat und Doris, Margrits Bruder und seine Frau. Wir treffen uns um viertel vor neun beim Checkin 1. Doris hat uns per Internet eingecheckt. So heisst es nur noch das Gepäck abgeben, alle Kontrollen über sich ergehen zu lassen und das richtige Gate aufzusuchen. Ziemlich pünktlich startet unsere Maschine.

Mittwoch, 18. Oktober 2017: Ankunft in Windhoek
Unterdessen sind wir nach einem ruhigen Nachtflug in Johannesburg gelandet und warten auf den Anschlussflug nach Windhoek. Ausser den Souvenirläden im Transferbereich erinnert wenig an Afrika. Die Zeit vergeht schnell und unser Flieger startet termingerecht. So landen wir um ca. 14 Uhr in Windhoek. Die Einreiseformalitäten nehmen recht Zeit in Anspruch, da sich vor den Einreisedesks lange Schlangen bilden. Wir wählen nach längerem Warten das Desk für Diplomaten, da dort die Schlange am kürzesten ist. 

Draussen werden wir von einem Taxichauffeur erwartet, der uns zum  Tamboti Guesthouse führt, das wir weit im Voraus schon gebucht haben. Wir beziehen unsere Zimmer und erholen uns etwas von den Strapazen. Anschliessend lassen wir uns per Taxi nach Kleiwindhoek fahren, essen dort etwas und kehren schon bald in unser Guesthaus zurück, wo wir schon bald einmal das Bett aufsuchen. Reisen macht müde! 

Donnerstag, 19. Oktober 2017: Ein Tag in Windhoek

Der heutige Tag dient dazu, uns mit Windhoek bekannt zu machen. So machen wir uns nach einem üppigen Frühstück auf den Weg. Nachdem Margrit von unserem Gastgeber ausdrücklich vor Taschendieben gewarnt wurde, verzichten wir auf die Mitnahme von Kameras, Rucksäcken und Handtaschen.
Unser erster Besuch gilt dem Office des Autovermieters, wo wir noch ein paar Details zur morgigen Übernahme unseres Mietwagens klären. Darauf begeben wir uns zu Fuss zum Indpendence-Monument. Da die Sonne heiss auf uns niederbrennt, beschliessen wie, als erstes mit dem Lift zum vierten Stock zu fahren und im dortigen Restaurant etwas zu trinken. Wunderschöne Terrassen laden zur Bewunderung der Aussicht ein. Wir geniessen den Blick auf die Stadt und ihre Umgebung: eindrücklich, wie hier Alt und Neu, Arm und Reich aufeinandertreffen. Moderne Hochhäuser und ältere, nledrige Gebäude stehen nah beieinander.
Das Museum zeigt mit eindrücklichen Bildern die qualvolle Geschichte des Staates Namibia, auf unglaubliche und unmenschliche Weise entstand aus einem recht unwirtlichen Gebiet eine moderne Demokratie nach europäischen Vostellungen, allerdings mit vielen, vielen Fragezeichen.
Die nächste Sehenswürdigkeit ist die Christuskirche. Eine Längswand enthält die Namen der in der Kolonialzeit gefallenen Deutschen, und zudem werden die Besucher gefragt, ob es richtig sei, dass diese Namen dort stehen – eine heikle Frage.
Wir besuchen noch das Parlamentsgebäude, den sogenannten Tintenpalast, den Parlamentspark mit wunderschönen Pflanzen und zahlreichen farbenprächtigen, aber sehr scheuen Geckos und Echsen, und ein Einkaufszentrum, wo wir uns mit wichtigen Utensilien für die morgen beginnende Safari (Kühlbox, Kühlelemente, Haushaltpapier u.a.) eindecken.
Bevor wir die Rückkehr zu unserem Guesthouse antreten, ist noch der Besuch des Bahnhofs angesagt. Es ist sozusagen ein historisches Gebäude mit allem, was zu einem Bahnhof gehört, aber Der nächste Zug fährt nach Angabe des dortigen Ausehers erst morgen wieder, und der nächste Desert-Express erst am Dienstag.

Freitag, 20. Oktober 2017: Fahrt von Windhoek nach Waterberg


Heute geht’s erst richtig los. Nach der Übernahme unseres Mietwagens, ein Ford Ranger, und nach dem Packen fahren wir los. Beat fährt, natürlich links, und da passiert es immer wieder, dass anstelle des Blinkers die Scheibenwischer den Betrieb aufnehmen. Aber sonst geht alles wie am Schnürchen, und so erreichen wir rassig den Stadtrand.
Auf der B2 fahren wir nun Richtung Norden. Der Verkehr ist mässig, so dass so wir schnell vorankommen. In Oahandja machen wir einen Zwischenhalt, denn es ist heiss und der Durst gross. Im gegenüberliegenden Holzschnitzermakt wollen wir uns etwas umsehen, aber die Verkäufer sind so aufdringlich, dass die Lust uns schnell vergeht. Die ausgestellten Stücke sind zum Teil sehr schön, aber wir haben zurzeit anderes vor. In einem nahegelegenen Selbstbedienungsgeschäft kaufen wir Wasser, grosse Platiksäcke und ein paar Früchte für die Weiterreise ein.
Bei einer weiteren Pause auf einem Rastplatz begegnen uns die ersten «Wildtiere», ein paar Rotschnabeltokos, denen wir unsere Beachtung schenken.
Einige Kilometer vor Otjiwarongo biegen wir rechts ab und gelangen nach mehreren weiteren Wildbeobachtungen zu unserer Lodge am Waterberg. Der Empfang ist nicht gerade motivierend, wir sind aber nach dem Bezug unserer Unterkunft und erst recht nach unserem anstrengenden Aufstieg zum Felsrand der Waterberghochebene begeistert. Wir werden mit einer spektakulären Aussicht auf die rund 200 Meter tiefer liegende Ebene belohnt. Beim Abstieg begegnen wir noch einigen Kleinantilopen, Papageien, einem Specht und anderen Vögeln.
Das Nachtessen, u.a. Oryxantilopensteaks, nehmen wir im Restaurant der Lodge ein.

Samstag, 21. 0ktober 2017: Erster Safari-Ausflug auf den Waterberg


Heute stehen wir früh auf. Um zehn vor sechs müssen wir vor der Rezeption sein für eine Gruppensafari auf die Hochebene des Waterbergs. Zusammen mit sechs anderen Leuten besteigen wir ein typisches Safarifahrzeug mit nach hinten höher gelegten Sitzen, offener Ladefläche und einem Dach. Wir besteigen die Sitze, nachdem unser Driver uns ein paar Anweisungen gegeben hat, und los geht die Fahrt. Zügig gelangen wir an die Eingangspforte des Naturparks, wobei wir bereits vor der Ankunft ein paar Impalas, verschiedene Hühner und Paviane beobachten konnten.
Nach Erledigung der administrativen Pflichten können wir weiterfahren. Eine recht steile Betonpiste führt hinauf aufs Hochplateau. Hier steigen wir aus und geniessen wie schon gestern den Ausblick. Ab nun führt unsere Rundfahrt über lauter Sandpisten. Gekonnt fährt der Driver durch den instabilen Untergrund, achtet bei Felspartien darauf, dass wir nicht allzu stark durchgeschüttelt werden und hält an, sobald er sehenswürdige Tiere erkennt. So wächst unser Palmares langsam an: Kudu, Pferdeantilope, Giraffe, Warzenschein u.a. tauchen auf, links und rechts der Strasse auf. Zudem führt er uns zu einem grosszügig angelegten Hide bei einer Wasserstelle, wo zuerst eine Herde Kaffernbüffel ihre Bedürfnisse befriedigen, dann kommen drei Pferdeantilopen dazu, was die Büffel zum Verlassen der Wasserstelle bewegt. Nachdem diese ihren Wasserbedarf gedeckt haben, kommen wieder andere Büffel daher getrottet. Da gibt es zwischendurch auch mal ein Gerangel, und einige ganz wenige Büffel legen sich sogar ins Wasser, um sich abzukühlen, obschon die Lufttemperatur vor allem wegen des Windes für uns nicht besonders angenehm ist. Wir kriegen unterdessen unser Morgenessen, das der Driver im Fahrzeug mitgeführt hat.
Danach geht die Fahrt weiter. Die Vegetation ist hier recht dicht, da offenbar genügend Wasser vorhanden ist.
In einem zweiten Hide können wir nochmals Büffel, Kudus, eine Giraffe, ein Warzenschwein und verschiedene Vögel und Hühner beobachten.
Danach bringt uns der Fahrer zurück, wo wir auf eigene Faust den deutschen Gefallenenfriedhof von 1904 besuchen. Beim Aufstieg zu unserem Bungalow begegnen wir nochmal einigen Vögeln und wieder einer ganz kleinen Gazellenart.
Unterdessen ist es recht heiss geworden. So beschliessen wir, bei unserem „Heim“ zu bleiben, uns hier im Schatten zu erholen, und dabei die Tiere in unserer Umgebung zu beobachten. Und so kommen die Paviane zu Besuch, eine Kleingazelle, der Rotschulterglanzstar, der Graulärmvogel, eine Kleiberart, ein Grauschnabeltoko u.a. Langweilig wird es uns nicht. Und dieser Bericht wird auch in dieser Zeit geschrieben. Da aber das WLAN fehlt, kann er nicht auf die Website hinaufgeladen werden.
Das Nachtessen geniessen wir im Camp, wo ein Restaurant gute Speisen serviert.

Sonntag, 22. Oktober 2017: Fahrt nach Khorixas
Heute ist Reisetag. Unser Ziel ist die Aabadi Mountain Lodge in der Nähe von Twyfefontein.
Wir packen unsere Sachen vor dem Morgenessen, packen unsere Koffer wegen des zu erwartenden Staubes in grosse Plastiksäcke, die wir gestern gekauft haben, und beladen unser Auto. So können wir direkt nach dem Frühstück losfahren. Beat fährt zurück auf die B1 und von dort weiter Richtung Norden. Ohne Zwischenhalt ausser wenn sich Wildtiere am Strassenrand zeigen, erreichen wir Otjiwarango und schon bald etwas weiter nordwestlich Outjo. Ab nun ist Staubstrecke angesagt. Wir fahren auf der C39 Richtung Khorixas.
Da wir gut vorwärtskommen, beschliessen wir, der Fingerklippe, auch etwa der Finger Gottes genannt, einen Besuch abzustatten. Wir zweigen dazu nach links auf die D2743 ein und sehen schon bald einmal dieses Naturdenkmal von weitem. Am Eingangstor bezahlen wir den Eintrittspreis und fahren zum nächsten Parkplatz. Der Aufstieg zum Fuss des Felsens ist wegen der grossen Hitze recht anstrengend, aber die Sicht von dort aus unwiederbringlich. So geniessen wir sowohl Ansicht wie Aussicht ganz intensiv, bestaunen die trockene und dennoch sehr abwechslungsreiche Gegend.
Nach dem Naturerlebnis statten wir der gleichnamigen Lodge noch einen Besuch ab, geniessen dort ein kühles Getränk. Da hier free WiFi angeboten wird, werden noch entsprechende Grussbotschaften und Fotos empfangen und abgeschickt.
Nachher fahren wir weiter auf der D2743, die gemäss Karte im grossen Bogen kurz vor Khorixas wieder in die C39 mündet. Aber wir verpassen die richtige Abzweigung und landen im Ghetto. Allerdings ist das eine sehr spannende Angelegenheit, da wir riesigen Kotballen an und auf der Strasse begegnen, die wir Elefanten oder Nashörnern zuschreiben. Damit ist Beats Jagdinstinkt geweckt. Allerdings will er nur Fotos schiessen und keine Kugeln. Jedenfalls gehen wir der Sache nach, leider ohne Erfolg. Als dann endlich eine Strassenabzweigung kommt, die eine Bezeichnung trägt, die weit entfernt von der ist, die wir erreichen müssten, kehren wir um, intensivieren aber unsere Suche nach Grosswild nochmals, ohne Erfolg.
So kommen wir dann doch noch nach Khorixas, wo wir tanken können, aber kein Bargeld kriegen, da der einzige Bancomat ausser Betrieb ist. Auch sonst sind wir alle von diesem Städtchen enttäuscht, weil alles so trostlos aussieht.
Wir fahren weiter. Obschon eigentlich unser Ziel, die Aabadi Lodge nahe sein sollte, zieht sich unsere Fahrt in die Länge.
Als wir sie dann endlich erreichen, ist der erste Eindruck sehr zwiespältig. Die zugewiesenen Zelte weisen verschiedene Mängel auf. Nach einer Intervention beim Chef der Lodge bekommen wir dann bessere Zelte.
Nun richten wir uns ein, erkunden noch etwas die Gegend, übrigens traumhaft, geniessen einen Amarula als Aperitif und anschliessend ein einfaches, aber schmackhaftes Nachtessen.
Den Amarulagenuss wiederholen wir nach dem Essen, dann sind wir reif fürs Bett.
Allerdings werde ich um zehn wieder geweckt. Margrit hört immer wieder ein Rascheln und Trippeln im Zelt. So zünde ich die Taschenlampe an: Da macht sich doch ein kleines, herziges Mäuslein an unserer Schokolade, die für unsere Gastgeber gedacht ist, zu schaffen. Es muss mehrmals vertrieben werden, obschon ich die Schokoladen bereits unerreichbar versorgt habe.
Aber danach finden wir beide den Schlaf. Es ist so ruhig hier, so ungewohnt.

Montag, 23. Oktober 2017: Twyfelfontein, Orgelpfeifen, Verbrannter Berg und Versteinerter Wald


Heute besuchen wir verschiedene Sehenswürdigkeiten in der Umgebung unserer Lodge.
In Twyfelfontein lassen wir uns von einer charmanten Damara-Dame durch den Park führen, der ins Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen wurde. Sie erklärt uns in sehr gepflegtem Englisch die einzelnen Gravuren, die zwischen 2000 und 6000 Jahre alt sind und von den Buschmännern stammen. Es ist erstaunlich, was diese Leute damals fertigbrachten. Speziell waren dann noch die Erklärungen zur Damara-Sprache, die vier verschiedene Arten von Klicklauten hat, die jeweils die Bedeutung eines Wortes bestimmen.
Die nächsten beiden Sehenswürdigkeiten sind die Orgelpfeifen und der verbrannte Berg. Beides sind Spielereien der Natur. Dass sich Gestein in fast exakt geometrischen Prismen anordnet und bricht, ist ja wirklich speziell, und dass ein ganzer Berg aussieht, als sei er eine gewaltige Brandruine, macht ebenfalls Eindruck.
Anschliessend fahren wir noch zum versteinerten Wald. Hier liegen Steine herum, die wie Holzstücke aussehen. Barnabas, unser Guide, führt uns zu ganzen Baumstämmen aus Stein. Aus sieben verschiedenen Mineralien bestehen diese Überbleibsel eines vor 280 Millionen Jahren überfluteten Waldstücks. Ausdrücklich macht er uns darauf aufmerksam, dass hier nichts ausgegraben wurde und wird, sondern dass diese Zeugen früherer Zeiten durch die Erosion frei gespült wurden und immer noch werden.
Als wir dann beim Eingang noch ein kühles Getränk geniessen, werden wir Zeuge eines heftigen Wortstreits zwischen den Angestellten und konzentrieren uns speziell darauf, die Klicklaute der Damarasprache mitzuhören. Und wirklich, sie werden nahtlos in den Ablauf der Rede eingefügt.
Eine warme Dusche in unserem Freiluftbadezimmer und das anschliessende Nachtessen schliessen diesen Tag ab.

Dienstag, 24. Oktober 2017: Fahrt nach Omuthiya durch den Etosha-Park


Wir stehen früh auf, um heute unsere längste Etappe in Angriff zu nehmen. Der Tag beginnt mit weniger angenehmen Überraschungen. Es gibt kein Wasser. Nach dem Packen und Morgenessen müssen wir erfahren, dass hier nicht mit Karte bezahlt werden kann. Wir kratzen alle unsere Reserven zusammen und bezahlen rund die Hälfte der anstehenden Kosten in bar, den Rest müssen wir dann per Bank überweisen.
Der Start unserer Fahrt verläuft dann problemlos und wir erreichen sogar etwas früher als geplant Outjo. Dort suchen wir die Standard Bank auf, um zuerst unsere Schulden zu begleichen. Wir müssen aber zuerst Bargeld vom Bancomaten beziehen, was zweimal gelingt, beim dritten Versuch ist offenbar der Notenvorrat aufgebraucht. Aber mit dem herausgelassenen Geld können wir unsere Schulden begleichen, was dann problemlos funktioniert. Um unsere Bargeldreserven etwas aufzustocken, müssen wir noch eine andere Bank suchen und finden sie nach einigem Nachfragen. Anschliessend kaufen wir noch ein paar Esswaren und natürlich Wasser, ein wichtiges Gut fürs Reisen in Namibia.
Mit einiger Verspätung auf unser Programm fahren wir weg und erreichen ca. um ein Uhr das Anderson Gate, den Eingang zum Etosha- Park. Hier beginnt nun ein Highlight unserer Reise. Schon bald begegnen wir nämlich den ersten Elefanten. Majestätisch nähern sich uns zwei Prachtsexemplare, die Fotoapparate und Handys laufen heiss. Zebras, Springböcke, Gnus, Impalas, Giraffen, Strausse folgen in grosser Zahl. Weitere Höhepunkte sind dann das Nashorn und eine Löwenfamilie, die sich gerade zum Wasserloch begeben, um sich dort zu laben. Zwei Schakale queren unsern Weg. Zudem tauchen immer wieder Vögel auf, die wir teilweise bestimmen können, so z.B. Nilgänse, Sekretär, Riesentrappe, Helmperlhuhn, Rotschopftrappe, Schildrabe, Rotschnabeltoko usw.
Wir müssen Beat immer wieder darauf aufmerksam machen, dass wir um sechs den Park verlassen müssen und dass wir eigentlich bei Tageslicht noch in Omuthiya eintreffen möchten.
Wir schaffen das und langen beim Eindunkeln bei unserem Hotel in Omuthiya an. Unser Gepäck ist staubig geworden auf der heutigen Fahrt, aber wir sind mit dem Ergebnis unseres ersten Aufenthalts im Etoshapark sehr zufrieden. Gespannt erwarten wir die morgigen Erlebnisse.

Mittwoch, 25. Oktober 2017: Etosha-Park
Heute fahren wir von Norden durch das King Nehale-Gate in den Etosha-Park. Die Bilder sprechen für sich:

 

Donnerstag, 26. Oktober 2017: Fahrt von Omuthiya nach Rundu


Heute fahren wir nach Rundu, ganz im Norden, an der namibisch-angolanischen Grenze, am Ufer des Okawango.
Die Fahrt führt zuerst ein Stück retour entlang der B1. Kurz nach Oshivelo zweigen wir auf die D3100 nach Osten ab. Rund 100 km folgen wir dieser Naturstrasse, bis sie auf die B 8 nach Rundu trifft. Von da an geht es Richtung Nordosten auf Asphalt weiter.
Hier fällt auf, wie viele Kinder in Namibia leben. Wir fahren gerade zu der Zeit durch, nachdem die Schulen aus haben. Gruppen von Kindern in verschiedenfarbeigen Schuluniformen, immer sehr sauber gekleidet, strömen nach Hause. Die Schulen sind eingefriedet, bestehen aus langgezogenen, gleichartigen, niedrigen Gebäuden mit Sportplätzen davor. Und wir machen uns Gedanken, was für Chancen diese Massen von Kindern für ihre Zukunft haben. Wie werden sie mal durchs Leben gehen, wenn heutzutage in Namibia gemäss Reiseführer eine 80%-ige Arbeitslosigkeit herrscht. Und dazu stellen wir fest, wieviel Abfall, Flaschen, Scherben, Aludosen, Plastiksäcke und anderes am Strassenrand herumliegen und zum Teil vom Wind vertragen werden.
Ich lasse Beat an einer Stelle, wo meiner Meinung nach Orangen zum Verkauf angeboten werden, anhalten und begebe mich zum Gefäss an der Strasse mit den vermeintlichen Orangen. Etwas weiter hinten steht ein junger Mann auf und kommt mir entgegen, ebenso ein Mädchen. Ich frage ihn, ob es sich wirklich um Orangen handle, weil mir die Früchte doch irgendwie fremd vorkommen. Er bejaht es, und ich nehme eine in die Hand. Die Schale ist aber sehr hart. Ich erkundige mich, wie die Frucht denn geschält werde. Er deutet dem Mädchen, dass es mir zeigen solle, wie ich zum Fruchtfleisch komme. Es packt die von mir gewählte Frucht und schlägt sie mehrmals auf den Strassenrand, worauf sie spaltet. Nun hebt es den kleineren Bruchteil der Schale weg. Im Innern zeigt sich ein graubrauner Inhalt von knolligem Aussehen. Dann zeigt es mir, wie der Inhalt zu geniessen ist. Ich nehme eine der Knollen heraus und schiebe sie in meinen Mund. Der Geschmack sagt mir sehr zu, aber es lässt sich nicht viel Fruchtfleisch ablösen, da der Knollen sehr hart ist. So spucke ich ihn halt wieder aus und versuche den nächsten Knollen. Ich kaufe für drei namibische Dollar drei dieser Früchte, Agumis genannt, gebe dann noch einen drauf und kehre zum Auto zurück. Natürlich möchten meine Begleiterinnen auch probieren, nachdem sie zuerst wegen des etwa abstossenden Aussehens des Fruchtinhalts nichts davon wissen wollen.
Wir finden problemlos unsere gebuchte Lodge, richten uns ein und unternehmen noch einen Spaziergang am Ufer des Okovangos. Da wird Wäsche gewaschen, der Gemüsegarten getränkt und gefischt. Und natürlich können wir auch ein paar Vögel beobachten.
Nach einem ausgezeichneten Nachtessen auf der Terrasse mit allerlei Geräuschen und Tönen von Vögeln, Fröschen und anderen Lebewesen geniessen wir unsere Betten.

Freitag, 27. Oktober 2017: Fahrt von Rundu nach Divundu
Nach dem Morgenessen gehen wir in Rundu tanken, frischen unsere Wasser- und Früchtevorräte auf, kaufen für Beat noch ein Güetzi. Mein Puls wird dadurch noch um einiges erhöht, da Margrit das gemeinsame Portemonnaie vermisst und mich dafür verantwortlich macht. Doch als wir dann alle zum Auto zurückkehren findet sie es glücklicherweise unversehrt in unserem Reiseordner drin. Mir ist wieder wohler!
Die Fahrt geht nun Richtung Osten dem Okovango entlang dem Caprivistreifen entgegen. Die erste Hälfte unserer Tagesetappe fahren wir auf der ungepflästerten Strasse durch viele Einheimischendörfer. Wir begegnen nur gerade zwei oder drei Autos auf diesem rund 100 km langen Abschnitt. Dann wechseln wir auf die Asphaltstrasse, wo es schneller weitergeht. In Divundu verfahren wir uns kurz, da uns die Wegweiser verwirren und ein Polzist noch eine falsche Auskunft gibt. Bei den Popafalls machen wir einen Zwischenhalt und gehen an den Fluss. Da ist nichts Spektakuläres zu sehen.
Nach einem kühlen Drink fahren wir weiter, verfahren uns nochmals und gelangen an die botswanische Grenze. Beat wendet das Auto, und nun finden wir die Lodge problemlos. Thorsten, der Receptionist, empfängt und mit einem Begrüssungsdrink, erklärt uns kurz, was uns dieser Ort zu bieten hat und zeigt uns unsere Unterkünfte, zwei sehr komfortabel ausgerüstete Zelte, das eine sogar mit Terrasse hinaus auf den Fluss, von wo aus wir das Gegenufer beobachten können, und da läuft einiges:
Flusspferde räkeln sich im Wasser und fressen an Land.
Ein Krokodil sonnt sich am Gegenstrand.
Ein Wasserbock und andere Antilopen tauchen auf und gehen wieder.
Eine kleine Büffelherde mit Kalb erscheint und verschwindet wieder.
Seeschwalben landen auf dem Sand und fliegen weiter.
Warzenschweine kommen ans Wasser.
Eine grosse Anzahl Vögel, u.a. Waffenkiebitze, Seidenreiher, Silberreiher, Bienenfresser, ein Storch, fliegen vorbei. Wir haben zu beobachten bis es dunkel wird.
Und nun freuen wir uns aufs Nachtessen.

Samstag, 28. Oktober 2017: In der Mahangu Safari Lodge


Der heutige Tag beginnt mit einem Super-Hit. Das Frühstück wird auf dem River-Boat Letaba 1 serviert. Wir begeben uns um halb acht aufs Schiff. Auf Tischen und Tischchen sind Geschirr und Besteck, Servietten, Butter, Konfitüre, Gewürze u.a. vorbereitet. Hinten ist das Buffet bereitgestellt. Wir ergattern uns die beiden Tischchen im Vorderteil des Schiffs. Eine Viertelstunde später legt es ab. Nun wird gespiesen, getrunken, aber die Hauptsache ist das Beobachten von Tieren. Ein Renner sind die Flusspferde im Wasser. Sie räkeln sich, tauchen auf und ab, schnauben hie und da. Auf einem Baum lauert ein Schreiseeadler auf Beute. Am Strand sonnen sich zwei Krokodile. Am Ufer äugen ein paar Kaffernbüffel misstrauisch hinter den Schilfrohren hervor. Nil- und Sporngänse stehen am Wasser. Auf einem schräg stehenden Schilfrohr sitzt ein Kingfisher. Die Zeit vergeht wie im Flug. Um halb zehn legt das Schiff wieder bei der Lodge an.
Wir beschliessen, unsere Zeit für weiteres Beobachten vom Land aus zu nutzen. Um halb drei haben wir eine Safari auf der Gegenseite des Okavango im Bwabwata Nationalpark gebucht.
Der Himmel hat sich unterdessen sehr stark überzogen. Uns scheint, Regen steht bevor. Entsprechend rüsten wir uns mit Regenschätzen aus und sind gewappnet. Um 14:30 Uhr besteigen wir das Boot, um die andere Seite des Okavango zu erreichen. Da begegnen wir einerseits Nilpferden, die nur gerade ihre Augen, Ohren und Nasen aus dem Wasser strecken, andererseits einer Gruppe von Frauen und Kindern, die am Ufer Wäsche waschen und trocknen. Es weht ein heftiger Wind. Auf der anderen Seite warten zwei Gefährte auf uns. Wir kriegen zu viert eines dieser Safarifahrzeuge mit Fahrer zugeteilt, während sich die übrigen sechs Teilnehmer auf das andere begeben.
Nun geht die Fahrt los. Der Wind wird stärker, die Wolken grauer, die Luft kühler und ferner Donner kündigt ein Gewitter an. Unser Fahrer lässt sich nicht beeindrucken und kurvt mit dem Geländefahrzeug zwischen Bäumen und Sträuchern durch, hält an, wo etwas Sehenswertes ist, und erklärt unermüdlich Zusammenhänge. Wir stossen auf Rotgesicht-Impalas, Kudus, Büffel, Rappenantilope, Geier, Marabus, Sporngänse und vieles mehr. Unterdessen beginnt es auch zu regnen, und wir ziehen unsere Regenschütze an. Der Regen wird heftiger, ebenso die Windböen, der Dunst vermindert die Sicht dramatisch, helle Blitze zucken über die Wolken und drohendes Donnergrollen folgt. Unser Fahrer zeigt sich wenig beeindruckt und fährt weiter. Fotografieren und Beobachten wird fast unmöglich. Endlich sieht das auch unser Fahrer und wendet nach Rücksprache mit uns das Fahrzeug. So kehren wir bei abnehmendem Regen und besser werdenden Sichtverhältnissen Richtung Flussufer. Wir kommen durch eine Ruinenstadt, ein ehemaliges Militärlager der Südafrikaner mit zivilen Bauten, aus der Zeit, als die SWAPO (South West Africa People’s Organsation). Und plötzlich steht da mitten auf der Fahrbahn eine Leopardenschildkröte, die wir natürlich auch noch näher betrachten und fotografieren müssen. Recht durchnässt und frierend erreichen wir den Bootsanlegeplatz und fahren zurück zur Lodge, wo wir schon bald zum Essen erwartet werden, diesmal unter Dach und nicht wie gewohnt draussen auf der Flussterrasse.

Sonntag, 29. Oktober 2017: Fahrt von Divundu nach Sangwali
Uns steht heute wieder eine längere Fahrt bevor, etwas über 300 km. Es ist bedeutend kühler als noch gestern, ein wahrer Temperatursturz, wir denken, dass er mehr als 20°C ausmacht. Nach kurzer Fahrt auf der C48 erreichen wir Divundu und den Trans-Caprivi Highway. Auf asphaltierter Strasse mit immer wieder auftauchenden Hinweisschildern auf Elefanten, die auf der Strasse auftauchen könnten, geht es Richtung Osten. Aber ausser ein paar Vögeln, einigen Ziegen und Schafen und immer wieder Einheimischen ist nichts Sehenswertes zu erkennen. Rund drei Autos begegnen wir auf der über 200 km langen Strecke.
In Kongola tanken wir und besuchen einen Einheimischen-Laden. Der ist nicht zu vergleichen mit den Selbstbedienungsgeschäften in den Städten. Das Sortiment ist sehr rudimentär, einige Gestelle sind leer, eine gekühlte Auslage für Fleisch und Käse ist ausser Betrieb. Das Leben hier ist viel einfacher. Ist es deswegen weniger glücklich?
Nun führt unser Weg Richtung Süden. Kurz vor Sangwali zweigen wir von der Hauptstrasse ab. Nun geht es auf einem abenteuerlichen Weg Richtung Nkasa Lupala Tented Lodge, unser Quartier für die nächsten zwei Nächte. In dieselbe Richtung weist auch ein Wegweiser für ein Livingstone-Museum. Wir beschliessen, diesem Museum einen Besuch abzustatten. So zweigen wir dann ab und gelangen zu einem kleinen, unscheinbaren Gebäude mit sauber gerechtem Sandplatz rundherum. Wir sind sicher die ersten Besucher heute, denn der Platz weist noch keine anderen menschlichen Spuren auf.
Eine einheimische Frau kommt schon bald gelaufen und begrüsst uns freudig, da wir Interesse am Museum zeigen. Sie führt uns ins Innere und erklärt und die darin befindlichen, handgezeichneten Karten, die Fotos und die verschiedenen Gegenstände. Sie zeigt auf, wie überhaupt dieses Museum, übrigens das kleinste ganz Afrikas, zustande kam. Wir hören interessiert zu, verstehen zwar nicht ganz alles, aber sind beeindruckt. So hinterlassen wir einen Obolus zugunsten der Gemeinde Sangwali, die offenbar dieses Museum betreibt und einen zugunsten der Frau, die gerade zum Fischen von blosser Hand im Bach stand, als wir ankamen. Sie ist sehr gerührt darüber und bedankt sich mit Verbeugungen.
Unsere abenteuerliche Fahrt geht weiter auf dieser 4×4-Route. In der Lodge werden wir mit Erfrischungstüchlein empfangen, dann gibt’s einen Begrüssungsdrink und Laura, die Empfangsdame, erklärt uns die Regeln. Da wir zeitig eintreffen, nehmen wir an der Nachmittagssafari teil und melden uns gleich noch für die morgige Frühsafari an.
Die Safari verläuft nicht ganz so erfolgreich, wie sich das unser Driver wohl wünscht. Elefant, Löwe, Leopard und weitere attraktive Vertreter im Nkasa Rupara Park halten sich fern. Aber er kann uns doch einige Leckerbissen zeigen. Neben einem grösseren Teich mit Nilpferden gibt es einen Apéro.
Nach wenigen km Rückfahrt stellt Beat fest, dass sein Handy fehlt. Alles Suchen im Safariauto bringt nichts. So kehrt der Fahrer mit uns allen zum Apéroplatz zurück, in der Hoffnung, das Verlustobjekt zu finden. Es dunkelt ein, aber das Handy ist nicht auffindbar.  Die Rückfahrt zur Lodge findet zum grossen Teil im Dunkel statt.
„Zuhause“ erwartet uns ein gutes Nachtessen, serviert auf der Terrasse. Wolldecken liegen auf, und ich brauche sie, denn es ist immer noch ungewohnt kühl.
Der Schlaf stellt sich nach diesem Tag schnell ein, die Nacht verläuft ruhig.

Montag, 30. Oktober 2017: Nkasa Rupara Nationalpark


Schon sehr früh stehen wir auf. Wir haben für heute die Combo-Tour gebucht. Dabei geht es zuerst über Land im Nkasa Rupara Park. Anschliessend folgt eine Schifffahrt auf dem Linyanti River und dann fahren wir zurück zur Lodge. Fünf Stunden soll der Ausflug dauern.
Pünktlich um sieben Uhr steht unser Fahrer bereit, es ist derselbe wie gestern. Zuerst erklärt er uns, wie der Vormittag ablaufen soll. Dann fahren wir los. Zuerst treffen wir wieder alle Tiere an, die wir schon gestern sahen. Wir starten nochmals eine Suchaktion, um Beats Handy zu finden, aber ergebnislos.
Nach über zwei Stunden Fahrt auf verschlungenen Wegen nähern wir uns allmählich dem Fluss. Und damit beginnt das grosse Event. In der Ferne sehen wir sehr viele Elefanten, die in gemütlichem Trott südwärts ziehen. Unser Fahrer bedeutet uns, dass er sich den Elefanten nähern wolle und dass wir bei der Begegnung mit diesen uns unbedingt ruhig verhalten sollen. Und wirklich, für uns unglaublich, zotteln die Elefanten rechts und links an uns vorbei. Dabei macht schon der eine oder andere Drohgebärden gegen uns, aber unser Guide bleibt ruhig und kann die Reaktionen der Elefanten offensichtlich bestens abschätzen. Und wir staunen einfach, schiessen Fotos und filmen, müssen unsere bewundernden Worte unterdrücken und… Als eine grosse Lücke in der sich vorwärtsbewegenden Herde ist und ein mächtiger Bulle noch etwa hintennach getrottet ist, fahren wir weiter zum Fluss.
Hier erfolgt der zweite Höhepunkt. Wir fahren mit dem Boot zur Furt, wo die Elefanten den Fluss Richtung Botswana überqueren. Und da sind wir noch näher dabei. Die Jumbos beachten uns nicht und stapfen ungebremst durch das fliessende Wasser, wobei der kleinste nur noch gerade seinen Rüssel über dem Wasser halten kann. Ein einmaliges Schauspiel. Die anderen Begegnungen verblassen daneben, z.B. das unter dem Boot durchtauchende Nilpferd, das auf der anderen Seite schnaubend wieder auftaucht oder die vielen Hippos, die sich im Wasser im Kreis einander zuwenden und einen Schwatz zu halten scheinen, wobei das eine oder andere auch mal sein riesiges Maul aufreisst und seine Zähne zeigt.
Die Fahrt zurück dient der Verarbeitung dieses einmaligen Erlebnisses. Mit rund einer Stunde Verspätung kehren wir in die Lodge zurück, sehr zufrieden, so ein Ereignis beobachten zu können.
Der Nachmittag verläuft ruhig mir Bericht schreiben, Beobachten von der Lodgeterrasse aus, mit Ausruhen und Diskussionen mit anderen Gästen.

Dienstag, 31. Oktober 2017: Fahrt von Sangwali nach Katima Mulilo
Unsere Reise geht heute weiter. Katima Mulilo ist das Ziel. Zuerst geht die Fahrt wieder über abenteuerlich anmutenden Wegen durch Sand, Feuchtstellen und um Bäume und Sträucher zurück auf die Hauptstrasse C48. Sie ist wider Erwarten asphaltiert. So kommen wir schnell vorwärts. Links und rechts der Strasse ist ein gewisser Wohlstand festzustellen. Die Siedlungen bestehen hier zum Teil aus gemauerten Häusern und da und dort steht auch ein Auto vor dem mit Holz oder Binsenzäunen eigefriedeten Areal. Zudem ist vielfach sauber aufgeräumt.
In Katima Mulilo langen wir kurz nach Mittag an und finden unser Hotel Protea problemlos. Nach einem Drink in der Bar können wir unsere Zimmer beziehen.
Nun steht uns ein Fussmarsch ins Zentrum des Städtchens bevor. Dort durchstreifen wir den offenen Markt und unsere Frauen kaufen nach intensiver Prüfung der Qualität und der angebotenen Muster je ein Stück Stoff afrikanischen Ursprungs. 

Darauf besuchen wir noch das moderne Shopping-Center, das sich vor allem durch die Hautfarbe der Besucher und durch lange Schlangen vor den Kassen von gleichartigen europäischen Centern unterscheidet. Zwei Dinge fallen auf: Gewisse Leute werden an den Kolonnen vorbei zur Kasse geschleust, damit sie nicht so lange anstehen müssen, und ein Pärchen mit Kind musste unter den wachsamen Augen zweier Aufsichtspersonen gewisse Artikel an der Kasse wieder auspacken, weil das Geld zum Zahlen nicht reichte.
Nach der Rückkehr ins Hotel, übrigens alles zu Fuss und bei rund 35°C, beschäftigen wir uns mit dem morgigen Grenzübergang nach Zimbabwe, was eine Tortur werden könnte, wenn nicht alles genauestens stimmt. Wir nehmen dazu mit einem Agenten Kontakt auf, den uns unser Hotelier in Victoria Falls angegeben hat und geben ihm per Whatsup und E-Mail die benötigten Daten durch, was sich auch noch etwas schwierig gestaltet, da wir eine fehlerhafte E-Mail-Adresse zugeschickt bekommen haben. Aber nach einigen Anläufen klappt es doch noch. Ich habe sein Foto auf meinem Handy und er meines. Wollen mal schauen, ob es klappt. Das sehen wir dann morgen. Heute haben wir den Schlaf verdient.

Mittwoch, 1. November 2017: Fahrt von Katima Mulilo nach Victoria Falls
Heute Morgen gehen wir sehr gespannt auf die Reise. Wie wird es heute sein, wenn wir an die botswanisch-sambesische Grenze kommen? Wir haben für unsere Fahrt genügend Zeit eingeplant, da wir nicht wissen, wie es klappt mit dem Grenzübertritt nach Botswana.
So fahren wir auf der B8 Richtung Ngoma. Wir erreichen schon bald den namibischen Zoll. Da müssen wir wieder dasselbe Papier ausfüllen, wie wir das bei der Einreise am Flughafen von Windhoek ausfüllen mussten. Wir geben das Formular ab und bekommen einen Stempel in den Pass.
Nun dürfen wir über die Linyanti-Brücke zum botswanischen Zollposten fahren. Der ist viel einfacher ausgestattet. Da müssen wir nicht mehr alle ein Formular ausfüllen, eines genügt hier für alle, dafür müssen wir unsere Schuhsohlen in eine Desinfektionslösung tauchen und unser mitgeführtes Obst entsorgen, d.h. auf der Zollstation essen oder in den Kübel werfen.
Dann geht die Fahrt weiter. Aber schon bald kommt wieder ein Posten an der Strasse, wo Beat nochmals auf eine Liste eintragen muss, mit wie vielen Personen und mit was für einem Auto wir in den Chobe Nationalpark hineinfahren. Zudem müssen wir etwas über 200 Pula Strassen- und Fahrzeuggebühren entrichten, erhalten aber eine Quittung, damit wir bei der erneuten Einreise aus Simbabwe nicht wieder zur Kasse gebeten werden.
Schon bald erreichen wir Kasane. Dort decken wir uns mit botswanischem Geld, Pula, ein, trinken etwas Kühles, ergänzen unsere Vorräte mit frischen Früchten und tanken unser Auto voll.
Unterdessen ist es kurz vor eins geworden. Wir sind immer noch zu früh, da wir um zwei mit dem simbabwischen Agenten, der uns behilflich sein soll beim Grenzpbertritt, abgemacht haben. Aber wir fahren gleichwohl auf gut Glück Richtung Grenzübergang. Die Strasse ist in einem himmeltraurigen Zustand. Löcher reihen sich an Löcher. Die botswanischen Beamten fertigen zügig ab. Darauf rollen wir auf den simbabwischen Zoll zu. Da macht sich unser Agent schon von weitem bemerkbar. Er erklärt uns, wir sollten die Personenabfertigung über uns ergehen lassen, er kümmere sich um das Auto. Wir müssen unser bereits im Voraus ausgefülltes Formular, das uns unser Gastgeber per E-Mail zustellte, zusammen mit dem Pass einem arrogant auftretenden Beamten an einem Schalter einzeln abgeben und jeweils 30 US Dollar in bar übergeben. Von Beat und mir will er den Betrag sogar doppelt erheben, doch wir wehren uns erfolgreich. Unterdessen hat unser Agent wirklich die Einfuhr des Autos erledigt und wir kriegen von ihm die Quittung, bezahlen ihm die hundert US Dollar Gebühr, die er entrichten musste und geben ihm noch ein Trinkgeld. Dann haben wir den Übertritt geschafft. Aber unsere Freude war zu früh. Rund zwei Kilometer kam wie bereits von Hartmut angekündigt eine Polizeikontrolle und verlangte von uns, das zweite obligatorische Pannendreieck zu sehen. Da wir dieses nicht bei haben, verlangt er gegen Quittung einen Betrag von 15 US Dollar, die wir bei der Ausreise zurückfordern könnten. Bei einer allfälligen Polizeikontrolle im Land könnten wir diese Quittung vorweisen, um einer Strafe wegen des fehlenden Pannendreiecks zu entgehen.
Aber schon bald vergessen wir den verursachten Ärger, denn links von der Strasse stehen zwei grössere und ein kleiner Elefant. Wir halten an und fotografieren auf Tod und Leben. Auf beiden Seiten der Strasse tauchen noch mehr Elefanten auf. Dazu kommen noch zwei schwarze, riesige Vögel mit roten Kehllappen und breiten, roten Augenringen, die uns in Atem halten. Wir identifizieren sie als südliche Hornraben. Auch sie werden von unseren Kameras eingefangen.
Nach diesem länger dauernden Intermezzo erreichen wir das Amadeus Garden B&B und werden dort freundlich empfangen. Wir erhalten kurz einen Überblick über unsere Unterkunft und über das Städtchen Victoria Falls.
Schon bald nach dem Zimmerbezug begeben wir uns ins Zentrum. Und da fällt uns ein grosser Unterschied zu unseren bisherigen Destinationen auf. Die Leute rücken uns auf den Pelz, wollen unbedingt etwas verkaufen und verfolgen uns zum Teil über grössere Strecken, wobei sie dann schon bald zu betteln beginnen. Ihr Geld ist rein nichts mehr wert, den höchsten Betrag, den ich auf einer simbabwischen Banknote aufgedruckt war, betrug 50’000’000’000 Simbabwische Dollar. Da ist man schnell mal Milliardär. Und deshalb ist die meist verwendete Währung der US $.
Den Apéro nehmen wir im View Point Café ein, ein Restaurant, von wo aus man einen eindrücklichen Ausblick auf die Sambesibrücke und in die Schlucht hat. Fantastisch!
Ein Taxi führt uns zurück zum Amadeus Garden B&B.

Donnerstag, 2. November 2017: Victoriafälle und Krokodilranch


Nach dem Frühstück gehen wir zu Fuss zum Eingang in das Victoria Falls-Gelände. Der Eintritt beträgt stolze 30 US Dollar. Wir orientieren uns am Eingang über den bevorstehenden Besichtigungsweg und gehen dann schön der Nummerierung nach durch das Gelände. Imposant sind die Aussichten auf die zum Teil über hundert Meter tief fallenden Wassermassen. Da der Sambesi nicht sehr grosse Wassermassen von Sambia herbringt, sind verschiedene Abschnitte trocken. Aber da, wo das Wasser in die Tiefe stürzt, sind gewaltige Gischtwolken auszumachen. An gewissen Aussichtspunkten werden wir ziemlich nass. Zwar ist der ganze Weg schweisstreibend, aber die Gischt trägt auch noch einiges dazu bei, dass wir die ganze Zeit über feucht sind.
Ein spezielles Erlebnis ist die Begegnung mit Schülerinnen und Schülern bzw. mit einer ihrer Lehrerinnen einer katholischen Schule aus Bulawajo. Wir führen mit ihr ein kurzes Gespräch und sie wünscht sich ein Foto mit uns.
Nach dem Besuch der Fälle lassen wir es uns nicht nehmen, uns auf die Brücke über den Sambesi zu begeben. Wenn es auch sehr heiss ist, mein Handy zeigt 37°C an, marschieren wir unverdrossen durch den simbabwischen Grenzposten, wo wir noch einen gestempelten Zettel für uns vier Personen bekommen. Auf der Brücke werden wir, wie fast überall, immer wieder von „Künstlern“ bedrängt, die uns unbedingt die Big Five, aus wertvollem Holz geschnitzt, eine Holzschale, einen Armreifen, eine 50 000 000 000-Note der simbabwischen Nationalbank oder sonst was andrehen wollen. Es ist teilweise recht schwierig, diesen Händlern einen Korb zu geben, denn anfänglich stellen sie sich oft als Helfer und Informanten dar, die sich erfreut darüber zeigen, dass wir ihr Land besuchen. Und zuletzt betteln sie, wenn sie nichts verkaufen können, und beklagen ihr Schicksal. Aber jedenfalls ist die Sicht hinunter in die Schlucht einmalig.
Auf dem Rückweg nehmen wir uns ein Taxi und lassen uns zur Krokodilranch etwas ausserhalb Victoria Falls fahren. Da werden wir von einer jungen Frau durch den Betrieb geführt. Für uns völlig ungewohnt werden hier Krokodile zur Gewinnung von Leder und Fleisch gezüchtet und gehalten. Zuerst zeigt sie uns Jungtiere, die in einem kahlen Betongehege untergebracht sind. Sie packt ein Jungtier mit beiden Händen und reicht es uns zum Halten und zum Anfassen. Wir bekommen Erklärungen zur Anatomie und zur Haltung dieser Echsen. Die „Masttiere“ werden in recht grossen, betonierten Gehegen gehalten, die in der Mitte Mulden mit Wasser aufweisen, wo sich die Tiere hineinbegeben können. Sie werden mit Pellets aus Fleisch gemästet. In einem weiteren Teil der Anlage sind die zur Zucht notwendigen Elterntiere untergebracht. Diese Anlage ist ein naturnahes Weiher- und Flussgelände, wo die Tiere weitgehend artgerecht gehalten werden. Auf ein Männchen kommen rund ein Dutzend Weibchen. Die Tiere sind einiges über 40 Jahre alt. Jedes Weibchen legt im Schnitt 45 Eier, die 90 Tage Brutzeit im warmen Sand benötigen. Zum Abschluss ihrer Führung holt sie ein paar Krokodilfleischbrocken, die sie einen nach dem andern an einen Haken an einer Schnur mit Stange hängt und über dem Wasser den darin befindlichen Krokodilen mit Lockrufen präsentiert. Die Krokodile schnappen mit lautem Zusammenklappen ihrer Kiefer nach diesen Happen. Schon nach kurzer Zeit sind alle Fleischstücke weg. Nun stehen noch drei Löwen, ein Männchen mit zwei Weibchen in einem grossen, eingezäunten Grundstück an.
Von einer anderen Frau werden wir noch in eine neu entstehende Ausstellung mit vielen Schlangen eingeladen. Sie scheint zu jeder dieser Schlangen eine besondere Beziehung zu haben, aber die Schaukästen, in denen diese Tiere ausgestellt sind, sehen teilweise schrecklich aus.
Unser nächstes Ziel ist das Lookout-Café, das wir mit dem Taxi ansteuern. Hier geniessen wir nochmals die Sicht in die Sambesischlucht, auf die mutigen Bundjee-Jumper, die den Sprung in die Tiefe wagen, und ein frühes Znacht.
Zu Fuss gehen wir darauf zu unserer Unterkunft zurück, um uns im Pool noch etwas abzukühlen.

Freitag, 3. November 2017: Fahrt von Victoria Falls nach Kavimba in Botswana
Nach dem Frühstück und Packen unserer Sachen fahren wir aus Victoria Falls weg. Nach einigen km kommen wir am Flugplatz vorbei. Niemand von uns erinnert sich daran, je hier vorbeigefahren zu sein. Nachdem Doris mal auf ihr Handy schaut, wo sie die Fahrt auf dem Display gelegentlich mitverfolgt, stellt sie fest, dass wir in die falsche Richtung fahren. Beat kehrt und fährt zurück Richtung Victoria Falls. Kurz vor der Stadt stellen wir fest, wo wir die Abzweigung Richtung Kasane verpasst haben. Jetzt, wo wir auf der richtigen Strasse sind, kommen wir schnell vorwärts, erreichen schon bald die Polizeikontrolle wenige Kilometer vor der Grenze. Dort kommen wir unbehelligt vorbei. Am Grenzposten werden wir schnell und problemlos abgefertigt, allerdings will von der Rückgabe der 15 US $, die wir bei der Einreise wegen des fehlenden Pannendreiecks bezahlen mussten, niemand etwas wissen. Wir haben eher den Eindruck, dass die uns abfertigenden Beamten verschmitzt darüber lachen, dass wir uns so naiv reinlegen liessen. Also schreiben wir den verlorenen Betrag ins Kamin und fahren weiter zum botswanischen Grenzposten.
Dort müssen wir wieder ein Formular mit allen möglichen Angaben ausfüllen und die Quittung für die Strassengebühr vorweisen, die wir bei der Fahrt von Namibia nach Botswana bereits bezahlen mussten. Der Beamte nimmt die Formulare entgegen, ohne gross einen Blick darauf zu werfen, und dann können wir in Botswana einreisen.
Kurz vor Kasane lassen wir den Tank unseres Autos auffüllen und kaufen noch etwas Proviant ein, denn jetzt geht es in eine dünn besiedelte Gegend, an den Rand des Chobe Nationalparks. Nachdem wir in Ngoma nach Südwesten abgezweigt sind, machen wir noch einen kurzen Halt. Weit ist es nicht mehr bis zur Mwandi Lodge, unserem Aufenthaltsort für die kommenden zwei Nächte. Bevor wir ankommen, queren wir noch einen Elefantentrail, denn Strasse und Umland sind auf eine Breite von einigen Metern mit den Kotballen dieser Tiere stark verunreinigt.
In der Lodge werden wir willkommen geheissen und bekommen unsere beiden Zelte für die zwei nächsten Nächte zugewiesen. Zuerst betrachten wir mit Feldstecher, Fernrohr und den Fotoapparaten die Umgebung. Wir sind unmittelbar östlich des Chobe Rivers untergebracht und können von unseren Terrassen die Gegend ausgezeichnet beobachten. Wir identifizieren zwei Arten Pelikane, wobei eine sicher der Rosapelikan ist, Höckerente, Graufischer, Goliathreiher, Silberreiher, Riesenglanzstar, Rotschnabeltoko. Weitere Vögel sind für uns nicht bestimmbar, da wir sie in unseren Unterlagen nicht finden oder sie zu wenig genau sehen können. Von Südwesten zieht ein Gewitter vorbei, im Nordosten brennt die Steppe.
Da es uns allmählich zu heiss wird, geniessen wir ein kühlendes Bad im Swimmingpool der Lodge und ein kühles Getränk. Und dann geht das Beobachten und Bestimmen weiter: Schwarzstirnwürger, Gelbschnabeltoko, Monteirotoko, Sporngans, Kapturteltaube. In der Ferne sind ein paar Zebras zusammen mit einer Rinderherde zu sehen. Die Hitze bleibt.

Samstag, 4. November 2017: Auf Safari im Chobe Nationalpark
In Badehose, gerade aus dem Pool gestiegen, bei brütender Hitze und nun abgekühlt sitze ich im Schatten und schreibe den heutigen Bericht.
Schon um sieben morgens sitzen wir beim Frühstück, echt Englisch mit Toast, scrumbled Eggs, Mushrooms, Bacon, Tomatoes, Hush Browns and Butter und geniessen im Freien bei angenehmen Temperaturen. Wir beschliessen, heute Beat fahren zu lassen und entlang dem Chobe River auf zum Teil abenteuerlichen Pfaden Richtung Kasane zu fahren. Doris legt einen Ruhetag ein. So fahren wir zu dritt los und starten unsere Safaritour beim Ngoma Gate.
Der erste Abschnitt ist eine steile Passage in die Uferregion des Chobe. Auf unterschiedlichen Pisten, steinig, sandig, festgefahren, geht es auf Pirschfahrt. Beat übt für morgen, dann ist eine längere Überlandfahrt fällig.
Hier treffen wir schon bald auf riesige Herden Zebras in der Ebene draussen. An den Hängen tummeln sich immer wieder Gruppen von Impalas, die einen bestehen aus mehreren Weibchen mit einem Bock, die anderen aus mehreren Männchen. Manchmal tauchen auch hier Zebras auf. Vereinzelt treffen wir auf Kudus, Litschi- und Rappen-Antilopen, Paviane und Warzenschweine.
Eine Reihe Vögel können wir bestimmen, so z.B. Hammerkopf, Rosapelikan, Klaffschnabel, Schwarzstorch, Schreiseeadler, Rotschnabeltoko, Riesentrappe, Waffenkiebitz, Silber-, Seiden- und Kuhreiher, Kaptriel, Stelzenläufer, Nilgans. Andere bleiben unbestimmt oder unsicher.
In der Ferne ist eine Elefantengruppe von drei ausgewachsenen und drei Jungtieren auszumachen. Gegen Ende unserer Pirschfahrt stossen wir auf einen neben der Piste liegenden toten, ausgewachsenen Elefanten, ein unschönes Bild und unangenehm riechend. Aber der Tod schlägt auch in der Wildnis zu.
Bei grosser Hitze beenden wir unsere Safari und steuern unserem Nachtlager zu, wo wir uns im Pool und bei einem eiskalten Getränk abkühlen können. Beat hat sich als Fahrer bestens bewährt und alle kritischen Situationen souverän gemeistert. Froh zeigt er sich darüber, dass der Gegenverkehr minimal war, speziell in Steigungen und Abfahrten.

Sonntag, 5. November 2017: Fahrt von Kavimba nach Maun


Heute steht uns eine besonders abenteuerliche Fahrt bevor. Bis Kachikau wird die Strasse noch einen Asphaltbelag haben, und dann liegen einiges über 200 km Sand-, Schotter- und Feuchtpisten vor uns, um zu unserem Ziel, das Discovery B&B in Maun zu erreichen. Mit etwas über sieben Stunden Fahrt rechnet der Routenplaner von Google Maps. Da heisst es also früh losfahren.
Kurz nach acht begeben wir uns auf die Strecke. Die ersten Kilometer auf der festen Strasse verlaufen problemlos. Und dann liegt die Sandpiste vor uns. Recht steil geht es bergauf und schon stellen sich die ersten Schwierigkeiten ein. Mitten in der Steigung kommen wir nicht mehr weiter. Beat hat nicht daran gedacht, den Vierrad einzuschalten. Nun holt es es nach, und schon bald kann er wieder volle Fahrt aufnehmen. Wir werden durchgeschüttelt, Margrit findet: „Geschüttelt, nicht gerührt! So kommen wir weiter, bis Doris bemerkt, dass ihr Rucksack im Auto fehlt. Anhalten und durchsuchen des ganzen Autos sind angesagt, aber der Rucksack lässt sich nicht finden. Sch…!!! Also Handy zur Hand, Telefonnummer von Mwandy Lodge suchen… Da klingelt bereits Margrits Handy. Wer ruft denn an so mitten im Niemandsland? Emilia von der Lodge ist es, ein Rucksack sei liegen geblieben. Also wendet Beat unser Gefährt, und wir werden wieder durchgerüttelt, einfach in entgegengesetzter Richtung, um den Rucksack abzuholen. Das Problem ist allerdings, dass es unterdessen eine Stunde später geworden ist, und wieder zurück an dieselbe Stelle kostet uns eine weitere Stunde.
Wir gelangen zurück zur zu Mwandy Lodge, wo Doris ihren Rucksack unbeschadet in Empfang nehmen darf, und fahren nun gerade entgegengesetzt weiter nach Kasane und dann Richtung Nata. Zwar ist dieser Weg einige hundert Kilometer länger, aber er scheint uns vernünftiger, vor allem wenn wir unter Umständen noch bei Dunkelheit fahren müssten. Auf Asphaltstrassen lässt sich schneller fahren. Das bekommt Beat schon bald eindrücklich zu spüren. Kurz nach Kasane stellen wir fest, dass dort eine Radarkontrolle stattfindet. Wir kommen ungeschoren durch und meinen noch, dass hier wohl das einzige Radargerät der botswanischen Polizei im Einsatz sei. Aber weit gefehlt. Schon bald danach werden wir von einem Polizisten herausgewinkt. Da steht in den Büschen versteckt das Radargerät und ein Polizeiauto. Unser Auto war ein paar km/h zu schnell unterwegs, was uns eine Busse eintrug. Sie war aber verschmerzbar, nur ging schon wieder Zeit verloren.
In Nata machen wir einen kurzen Zwischenhalt, tanken Diesel und ein kühles Getränk. Die Fahrt geht weiter Richtung Westen, Maun entgegen, jetzt immer schön mit höchstens der erlaubten Geschwindigkeit. Schliesslich haben wir gelernt, dass eine Geschwindigkeitsbeschränkung so lange gilt, bis eine Tafel am Strassenrand steht, die eine neue Beschränkung vorschreibt.
Natürlich begegnen wir auf der ganzen Strecke von über 700 Kilometern auch immer wieder etwa wilden Tieren. Zwischen Ngoma und Kasane liegt ein verkohlter Elefant an der Strasse, später begegnen wir einem lebenden Elefanten, Straussen und verschiedenen kleineren Steppentieren. Gross ist die Zahl der Rinder und Kälber, der Ziegen und der Esel, die am Strassenrand weiden und dabei auch etwa die Strasse überqueren. Da heisst es immer auf der Hut sein.
Eine weitere ungewohnte Prozedur müssen wir an der Veterinärgrenze über uns ergehen lassen. Da gelangen wir urplötzlich an einen Kontrollposten, an dem wir anhalten und aussteigen müssen. Unser Auto wird untersucht auf landwirtschaftliche Produkte, die wir mitführen. Diese müssen wir am Kontrollposten essen oder ansonsten abgeben. Also beissen wir in unsere Äpfel, schälen unsere Bananen und Orangen und vertilgen sie. Unsere Schuhsohlen müssen in einer wie Jauche aussehenden Flüssigkeit desinfiziert werden, indem wir mit den Schuhen in das Gefäss treten. Mit dem Auto muss Beat durch ein Reifendesinfektionsbad fahren. Es geht laut Infos, die wir erhalten, darum, die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche im Landwirtschaftsgebiet zu unterbinden. Beat muss sogar ein paar Schuhe aus dem Kofferraum ins Desinfektionsbad tunken. Dann können wir weiterfahren.
So erreichen wir vor Einbruch der Dunkelheit Maun und unsere Unterkunft, Discovery B&B. Nach dem Einrichten unserer Schlafbungalows fahren wir zur Backpackers Lodge an der alten Brücke, wo wir unser Nachtessen bestellen und dann beim Warten auf unsere Bestellung Aktivitäten für die nächsten zwei Tage buchen: Eine Bootsfahrt ins Okavangodelta mit Lunch und Landspaziergang und eine Fahrt ins Moremi Game Reserve. Da der Anbieter Barzahlung verlangt, fahren wir nach dem Essen noch in die Stadt, um einem Bancomaten einen Besuch abzustatten. Schon der zweite Apparat ist betriebsbereit und speit uns die verlangten Banknoten heraus.

Montag, 6. November 2017: Schifffahrt auf dem Thamalakane River


Pünktlich um acht werden wir von Mark bei der Lodge abgeholt. Er führt uns mit seinem Auto zu einem Bootsplatz und stellt und Cobra vor, der mit uns diesen Ausflug ausführen wird. Zu viert nehmen wir Platz. Zuerst geht die Fahrt flussaufwärts bis zu Einmündung in den Boro River. Cobra kennt die Wasser- und andere Vögel ausgezeichnet und macht uns auf die verschiedenen Arten und auf ihre Eigenheiten aufmerksam. Die Zeit vergeht wie im Flug und wir kennen unterdessen verschiedene Reiher, Entern, Gänse, Kingfischer, Bienenfresser, den Schreiseeadler und viele andere.
Im Boro River stossen wir auf ein junges zwei- bis dreijähriges Krokodil. Cobra entdeckt es aus dem fahrenden Boot während wir zwei-, dreimal nachfragen müssen, wo genau es sich befinde, so gut ist es in den Wasserpflanzen getarnt. Eine spezielle Begebenheit erleben wir, als Cobra das Boot an einer Stelle, wo ein Hag in den Fluss hinausgebaut wurde, anhält, uns zum Aussteigen auffordert und erklärt, er müsse hier die Erlaubnis einholen, um in den nächsten Abschnitt des Flusses hineinzufahren. Er diskutiert länger mit einer älteren, schwarzen Frau von vornehmem Aussehen. Dann kommt er uns holen und fährt mit uns weiter.
Hier erleben wir einen weiteren Höhepunkt unserer Reise. Wir fahren durch ziemlich schmale Wasserstrassen, die von dichten Seelilien und Binsengewächsen beidseitig begrenzt werden. Hier drin weiden Elefanten, die die Wurzeln der ausgezerrten Seelilien mit Genuss fressen. Cobra steuert sein Boot durch die Pflanzen sehr nahe an die Jumbos heran, so dass wir ihnen praktisch Aug in Aug gegenüberstehen. Die Elefanten zeigen sich überhaupt nicht aggressiv und ziehen sich eher zurück. Wir sind beeindruckt von der Friedlichkeit dieser Riesen und fotografieren auf Tod und Leben. Zudem sind verschiedene wasserliebende Antilopen sowie Paviane zu beobachten.
Unser Picknick nehmen wir auf einer Insel ein, nachdem sich Cobra gewissenhaft versichert hat, dass kein gefährliches Tier vorhanden ist. Es gibt gebratenes Hähnchen, Pouletsalat, grünen Salat, kalte Pommes Frites und eine Büchse Süssgetränk. Als Dessert ist ein Erdbeerjoghurt vorgesehen. Allerdings fehlen Messer, Gabeln und Löffel.
Auf der Rückfahrt zeigt uns Cobra noch ein kleines, weisses Fröschchen, den angolanischen Rotfrosch, der an den Binsenpflanzen hochklettert und dort von Vögeln gefressen wird.
Nach der Rückkehr können wir bei Mark gerade den Ausflug von morgen buchen.
Aufs Nachtessen verzichten wir, der Lunch vom Mittag reicht auch für die Nacht.

Dienstag, 7. November 2017: Safari im Moremi Game Reserve


Schon morgens um fünf werden wir von unserem Driver abgeholt. Es ist kühl. Wir besteigen den Safariwagen, Margrit und ich in der vordersten, Doris und Beat in der zweiten Reihe und in der dritten Reihe findet das Reserverad Platz. Dann geht die Fahrt los, rund zehn Kilometer auf Asphalt, die nächsten vierzig Kilometer auf Schotterpiste und dann abwechselnd auf Sand- und Schotterpisten für den Rest des Tages. Teenage holt alles aus seinem Fahrzeug heraus. Das schüttelt uns total durch. Beim South Gate, nach ca. 90 Kilometern und zwei Stunden Fahrt gibt es Frühstück. Wir sind allerdings nicht allein. Sehr schnell haben Baumhörnchen, ein Gelbschnabeltoko und ein Riesenglanzstar unsere Absicht erkannt und betteln unverschämt, ja sie klauen sogar von unseren Speisen.
Anschliessend geht die Fahrt weiter Richtung Black Holes. Unser Driver mit dem Namen Teenage hat wirklich Drive drauf. Er will uns die Höhepunkte dieses Nationalparks möglichst alle zeigen. Wir begegnen schon vor dem Gate einzelnen Tieren, sogar einem Elefanten. Am Wasser begegnen wir dann Tieren, die wir bereits gestern beobachten konnten. Höhepunkte sind der Gelbschnabelstorch, der Braune Sichler, der Glockenreiher und der Afrikanische Löffler.
Teenage führt uns, nachdem er mit anderen Fahrern geredet hat, zu einer Löwenfamilie, die im Schatten ruht. Da liegen zwölf jüngere und ältere Damen herum, zum Teil einzeln, zum Teil in Kontakt zueinander, schauen uns hin und wieder gross an, wenden ihren Kopf weg und zeigen an uns Beobachtern wenig Interesse. Etwas abseits liegt der Löwenmann, ein alter Herr, mehrfacher Grossvater. Er fühlt sich durch unsere Anwesenheit gestört, erhebt sich und legt sich zu seinen Frauen, aber ohne jede Drohgebärde. Und unser Driver weiss unterdessen so viel zu erzählen über diese Löwenfamilie.
Der nächste Höhepunkt ist ein Nashorn. Dazu fährt Greenage ganz nahe an die Büsche heran, wo sich das Tier versteckt hält. Dieses ergreift die Flucht, aber unser Driver lässt sich nicht lumpen und folgt im quer durch die Landschaft, über Stock und Stein, und es schüttelt uns einmal mehr durch und durch, aber wir sehen das Prachtstier. Allerdings fehlt ihm das grosse Horn. Es wurde ihm auf Weisung der botswanischen Behörden gestutzt, da es sonst allzu leicht Wilderern zum Opfer fallen könnte, die es auf das kostbare Organ abgesehen haben. Ein solches Horn bringt immer noch einen ansehnlichen Betrag, da es in gemahlenem Zustand sexuelle Wunderkräfte freimachen soll. Wer’s glaubt, ist ein Tr….
Plötzlich tauchen zwei Männer zu Fuss auf. Was haben die vor? Greenage redet mit ihnen und teilt uns dann mit, dass seine Hilfe nötig sei. So nehmen die beiden die engen Plätze neben dem Reserverad ein und wir fahren in die von ihnen diktierte Richtung. Von weitem sehen wir das Problem: Ein Geländefahrzeug mit Anhänger steht im Sumpf, der Motor läuft, aus dem Auspuff blubbert es. Da können wir auch nicht helfen, also fährt unsere Driver mit uns allen zum Camp der beiden, damit sie dort die benötigte Hilfe organisieren können. Greenage kurvt noch etwas in der Gegend herum und fährt dann nochmals an den Unglücksort, um beim Herausschleppen des Gefährts seinen Kommentar abzuliefern.
Etwas spät geht er dann die Suche nach einem Picknickplatz an, wobei er am ersten gewählten Ort richtiggehend von einer weissen Dame abgekanzelt wird. Also sucht er weiter und findet dann einen Platz, wo wir in der Nähe lauernde Löwen beobachten können. Aber scheinbar setzt auch ihnen die Hitze zu, und sie zeigen sich während unserer Mahlzeit, gebratenes Hähnchen mit Pommes, umgebungswarm, mit eine Büchse Süssgetränk, nicht angriffig.
Natürlich haben wir während der ganzen Herumfahrerei wieder allerlei verschiedene Tiere beobachten können, verschiedene Antilopenarten, Warzenschweine, einen Schwarzrückenschakal, Baumhörnchen u.a.
Nach dem Essen fahren wir etwas gemütlicher zu unserer Lodge zurück. Ein Taucher im Pool und die anschliessende Dusche machen uns wieder munter. Nachtessen brauchen wir nicht mehr, aber etwas Kühles zu trinken.

Mittwoch, 8. November 2017: Fahrt von Maun nach Ghanzi


Leider ist nun die Zeit der Safarifahrten zu Ende. Heute fahren wir nach Ghanzi zur D’qae Qare Lodge. Da sind wir sehr gespannt, was uns erwartet.
Nach dem Frühstück fahren wir ab und machen unseren ersten Zwischenhalt in Maun. Schliesslich wollen wir wieder volltanken, noch etwas Geld vom Bancomaten beziehen und Proviant einkaufen. Dann geht die Fahrt Richtung Ghanzi los. Die Strasse ist gut, alles asphaltiert. Wir kommen zügig voran. An der Strasse wird gearbeitet, marode Stellen ausgebessert. An zwei Stellen sitzen mehrere Arbeiter in signalgrünen Jacken auf der Strasse und bessern Löcher im Asphalt aus. Beat und Doris finden, die putzen irgendwelche Rückstände weg. Ihr Job erscheint uns sehr gefährlich zu sein, da sie eine Fahrbahn praktisch ungesichert versperren. Allerdings ist der Verkehr sehr gering.
In Sehithwa möchte ich den Ngami See sehen. Deshalb zweigen wir rechts ab zum Dorf und Richtung See. Als wir in einer Sackgasse landen, frage ich einen Knaben, der gerade mit einer Axt aus dem Hausgarten kommt, um Rat. Er erklärt mir den Weg und sagt mir, dass wir ca. zwei Kilometer zu fahren hätten. Wir wenden und machen uns auf den Weg. Zur Sicherheit frage ich noch drei junge Frauen nach dem Weg. Die eine von ihnen beschreibt ihn mir bestens und drückt mir dann zum Abschied noch die Hand. So kommen wir durch eine verbrannte Landschaft mit lauter toten Bäumen ans Wasser, wo sich Kühe, Kälber, Stiere und Esel ein Stelldichein geben. Offensichtlich führt hier die Strasse, wenn es ganz trocken ist, auf die andere Seite des Sees. Heute aber ist das nicht möglich. Dort wo die Trasse ins Wasser führt, tummeln sich etliche Wasservögel, die bei unserer Ankunft ihre Platz laut zeternd freigeben. Da das Ufer aber dicht von Wasserpflanzen überwuchert ist, sehen wir vom See nicht sehr viel, dafür riechen wir das Vieh. Da ist kein lauschiges Plätzchen am Ufer, kein Strandcafé. So nehmen wir schon bald wieder Abschied vom See und fahren weiter Richtung Ghanzi.
Die nächste Überraschung ist der Veterinärzaun. Schon wieder! Jetzt haben wir doch in Maun unseren Reiseproviant eingekauft, und jetzt das. Wieder alle Früchte essen oder abgeben? Wir beschliessen, die eingkauften Sachen nicht zu deklarieren. Zu unserer Überraschung fragt uns die kontrollierende Dame gar nicht nach Lebensmitteln, sondern will alle unsere Schuhe sehen, damit sie in die gruslige Brühe in den mit Stoff- und Sackresten bereitgestellten Schalen getunkt werden können. Und so packen wir Koffer um Koffer aus, nehmen die Schuhe heraus und tunken sie in die Schale. Dann wird wieder alles schön säuberlich eingepackt, natürlich mit afrikanischer Eile. Jetzt kann die Fahrt weitergehen.
Etwas mehr als 20 Kilometer vor Ghanzi zweigen wir von der Strasse links ab zu unserer vorgebuchten Lodge. Über eine rund sieben Kilometer lange Sandpiste gelangen wir zur Lodge. Hier werden wir von zwei San-Frauen mit Umarmen begrüsst uns willkommen geheissen. Wir bekommen erklärt, wie die Abläufe in dieser Lodge sind, richten unsere sehr geräumigen Zimmer ein und begeben uns dann auf Safari. Im Lodge eigenen Park sind einige Antilopen- und Vogelarten zu sehen. Den Plan mit den Wegen und Wasserlöchern fotografiere ich mit dem I-Pad, so dass wir einige Anhaltspunkte haben für unsere Fahrt. Allerdings sind die Tiere hier sehr scheu, und wir bekommen die meisten nur aus der Ferne zu Gesicht. Beat und ich klettern noch auf den Aussichtsturm, um uns einen Überblick zu verschaffen. Doch oben fehlt die Plattform und rundherum sehen wir auf Bäume und Büsche hinunter, aber kein Tier. Immerhin haben wir auf der Fahrt hierhin Strausse, Helmperlhühner, Impalas, Gnus, Kudus und Warzenschweine gesehen.
Zurück in der Lodge, kühlen wir uns im Pool ab und geniessen die Dusche nach einem heissen Tag. Zum Essen gibt es Kuduschnitzel mit Kartoffeln, Gemüse und Salat.

Donnerstag, 9. November 2017: Weiterfahrt nach Buitepos, Namibia


Nach den üblichen Abläufen starten wir zur Weiterfahrt Richtung botswanisch-namibische Grenze. Nach der rund sieben Kilometer langen Sandpiste, auf der Beat nochmals brillieren kann, führt eine Asphaltstrasse zur Grenze und dann auch weiter bis nach Windhoek.
Unterwegs beschliessen wir, da wir ja genug Zeit zur Verfügung haben, kurz vor der Grenze einen Abstecher nach Süden zu machen, wo gemäss Strassenkarte Felsmalereien zu besichtigen sind. Allerdings finden wir auch mit Nachfragen niemand, der über das Vorhandensein dieser Sehenswürdigkeit Auskunft geben kann. Es sind am Strassenrand keine Hinweistafeln zu finden, also kehren wir um und machen in Charles Hill einen Zwischenhalt an der Tankstelle. Kaum stehen wir vor der Tanksäule und bestellen: „Diesel, full!“ steht schon ein Polizist auf der anderen Seite unseres Autos und wirft unserem Fahrer Beat vor, er habe einen Stopp überfahren. Doris und Beat diskutieren mit dem Ordnungshüter, während ich mich ums Tanken kümmere. Nach einiger Zeit kommen die beiden lachend zurück: Doris hat sich herausreden können, indem sie darauf bestanden hat, eine allfällige Busse nur mit Kreditkarte bezahlen zu können. Im Tankstellenshop versuchen wir, unsere restlichen Botswana-Pulas zu verputzen, aber das ist ein schwieriges Unterfangen, denn viel gibt es hier nicht zu kaufen. Mit kühlen Getränken, Chips für den Apéritif heute Abend, ein paar Süssigkeiten und übrigen Pulas verlassen wir den Laden. Dennoch bleibt ein Betrag übrig.
Draussen vor dem Shop trinken wir unsere Getränke zusammen mit einem Bike-Pärchen. Sie sind hier bei dieser Hitze auf diesen unendlich langen Strassen mit den Fahrrädern unterwegs und wollen auf diese Weise bis nach Kapstadt fahren, lieber sie als ich. Sie kommen von Victoria Falls her und haben demzufolge schon eine rechte Strecke zurückgelegt. Ihre Fahrräder sind hinten und vorne bepackt. Respekt!
Unsere Reise geht weiter. Die Grenzformalitäten beim Übertritt von Botswana nach Namibia schaffen wir problemlos. Da aber der Andrang gross ist, müssen wir halt etwas anstehen. Aber Doris hat klug vorausschauend unsere Einreiseformulare beim letzten Grenzübertritt mitgenommen und schon vorher beim Fahren ausgefüllt.
Schon bald treffen wir bei der gebuchten Kalahari Bush Breaks Lodge ein, wo wir freundlich empfangen werden und wunderschöne Zimmer mit grossartigem Ausblick zugeteilt bekommen. Eine Abkühlung im Pool ist nach dieser „heissen“ Fahrt willkommen.
Anschliessend begeben wir uns bei stark bewölktem Himmel und einer Temperatur von über 30 °C auf einen Bushwalk. Wir sehen unterwegs einen Strauss, Giraffen, Impalas, Wasserböcke und ein totes, zerlegtes Zebra, daneben auch verschiedene blühende Pflanzen, die tolle Fotosujets abgeben. So kommen wir ziemlich verschwitzt zur Lodge zurück und geniessen die Dusche und anschliessend ein sehr feines Nachtessen.

Freitag, 10. November 2017: Weiterfahrt nach Windhoek
Nach einem schmackhaften Nachtessen in Joe’s Beerhouse in Klein-Windhoek versuche ich jetzt, den heutigen Tag zusammenzufassen.
Am Morgen wachen wir rechtzeitig auf, um den Sonnenaufgang festzuhalten. An der Wasserstelle sind schon die Wasserböcke aktiv. Ab acht gibt es Morgenessen, wir sind dabei.
Anschliessend erledigen wir die Zahlungsmodalitäten, und dann geht die Fahrt los. Erwähnenswert ist, dass wir auf der Strasse Richtung Windhoek unsere Biker von gestern überholen. Wir lassen die Scheiben hinunter und winken ihnen begeistert zu, sie erkennen uns.
In Gobabis machen wir Zwischenhalt und möchten gerne die katholische Kirch St. Conrad besichtigen. Sie ist aber geschlossen. So werfen wir einen Blick ins Kindergartengelände und fahren dann noch zu einem grossen Laden, um unsere Vorräte aufzufrischen. Es liegt sogar eine Glace drin. Dann geht es weiter Richtung Windhoek. An der Strasse ist nichts los. Wegen der paar Pferde, Rinder, Ziegen und wenigen Kälbern lohnt sich ein Stopp nicht. So erreichen wir die namibische Hauptstadt ca. um 14 Uhr und melden uns beim Tamboti Guesthouse zurück. Dort bekommen wir unserer Zimmer zugeteilt, räumen unser Mietauto und geniessen ein kühles Getränk. Anschliessend bringen wir das Mietauto zurück. Es hat uns gute Dienste geleistet, und wir hatten keine Probleme mit ihm. Die Rückgabe verläuft ohne Komplikationen. Wir legten mit diesem Auto 5108 km ohne Panne zurück.
Danach gehe ich in die Stadt, um Postkarten zu kaufen. Schliesslich sollen „meine“ Leute auch noch etwas von mir zu sehen und zu lesen bekommen. Im Guesthouse zurück, werden diese Karten geschrieben, bis die Finger schmerzen.
Gegen sechs gehen wir zu Fuss ins Stadtzentrum und genehmigen uns einen feinen Apéritif in einem Strassencafé mit Band. Da ertönen „The Lion Sleeps Tonight“ und Myriam Makebas Lieder. Die Musiker werden lautstark von einer Gruppe junger Frauen angefeuert und zu Höchstleistungen animiert, ein tolles Erlebnis. Leider räumen aber jetzt die Musiker das Feld und ich rufe unseren bewährten Transfer Manager von unseren ersten Tagen in Windhoek an, er soll uns doch bitte in einer Viertelstunde bei der Post abholen, da ich dort die geschriebenen Karten noch einwerfen muss. Und so gelangen wir in Joe’s Beerhouse, ein Ort, wo sich Touristen und wohlhabendere Namibier treffen. Da ist Betrieb.

Samstag, 11. November 2017: Windhoek


Heute leisten wir uns den Luxus, etwas später zum Frühstück zu erscheinen und etwas länger daran zu machen. Mit dem Junior der Guesthouse-Inhaberin machen Margrit und ich darauf ab, dass er für den Nachmittag einen Ausflug für uns im offenen Landrover durch die Umgebung von Windhoek bucht. Um halb vier werden wir abgeholt.
Dann zieht es uns ins Zentrum Windhoeks, sind doch noch ein paar Einkäufe zu tätigen. Schliesslich kann man nicht ohne kleine Geschenke für die Lieben zu Hause zurückkehren. Also besuchen wir als erstes den Handwerkermarkt. Da werden wir bestürmt von allen Seiten. Alle bieten uns die Ware zum besten Preis an. Wir schauen uns zuerst etwas um, erst dann entschliessen wir uns für bestimmte Produkte: Stoffbahnen, Schlüsselanhänger und Holzschalen sind die Renner.
Anschliessend wünschen sich unsere Frauen noch den Besuch eines Stoffladens in der Nähe des Bahnhofs. Allerdings finden wir schon vorher einen, und zwar mit mehr Auswahl. Auch da werden wir fündig und lassen unseren Obolus liegen.
Der Durst drängt uns zu einem Restaurant, wo ein kühler Drink ansteht. Danach gehen wir noch durch einen Teil des Einkaufszentrums, wo vor allem einheimische Schwarze einkaufen. Zwar hat uns vorher eine weisse Geschäftsinhaberin gewarnt, diesen Teil des Zentrums zu begehen. Wir wagen es trotzdem und fühlen uns dabei sicher und wohl.
Nach unserer Rückkehr im Guesthouse ist bereits der nächste kühle Drink fällig. Ein Taucher im Pool bringt die nötige Erfrischung.
Wir sind nun bereit für den Ausflug. Der Fahrer namens Phileas fährt mit seinem offenen Geländefahrzeug vor und stellt sich auf Deutsch vor. Er ist Ovambo und hat nach seiner Ausbildung ein landwirtschaftliches Praktikum in Norddeutschland absolviert. Da Landwirtschaft in Namibia seiner Meinung nach wegen des Wassermangels und der Hitze keine Zukunft hat, betätigt er sich als Fremdenführer. Er fährt mit uns als erstes zur Christuskirche, wo er uns einige Sachen zu diesem Bauwerk erläutert. Dabei betont er, dass die Namibier die verschiedenen, teilweise grauenvollen Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen vergessen müssen. Die Regierung setzt auf Aussöhnung und Kompromissbereitschaft und erreichte bisher damit eine ansehnliche Stabilität im Land. Danach fährt uns Phileas durch das Regierungsviertel mit dem Sitz des Premierminiesters und dem Parlamentsgebäude.
Das nächste Ziel ist das Township Katatura, ein Stadtteil, der zur Zeit der Apartheidpolitik Südafrikas entstand und dazu diente, die schwarze Bevölkerung aus der Innenstadt zu verbannen. Heute leben rund 200 000 Leute in diesem Viertel. Sie sind meist in der Stadt in einfachen Positionen tätig und verdienen um die 2000 Namibische Dollar (knapp CHF 150.–) sofern sie nicht arbeitslos sind. Die Arbeitslosigkeit beträgt über 50 %. Die Bevölkerung wächst ständig, und die Regierung versucht mit Zäunen die ausufernde Erweiterung dieser Slums zu verhindern. Wir besuchen eine Familie im sogenannten Silvertown, das wegen seiner hell glänzenden Wellblechhütten diesen Namen bekommen hat. Trotz der sichtbaren Armut und fehlender Strom- und Wasserversorgung schlagen sich die Leute durch und verhalten sich sehr freundlich und friedlich.
Unser nächster Besuch erfolgt bei einer Institution, die Menschen aus Kututura Arbeit gibt, und einen Restaurant- und Unterkunftsbetrieb für Einheimische und Touristen an einem Stausee, der zugleich als Wasserspeicher für die Hauptstadt dient, anbietet. Die Lage ist sehr attraktiv. Das ganze Projekt ist aber letztlich ein Tropfen auf einen heissen Stein.
Danach fahren wir in das Zentrum zurück und beschliessen, nachdem uns Phileas abgesetzt hat, im Restaurant des Independence Memorials zu essen. Dort schliessen wir unseren letzten Abend in Namibia bei einem prächtigen Sonnenuntergang und Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Berge ab.

Sonntag, 12. November 2017: Abschied von Windhoek und Namibia
Nach dem schmackhaften Morgenessen packen wir unsere Koffer und bereiten uns auf unsere Rückreise in die Schweiz vor. Den Vormittag verbringen wir bei schönstem Wetter im Park des Guesthouses Tambuti. Pünktlich um halb zwölf holt uns unser bewährte Taxifahrer ab und bringt uns zum Hosea Katuko International Airport. Nochmals geniessen wir die Fahrt über Land, durch diese trockene und einsame Landschaft, und halten Ausschau nach wilden Tieren. Aber nichts zeigt sich.
Der Flug nach Johannesburg startet stark verspätet. Unsere Maschine muss nach der Fahrt zur Startpiste nochmals zurück, weil irgendein technisches Problem aufgetreten ist. Techniker bemühen sich darum, die Maschine startklar hinzukriegen, was ihnen offenbar gelingt. Unsere Piloten beschleunigen offenbar den Flug noch, so dass sie einiges der verlorenen Zeit wieder aufholen können. Jedenfalls haben wir genügend Zeit, unser übriges Geld in Johannesburg noch in Souvenirs umzusetzen.
Der Flug nach Zürich geht rechtzeitig ab, der Start ist aber furchtbar wackelig, und auch beim Weiterflug werden wir immer wieder dazu aufgefordert, uns wegen Turbulenzen anzuschnallen.

Montag, 13. November 2017: Ankunft zu Hause
Wir erreichen früh morgens Zürich, müssen offenbar noch eine Runde drehen bis zur Landung und sind kurz vor halb sieben am Fingerdock. Die Zollformalitäten und die Gepäckausgabe verlaufen zügig, so dass Margrit und ich nach unserer Verabschiedung vom Doris und Beat noch den Zug nach Olten um 07:13 Uhr erreichen. So sind wir bereits um viertel vor neun daheim und müssen uns an mit Schneeflocken vermischten Regen und kühle Temperaturen gewöhnen. Fast dreissig Grad Celsius beträgt der Unterschied. Dankbar sind wir, dass unsere Reise ohne irgendwelche grösseren Schwierigkeiten verlief und dass wir in Doris und Beat tolle Begleiter und einen fabelhaften Chauffeur hatten.

 

 

 

 

 

 

Ecuador-Rundreise 2014

1. Tag: Mittwoch, 30.07.14
Schon um 5 Uhr müssen wir in Zürich am Flughafen sein. Unsere Tochter fährt uns hin. Die beiden Enkelinnen müssen natürlich auch mit. Gepäckaufgabe, eingecheckt haben wir gestern, gemeinsamer Kaffee mit Gipfeli, Verabschiedung, Start ins Abenteuer! KLM fliegt nach Amsterdam, Wechsel in eine grössere Maschine und dann fliegen wir ruhig, aber laaaang nach Quito. Dort landen wir bereits kurz vor 15 Uhr, dank sieben Stunden Zeitverschiebung, werden von René in Empfang genommen und lernen die drei weiteren Reisegruppenmitglieder kennen: Laura, Annemarie, Nadia. Nach anderthalbstündiger Fahrt mit einem einheimischen Chauffeur treffen wir mitten in der Altstadt bei unserem Hotel ein. Nach dem Zimmerbezug machen wir noch einen kurzen Trip auf den Hauptplatz, knipsen die erste Fotos, geniessen das bunte und chaotische Treiben auf Strassen und Plätzen, besorgen uns Wasser im Lebensmittelladen und gönnen uns anschliessend den Begrüssungsdrink im Hotel und einige Tapas, bevor wir schlafen gehen. Allerdings machen sich da noch der lange Flug und die ungewohnte Höhenlage der Stadt bemerkbar. Aber uns steht eine lange Nacht bevor.
 
2. Tag: Donnerstag, 31. 07.14

Die Nacht dauert wirklich lang. Wir beide kämpfen mit dem Jetlag, mit der Höhenkrankheit, mit den Folgen des langen Flugs. All diese Gründe und dazu das Zimmer ohne Fenster und die ständig einsetzenden Klimageräte lassen uns immer wieder aufwachen und den Schlaf danach schwer wieder finden. Trotz allem fühlen wir uns um ca. sechs Uhr fit genug, aufzustehen, zu duschen und uns für den heutigen Tag vorzubereiten.
Nach einem reichhaltigen Morgenessen zusammen mit unseren „Reisegschpänlis“ machen wir uns mit unserem Führer Luis auf, die ecuadorianische Hauptstadt zu erkunden. Die Plaza de la Independencia und die Plaza Grande, verschiedene nach für Ecuador wichtigen Personen benannte Strassen sowie die beiden wichtigen Kirchen, die Iglesia San Francisco und die Jesuitenkirche Compañia de Jesús, stehen auf unserem Programm. Luis erklärt uns dazu die historischen Hintergründe. Anschliessend fahren wir mit unserem Büsli zur riesigen Statue der geflügelten Madonna auf dem Panecillo-Hügel und geniessen die prächtige Sicht auf die Altstadt Quitos, eine hügelige, ja sogar gebirgige Gegend!
Von da an geht’s zur Mitte der Welt, zur Mitad del Mundo. Das alte Denkmal mit der riesigen Kugel auf einem Steinquader lassen wir beiseite und besuchen das Museum „Sitio Inti Ñan“, das sich am Standort der nach genaueren Methoden vermessenen Äquatorlinie befindet. Hier können wir nun zwischen nördlicher und südlicher Erdhälfte hin und her hüpfen und uns dabei fotografieren und filmen lassen. Viel spektakulärer finde ich aber ein paar Experimente, die uns da vorgeführt werden. Beispielsweise bildet aus einer Wanne abfliessendes Wasser exakt über der Äquatorlinie keinen Wirbel, auf der nördlichen Hälfte bildet es einen links drehenden, auf der südlichen einen rechts drehenden Wirbel. Faszinierend!
Anschliessend fährt uns unser Chauffeur zum Pululahua-Park, wo wir in einen beeindruckenden Blick in einen rund 4000-jährigen Krater werfen können. Auf dem Grunde dieses Kraters soll ein günstiges Mikroklima herrschen, das eine artenreiche Landwirtschaft ermöglicht. In der Nähe unseres Aussichtspunkts erkenne ich am oberen Kraterrand einen modernen Gebäudekomplex. René eröffnet mir, nachdem ich ihn deswegen angesprochen habe, dass wir dort oben das Mittagessen einnehmen. Und das geschieht dann auch so. Uns wird ein feines Mahl serviert, so dass wir gestärkt und erholt in die Stadt zurückkehren können. Hier besichtigen wir noch die weniger sehenswerte Basilica del Voto Bacional. Was sich aber absolut lohnt und auch spektakulär ist, ist die Besteigung des Turms und der Weg über das Dachgewölbe zu einer kleineren Turmplattform im vorderen Bereich der Kirche. Die Aussicht ist fantastisch.
Nach der Rückkehr zum Hotel und einer Erholungspause machen wir uns alle zusammen auf den Weg zu einem Drink. René und Nadia haben ein Restaurant auf einem der Dächer Quitos ausfindig gemacht. Mit einem Lift aus dem Jahre 1948 erreichen wir die Dachterrasse und finden zwei Tische für uns, wo wir den Tag bei prächtiger Rundsicht mit Cuacamole und einem Getränk ausklingen lassen. René hat den Fotoapparat dabei und macht ein paar stimmungsvolle Bilder. Vor dem nach Hause gehen besuchen wir nochmals die Plaza de La Independencia, um Renés Fotosammlung zu ergänzen.
Ein Fruchtsaft in der Hotelbar vor dem zu Bette gehen rundet den spannenden Tag ab.

 
3. Tag: Freitag, 01.08.14

Wieder sind wir beide schon früh wach und vertreiben uns die Zeit bis zum Morgenessen mit Reisebericht schreiben, Reiseprogramm studieren und lesen.
Um 08.30 Uhr geht unser neuer Tag richtig los. Wir besteigen unser „Büsli“, und dann geht’s durch den dichten Morgenverkehr Quitos Richtung Norden, unserem heutigen Ziel Otavalo entgegen. Allerdings sind noch einige Stopps geplant.
Der erste findet auf dem Pannenstreifen der Panamericana statt, und zwar einfach um die prächtige Aussicht auf verschiedene Vulkangipfel, auf den neuen Flughafen von Quito und auf die gestern eröffnete Strasse vom Flughafen nach Quito zu fotografieren.
Ein weiteres Mal halten wir bei der Mitte der Welt an. Ja halt, war das nicht schon gestern? Es gibt offensichtlich noch eine zweite Mitte der Welt. Der Geograf, der uns hier erklärt, was mit der Mitte der Welt gemeint ist, beansprucht diese Bezeichnung allein für diesen Ort. Das was uns am Vortag über die Mitte der Welt erklärt und mit Experimenten bewiesen wurde, nennt er Fake und Joke. Was sollen wir nun glauben? Er bietet uns eine Dokumentation an, wo alle Beweise schriftlich und in Illustrationen aufgeführt sind. Ich werde sie zu Hause genauer studieren.
Die nächste Station ist eine Rosenplantage in Cayambe. Hier erleben wir ein Stück weit, unter welchen Bedingungen wunderschöne Rosen in allen Farben gezogen, geerntet, weiter verarbeitet und für den Export in alle Welt vorbereitet werden. In riesigen Gewächshäusern wachsen die Stöcke heran. Zum richtigen Zeitpunkt wird jede Rose von Hand gepflückt und dann auf verschiedene Arten behandelt, bis sie zusammen mit anderen Rosen in einem Karton verpackt im Kühlraum mit der richtigen Etikette versehen auf ihren Abtransport wartet. Der Ankunftsort kann sowohl in einem europäischen oder vorderasiatischen Land liegen, wie auch in einem fernöstlichen Land oder in einem amerikanischen Staat liegen. Die Russen sollen übrigens am meisten dafür bezahlen.
Anschliessend an diese Betriebsbesichtigung fahren wir zur Mühle San Juan, wo wir in einen Raum mit Kaminfeuer gewiesen werden. Bei einem speziellen Getränk werden wir mit der Geschichte der Mühle bekannt gemacht. Zum Mittagessen gibt es Hühnerbrust auf eine ganz leckere Art zubereitet.
Im Bus geht es dann weiter zum Peguche-Wasserfall in Otavalo. Da machen wir einen Verdauungsspaziergang und geniessen den naturnahen Wald und das beruhigende Rauschen des Wassers.
Der Übernachtunsort in Otavalo ist natürlich wieder ein Hit, ist die Unterkunft doch eine riesige Hacienda mit einem gewaltig schönen Park und liebevoll unterhaltenen Gebäuden aus früheren Zeiten, übernachtete dort drin doch auch einmal der südamerikanische Freiheitskämpfer Simon Bolivar mit seinem Gefolge Tag.

 
4. Tag: Samstag, 02.08.14

Bereits um 4.15 Uhr weckt uns Margrits Handy. Heute geht’s um sechs auf den Viehmarkt von Otavalo. Das ist nun wirklich ein ganz spezielles Erlebnis. Hier werden auf einem grossen Platz neben dem Dorf alle Arten von Haustieren feilgeboten. Schon beim Hinfahren fällt uns auf, dass Junge und Alte mit Kühen, Rindern, Kälbern, Schafen, Ziegen, Schweinen… unterwegs sind und sich zum Marktplatz begeben. Als wir dort eintreffen, ist schon sehr viel los. Beim Rindvieh geht es chaotisch zu und her. Einige Tiere stehen apathisch da. Aber der Grossteil der Rinder ist gestresst und nervös. Sie bocken, versuchen zu fliehen, sind aggressiv gegeneinander. Und als erst ein Mann mit einem Zebustier am Strick auftaucht, ist der Teufel los. Dem Stier gelingt es trotz heftigster Gegenwehr des Hirten zu entkommen. Wir suchen jedenfalls schnellstens das Weite. Der Stier beschädigt in seiner Aufregung Autos und andere Materialien. Scheinbar wurden auch Menschen verletzt, tauchte doch kurz darauf das Sanitätsauto auf. Jedenfalls ist es gelungen, den Zebustier wieder einzufangen. An einem Baum angebunden, mit Stacheldraht an den Vorderfüssen gesichert, mit verklebtem Blut unter den Hörnern steht er einige Zeit später still nebenan. Da geht es auf dem Kleintiermarkt weniger wild zu, obwohl die Schweine auch nicht immer leicht an der Leine zu führen sind. Da kauft sich ein jüngerer Mann mit langen, blonden Haaren und wasserblauen Augen von einer Frau drei hübsche jüngere Alpakas. Beide bestätigen den Kauf per Handschlag. Glücklich zieht der Käufer mit seinen Tieren ab, und auch die Verkäuferin ist über den gelungenen Verkauf erfreut. Niedlich sind die Meerschweinchen und die jungen Hunde. Wenig zart geht man mit den Hühnern um. Die werden an den Beinen zusammengebunden und mit dem Kopf nach unten mitgenommen. Häufig werden sie auch mit dem Kopf nach unten in Stoffsäcke gesteckt.
Anschliessend fahren wir zur Lagune Cuicocha. Dort wandern wir ein Stück weit hoch und geniessen den herrlichen Ausblick auf den Kratersee und die Umgebung. Die vielfältige Pflanzenwelt und die prächtigen Blüten beeindrucken uns sehr.
Darauf steht der Poncho-Markt von Otavalo auf unserem Reiseprogramm. Das ist zwar ein Anlass für die Touristen, der allerdings mehreren Leuten ein Einkommen sichert. Neben Ponchos werden noch viele andere Wollsachen angeboten, die durch die bunten Farben und die andinen Muster eine richtige Farb- und Formenorgie ergeben. Ergänzt werden diese Angebote durch Stände, die ein reiches Früchte- und Gemüsesortiment aufweisen, und durch Strassenküchen, wo auf Grill und in Pfannen die verschiedensten Speisen schmoren.
Dann geht die Reise weiter. Wir sitzen ganz gemütlich in unsern Autosesseln auf der Fahrt von Otavalo Richtung Quito, um unser Nachtquartier in Papallacta zu erreichen. Plötzlich ruft Margrit auf der steil abfallenden Strasse zur Brücke über den Guayaquila-Fluss vor einer Linkskurve: „Stau!“ Und wirklich, vor uns stehen die Autos auf beiden Spuren. Unser Fahrer ist recht rassig unterwegs, reagiert aber an und für sich goldrichtig und bremst stossweise. Aber irgendwie greifen die Bremsen nicht richtig und die stehenden Kolonnen kommen immer näher. Zum Glück lenkt unser Fahrer den Wagen auf die rechte Spur, wo ein Car vor uns steht. „Langsam“ nähert sich unser Auto der linken Heckseite… Und dann macht’s RUMMS! Glücklicherweise ist niemand aus unserer Reisegruppe verletzt. In der Frontscheibe zeigt sich ein Riss. Hinter uns stellt sich ein nachfolgender PW nach einem heftigen Bremsmanöver quer, touchiert unser Auto aber nicht. Jetzt beginnt das Warten. Die Schäden werden begutachtet, es wird herumtelefoniert. Nachdem sich endlich die Kolonnen in Bewegung setzen, fahren der Bus und unser Auto auf den Pannenstreifen. Noch etwas später kommt der Inhaber der Touristikfirma, die den Wagen betreibt, und kriecht persönlich unter den beschädigten Wagen, um den Schaden zu inspizieren. Ein Polizist droht mit Busse, wenn die Autos da stehen bleiben. Ein Ersatzbus ist angesagt, aber der kommt einfach nicht. Nun heisst es einsteigen in den beschädigten Wagen. Der Chef fährt persönlich, und zwar so rassig, dass einige von uns einen nächsten Unfall befürchten.  Bei der nächsten Tankstelle hat diese „Horrorfahrt“ ein Ende. Hier warten wir auf den Ersatzbus mit Fahrer, und der trifft nach mehr als einstündiger Wartezeit ein und bringt uns sicher nach Papallacta, wo wir bei Dunkelheit eintreffen. Trotzdem genehmigen wir uns nach dem Abendessen noch ein ausgiebiges Bad in den Thermalwasserbecken, die sich neben den Hotelbungalows befinden.

 
5. Tag: Sonntag, 03.08.14

Nach einem ausgezeichneten Frühstück mit einem reichhaltigen Buffet treffen wir uns um halb neun in der Réception. Das neue Auto steht bereits vor dem Eingang, ein grosser Hyundai-Bus, in dem wir alle einen Fensterplatz beanspruchen können: Luxus pur. Mit dem neuen Chauffeur Carlos sind wir sehr zufrieden, fährt er doch sehr sicher und bedachtsam. Unser heutiges Ziel ist Tena am Rio Napo, einem Nebenfluss des Amazonas.
Der erste Halt erfolgt schon nach wenigen Kilometern in einem Kolibri-Reservat. Da können wir diese teils winzig kleinen Vögelchen bei der Nahrungsaufnahme an aufgehängten Zuckerwasserbehältern und beim Flug rund um die umliegenden Bäume und Sträucher ganz aus der Nähe beobachten und fotografieren. Trotz des einsetzenden Regens sind alle voll und ganz bei der Sache.
In Baeza machen wir einen kurzen Halt, um uns mit Mückenmittel, Wasser und Zwischenverpflegung einzudecken.
Auf dem folgenden rund 4100 m hohen Pass werfen wir einen ersten Blick Richtung Osten auf das Amazonas-Becken. Die Weiterfahrt erfolgt ab jetzt in einer ganz anderen Landschaft. Die Pflanzenwelt wird reichhaltiger. Alles ist grün. Bromelien und Orchideen wachsen auf den Bäumen. Bunte und speziell geformte Blüten erheischen unsere Aufmerksamkeit. Wir nähern uns Tena am Rio Napo. Nach einigen Kilometern flussabwärts erreichen wir unser Tagesziel, die Cotococha-Lodge, wo uns ein einfaches, aber sehr gutes Mittagsmahl erwartet.
Schon kurz nach dem Bezug unserer Unterkünfte, einfache Hütten mit Mückengittern, starten wir zum ersten Ausflug in den Regenwald. Zuerst werden die dazu notwendigen Stiefel anprobiert. Dann geht es auf Erkundungstour. Mit einem einheimischen Guide dringen wir über feuchten und teilweise glitschigen Boden tiefer in den sekundären Regenwald hinein. Schon bald können wir zur Freude aller kleinere Affen beobachten, die sich von Ast zu Ast schwingen, dann und wann mal tief herunterkommen und wieder einem Stamm entlang hinaufklettern. Dabei kreischen sie aus vollen Kehlen. Ihnen scheint es jedenfalls Spass zu machen. Unser Guide erklärt uns bei verschiedenen Pflanzen, wie sie von den Indigenas genutzt werden. Dabei fällt auf, wie gross die Bedeutung solcher Pflanzen bezüglich medizinischer Anwendungen ist.
Nach dieser schweisstreibenden, feucht warmen Exkursion in der Umgebung der Lodge tut eine Abkühlung im Pool ganz gut und die anschliessende Dusche lässt die Anstrengung vergessen. Ein feines Nachtessen im „Speisesaal“ rundet den Tag wunderbar ab.
Wir schlafen sehr gut, trotz der vielfältigen Geräusche und Töne in der Umgebung.

 
6. Tag: Montag, 04.08.14

Kurz nach sechs, als es zu tagen beginnt, gehen Margrit und ich zum Ufer des Rio Napo hinunter, um den Sonnenaufgang zu verfolgen und Vögel zu beobachten. Er wird durch eine im Weg stehende Wolke behindert, und ausser Webervögeln, ein paar Schwalben und dunkelfarbenen Vögeln können wir keine weiteren Arten beobachten. Aber die Stimmung gefällt uns beiden.
Nach dem Morgenessen fahren wir zusammen mit einer deutschen Gruppe in zwei Motorbooten zu einer Tierhilfestation flussabwärts, in der verletzte, verstossene und unerlaubt gehaltene, einheimische Wildtiere „resozialisiert“ und gesund gepflegt werden. Eine Schweizerin gründete diese Institution. Eine Praktikantin, die sehr gut Deutsch spricht, zeigt uns in verschiedenen Käfiganlagen einige Exemplare und beschreibt uns deren Schicksal und Zukunft. Da sind zum Beispiel der Kapuzineraffe mit einem schweren Schädel-Hirntrauma, ein Tapir, verschiedene Aras, ein Ozelot und vieles Anderes zu sehen. Bei diesem Rundgang begleitet uns irgendein Huhn, das sich offenbar gerne den Besuchern der Station anschliesst. Nicht nur die in Gehegen gehaltenen Tiere interessieren uns. Mehrere Totenkopfäffchen und ein grosser Kapuzineraffe turnen auf den Bäumen und auf den Gittern ausserhalb der Gehege herum, weil sie hier offenbar mit weniger Aufwand als draussen im Wald zu Futter kommen.
Anschliessend gehen wir mit einem Guide auf eine rund anderthalbstündige Wanderung durch den Dschungel und erfahren dabei noch mehr über die Bedeutung von einheimischen Pflanzen und Tieren für die indigene Bevölkerung.
Am Zielort unseres Spaziergangs erwarten uns die beiden Boote. Das nächste Ziel ist eine Kitchwafamilie, die ein paar traditionelle Tätigkeiten vorführt. Eine Frau zeigt uns, wie auf einfachste Art mit einer Holzschale Gold gewaschen wird. Darauf wird uns gezeigt, wie aus Maniok Chicha, eine Art Bier, hergestellt wird. Natürlich dürfen wir auch probieren, mir schmeckt es nicht sonderlich, es ist säuerlich und riecht stark nach Hefe. Die einheimische Jugend aber scheint darauf zu schwören. Jedenfalls lassen sich die jungen Leute rechte Mengen davon geben.
Nach dem Nachtessen, bei Dunkelheit, gehen wir nochmals mit Taschenlampen unterwegs, um nachtaktive Tiere zu beobachten. Wir treffen schon im Aufenthaltsraum der Lodge auf eine Gottesanbeterin uns auf eine langbeinige Spinne. Draussen, am Zugang zur Lodge, finden wir Blattschneiderameisen, riesige Heuschrecken, kleinere und grössere Spinnen, Schaben und Riesenameisen, die uns laut Guide schmerzhafte Bisse zufügen können. Beim Pool treffen wir auf kleine Fröschchen, die gleich ins Wasser hüpfen. Zwischen zwei einen spitzen Winkel bildenden Balken ist in einem dichten Spinnenfadengewebe bei entsprechender Beleuchtung eine Tarantel erkennbar.
Nun ist Nachtruhe angesagt.

 
7. Tag: Dienstag, 05.08.14

Schon früh werden wir vom Regen geweckt. Im Badezimmer sitzt eine Riesenheuschrecke neben dem Wasserhahn. Aber der Regen lässt schnell nach, und die Heuschrecke lässt uns ohne sich zu regen unsere Morgentoilette verrichten und ist nach dem Morgenessen spurlos verschwunden.
Kurz nach neun fahren wir weg, Richtung Puyo. Dort angekommen, suchen René und Carlos, der Fahrer, nach der Casa de la Balsa. Nach einigem Nachfragen landen wir an der richtigen Adresse. Allerdings werden wir beim Aussteigen gerade mit Zuckerrohrstücken zum Aussaugen geködert, denn die Dame, vor deren Geschäft wir aussteigen, möchte ebenfalls von uns Touristen profitieren. Ich kaufe ihr ein Päcklein türkischen Honig ab. Übrigens schmeckt der ausgezeichnet. In der Casa de la Balsa befindet sich ein Laden, in dem lauter nützliche und weniger nützliche Dinge, aus dem sehr leichten Balsaholz gefertigt, ausgestellt und verkauft werden. Wir kaufen einen Brieföffner mit Tukan, Postkarten und Holzfarbstifte.
In Puyo gibt es einen Aussichtsturm, den wir besteigen, um von dort aus ein paar Fotos zu machen. Es regnet zwar ein bisschen, aber dennoch besichtigen wir den botanischen Garten und finden dort einige Pflanzen, die vorzüglich in unsere Kameras passen. Da der Regen nach dem Verlassen des Parks stärker wird, suchen wir eilig unseren Bus auf, denn dort drin ist es trocken.
Die Fahrt führt nun weiter zur Cascada Pailón del Diablo im Pastazatal bei Rio Verde. Da es immer noch regnet, beschliessen wir, in einem Restaurant abzuwarten und noch etwas zu Mittag zu essen. Der Regen lässt wirklich nach. Wir fahren zur Boleteria, René besorgt uns die Eintrittskarten und dann steigen wir zum Fluss hinunter. Er führt viel Wasser, das verspricht spektakuläre Aufnahmen. Über eine Hängebrücke, die recht bedenklich schaukelt, und über Treppenstufen gelangen wir tiefer in den Schlund, in den sich das braungelbe, hochgehende Wasser des Rio Verde ergiesst. Man kann sich auf den hinunterführenden Treppenstufen soweit dem Wasserfall nähern, dass man nass wird. Dabei stürzt das Wasser mit ohrenbetäubendem Brausen in die Tiefe und erzeugt wild drehende Wirbel in der Tiefe. Gischt sprüht durch die Luft und nässt die Kleider. Das gibt wirklich beeindruckende Fotos. Aber noch viel eindrücklicher ist es, wenn man dieses Naturschauspiel vor Ort erlebt.
Danach führt unsere heutige Fahrt noch etwas weiter in die Höhe, hinauf nach Runtun, ca. 400 Höhenmeter oberhalb Baños. Im Hotel Luna Runtun kommen wir unter, und da ist es einfach schön und luxuriös, ein riesiger Kontrast zu den Übernachtungen in der Dschungel-Lodge.

 
8. Tag: Mittwoch, 06.08.14:

Der heutige Tag ist frei. Leider spielt das Wetter absolut nicht mit. Trübe, verhangen und grau sehen der Himmel und die benachbarten Hänge aus. Wir begraben unsere Wanderpläne und lassen uns von Carlos nach Baños hinunter fahren. Aber ein Stadtbummel macht bei ziemlich heftigem Regen auch keinen Spass. Also fahren wir wieder hoch und gehen zuerst zu einem Fruchtsaft ins Café del Cielo, darauf ins prachtvoll gelegene Bad mit Thermalbecken. Und dann klart es wirklich etwas auf. Margrit und ich beschliessen, am späteren Nachmittag doch noch einen Spaziergang zu machen und steigen entlang eines Fussweges Richtung Runtun auf. Der Weg führt ein rechtes Stück oberhalb des Hotelkomplexes in zu einer Reihe nahe beieinander stehender Gewächshäuser mit Baumtomaten. Da plötzlich kläfft und knurrt es gefährlich vor uns. Ein Hund kommt Zähne fletschend angerannt. Wir weichen zurück. Ich erkläre dem „Untier“ in reinstem Schweizerdeutsch, dass es zum Teufel gehen soll. Aber so schnell lässt es sich nicht überzeugen. Jedes Mal, wenn ich ihm den Rücken zukehre, kommt es wieder mit aufgeworfenen Lippen, kläffend und knurrend näher. So entferne ich mich rückwärtsgehend bzw. stolpernd von den Gewächshäusern und kann den Kläffer schimpfend und ihn im Auge behaltend davon abhalten zuzubeissen. Margrit ist schon etwas vorausgegangen. Endlich gibt sich der Hund zufrieden und bleibt zurück. Wir sind ihm, ohne Schaden zu nehmen, entkommen.
Nachtessen, Tagebuch schreiben und dann schlafen gehen sind nun noch angesagt.

9. Tag: Donnerstag, 07.08.14

Da es heute ein strenger Tag werden soll und der vorgesehene Markt ab elf Uhr abgeräumt wird, wird die Abfahrt auf 6.30 Uhr angesetzt. Mit einem Morgenessensäcklein versehen treten wir die Fahrt an.
Unser erster Halt ist in Saquisili, wo uns der lokale Guide Rico in Empfang nimmt. Er führt uns auf den Viehmarkt, wo alles viel geordneter zugeht als in Otavalo. Da sind die Tiere separiert nach Alter und Geschlecht und an festen Geländern angebunden. Da gibt es keine Ausreisser zu beobachten, die Menschen und Tiere verletzen und Sachen beschädigen. Dennoch ist der Umgang vieler Marktteilnehmer mit den Tieren sehr grob. Vor allem Schweine und Hühner sind die Leidtragenden.
Auf dem Warenmarkt, der zu grossen Teilen für Einheimische stattfindet, ist das Angebot  riesig und sehr günstig. Die angebotenen Artikel scheinen zu einem grossen Teil aus dem letzten Jahrhundert zu stammen. Dazwischen gibt es Anbieter von Speisen, die diese vor Ort zubereiten, und das sieht meist sehr appetitlich aus, zum Teil aber werden Mahlzeiten angeboten, die auf uns abstossend wirken, z.B. gegrillte Raupen.
Nach dem Marktbesuch steht der Cotopaxi-Nationalpark auf unserem Reiseprogramm. Wir besuchen zuerst das Parkmuseum, das uns einen Überblick gibt über den Aufbau und die Entstehung der Vulkane, über die Vegetation und den Einfluss der menschlichen Nutzung, über die Tierwelt und über die Probleme die sich aus den verschiedenen Ansprüchen ergeben. Mit der Schaffung des Nationalparks in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts sollte vielerorts der natürlichen Vegetation und Fauna wieder mehr Raum gegeben werden. Danach wandern wir um die Lagune Limpiopungo und beobachten dort neben Pflanzen vor allem die vorkommenden Vögel.
Die Weiterfahrt führt uns auf einen Parkplatz rund 4600 m ü.M. Von hier aus unternehmen wir eine Wanderung zum Refugio José Ribas, unmittelbar unterhalb des Vulkangipfels des Cotopaxi auf 4864 m. Es ist eine anstrengende Bergwanderung und wir geraten recht massiv ins Schnaufen. Aber mit einigen Pausen schaffen wir diesen Aufstieg und haben dabei erst noch das Glück, dass der Gipfel sich vom Nebel befreit und uns die Sicht auf ihn ermöglicht. Schnee- und eisbedeckt erhebt er sich unmittelbar vor uns. Das Refugio ist noch im Umbau. Laura findet das Erreichen dieses Ziels sei ihr persönlicher Höhepunkt dieser Reise.
Die anschliessende Fahrt zur Hacienda El Porvenir, wo wir unser Nachtessen einnehmen und übernachten, dauert wegen miserabler Strassenverhältnisse etwas länger.


10. Tag: Freitag, 08.08.14

Nach einer guten und erholsamen Nacht stehen wir kurz vor sechs auf, duschen, packen unsere Sachen und gehen auf Fototour. Zwar bläst uns ein eiskalter Wind um die Ohren, aber die Landschaft präsentiert sich kurz nach Sonnenaufgang in herrlichen Kontrasten. In der Ferne ist sogar der Gipfel des Cotopaxi zu erkennen.
Nach einem schnellen Morgenessen fährt uns Carlos über eine holprige Strasse, zum Teil sieht sie aus wie ein Bachbett, auf die Transamericana und dann weiter zur Hacienda La Ciénega bei Lasso. Dieser Ort ist bekannt dafür, dass hier Alexander von Humboldt während seiner Lateinamerikareise von 1799  – 1804 längere Zeit verbrachte. Wir können die Anlage besichtigen, und wir bestaunen die reichhaltige, antike Ausstattung. Heute wird die Hacienda u.a. als Hotelbetrieb genutzt.
Die Weiterfahrt führt uns an die Laguna Quilotoa in der westlichen Kordillere. Das ist ein riesiger Kratersee auf rund 3600 m ü.M., während der Kraterrand auf über 4000 m liegt. Der Blick in den Krater hinunter ist atemberaubend. Weit, weit unten füllt das Wasser den Krater, weist schäumende Stellen auf und verfärbt sich je nach Sonnenlichteinfall und Schattenwurf der am Himmel vom stark blasenden Wind voran getriebenen Wolken. Auf der Westseite ist am See unten ein kleiner Strand sichtbar, worauf sich Menschen bewegen. Den steilen Kraterwänden entlang schlängelt sich ein Serpentinenweg nach unten. Margrit und ich steigen ein Stück weit hinunter und geniessen die Aussicht. Mulis mit Leuten auf dem Rücken, die den Aufstieg nicht aus eigener Kraft schaffen, begegnen uns immer wieder und stäuben uns ein. Um halb zwei müssen wir wieder beim Bus sein. Die Fahrt geht weiter nach Riobamba, wo wir bei einbrechender Dämmerung eintreffen.
Aperitif, Nachtessen, Tagebuch schreiben, ins Bett gehen sind die nächsten Tätigkeiten.

11. Tag: Samstag, 09.08.14

Wieder fahren wir rechtzeitig weg. Unser nächstes Ziel ist die Ortschaft Alausí, die wir nach rund 2 3/4 Stunden heftig durchgeschüttelt erreichen, da wir vor allem zu Beginn unserer Fahrt äusserst schlechte Strassenverhältnisse antrafen. Hier fährt um elf Uhr der Zug um die Teufelsnase (La Nariz del Diablo) nach Sibambe. In eindrücklichen Kehren, davon zwei Spitzkehren, überwindet die Eisenbahnlinie eine beträchtliche Höhendifferenz. Man fährt dabei durch eine einmalige Landschaft, geprägt von steilen Felswänden, karger Vegetation und einmaligen Aussichten in tiefe Schluchten. In Sibambe erwarten den Mitreisenden ein kleines Museum und zwei Cafés. Hier besteht die Möglichkeit, sich die Beine etwas zu vertreten und die überwundenen Steilhänge zu fotografieren. Nach einem stündigen Aufenthalt fährt der Zug nach Alausí zurück. Das Spektakel wiederholt sich.
Unsere Fahrt führt weiter zu den Inkaruinen von Ingapirca. Hier sind nur noch minimale Überreste der Vorinkazeit und der Inkas vorhanden, da sie erst in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts unter Schutz gestellt wurden.
Der letzte Abschnitt unsere Fahrt muss nun noch abgesessen werden. Erst kurz vor sieben Uhr treffen wir an unserem Tagesziel in Cuenca ein.
Erfreulich ist heute, dass uns die Reiseagentur als Wiedergutmachung für die glücklich ausgegangene Kollision am vierten Reisetag zum Nachtessen einlädt. Und dieses geniessen wir, wird es uns doch in einem guten Restaurant serviert. Herzlichen Dank!

12. Tag: Sonntag, 10.08.14

Der heutige Tag soll etwas gemütlicher und erholsamer verlaufen. Wir bleiben den ganzen Tag in Cuenca. Nach dem Morgenessen steht eine Stadtbesichtigung mit einem einheimischen Guide auf unserem Programm. Mit einer jungen Frau besuchen wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten wie z.B. die Neue Kathedrale, den Blumenmarkt vor der Iglesia del Carmen de La Asuncion sowie die Kirche selbst. Wir bekommen den Unterschied mit zwischen kolonialem und republikanischem Baustil und betrachten verschiedene Häuser genauer. Unsere Expertin führt uns an den Rio Tomebamba und erzählt etwas von den weiteren drei Flüssen, die durch Cuenca fliessen. Wir besuchen eine Folklorevorführung mit rassigen Tänzen aus der Region. Nach einem Cafébesuch erreichen wir als Höhepunkt den Mirador Turi, einen Aussichtspunkt über Cuenca im Süden der Stadt. Von hier aus geniessen wir einen herrlichen Ausblick auf die viertgrösste Stadt Ecuadors mit rund einer halben Million Einwohnern.
Nun fährt uns Carlos zum Hotel zurück. Wir gehen zu viert etwas Kleines essen. Margrit und ich spazieren nochmals zum Hauptplatz, dem Parque Calderon. Da ist wenig bis nichts los. In den Gassen herrscht ebenfalls Tote Hose. Es ist heute Sonntag! Da bleibt uns nichts anderes als ein Besuch in der Hotelbar und den vorliegenden Bericht fertig schreiben.
Zum Nachtessen kehren wir zurück zum Parque Calderon.

13. Tag: Montag, 11.08.14

Heute steht als Erstes eine Wanderung im Parque National El Cajas auf unserem Programm. Das Wetter sieht gar nicht vielversprechend aus. Der Himmel ist bedeckt. Kurz nach acht, als der Guide ankommt, fahren wir Richtung Nationalpark los. Etwa 40 Minuten soll die Fahrt dauern. Je höher wir kommen, desto trister sieht es draussen aus. Der Nebel schleicht den Hängen entlang, es beginnt aus dem Nebel zu nieseln. Beim Kontrollzentrum angelangt, müssen wir uns mit Angabe der Passnummer und mit Unterschrift anmelden. Es ist recht kühl und feucht. Jedenfalls nehme ich zusätzlich noch die Regenjacke aus dem Koffer. Zu fünft marschieren wir los, um die Lagune Toreadora zu umrunden. Wir bewegen uns in einer fantastischen Landschaft mit Felsen, farbenprächtigen Blütenpflanzen in ganz verschiedenen Grössen, abgestorbenen und neu aufkeimenden Bromelien, dem ruhig daliegenden Seelein, den am Himmel ziehenden Wolken, die plötzlich wieder Sonnenstrahlen freigeben, den dadurch entstehenden Lichteffekten: mir kommt es vor, als ob wir in uralte Zeiten zurückversetzt würden. Fast zwei Stunden sind wir unterwegs auf über 4000 m Höhe, bis wir wieder beim Bus sind. Der freie Speicherplatz in meiner Videokamera ist geschrumpft.
Unsere Reise geht nach der Verabschiedung von unserem Guide weiter Richtung Guayaquil. Über 4000 Höhenmeter führt die Strasse aus dem kühlen Bergklima hinunter in die tropische Schwüle am Pazifik. Die Pflanzenwelt entlang der Strasse wandelt sich innert rund zwei Stunden ganz gewaltig. Zuerst noch begleiten uns Viehweiden und Brachland, dann tauchen Äcker und Gärten auf und zuletzt fahren wir durch Bananen-, Kakao-und Palmölplantagen.
In Jesus Maria machen wir Mittagshalt an der Strasse. René klärt im “Restaurant“ neben dem Anhalteplatz ab, was es zu essen gibt. Seine Rückmeldung an uns: „Suppe mit Huhn, Suppe mit einem Stück Schweinefleisch, Fisch mit Reis.“ Also schieben wir zwei Tische zusammen und bestellen unser Mittagessen. Ich entscheide mich für Fisch mit Reis, was ganz gut schmeckt. Bananen gibt‘s als Nachspeise. Nebenan hält ein Händler seine Ananas feil. René lässt für uns eine ganze Ananas aufschneiden. Sie schmeckt so frisch vorzüglich.
Darauf fahren wir weiter. Vor 16 Uhr treffen wir vor unserem Hotel in Guayaquil ein und  können gleich unsere Zimmer beziehen. Ein anschliessender Spaziergang führt uns an das Ufer des Rio Guayas, genauer an den Malecón. Spektakuläres gibt es hier nicht zu sehen. Aber die Atmosphäre ist gut. Beim Eindunkeln kehren wir zum Hotel zurück und gehen etwas später noch etwas essen.

14. Tag: Dienstag, 12.08.14

Schon früh sind wir beide wach. Ist es das unüberhörbare Rauschen der Klimageräte rundum oder die Anspannung vor unserem Galapagos-Abenteuer, was uns nicht mehr schlafen lässt? Um halb acht gehen wir zum Morgenessen. Anschliessend möchte ich unbedingt noch zum Cerro Santa Ana. Das ist der eine Stadthügel Guayaquils, auf dem der Leuchtturm steht. Wir geben uns eine Stunde, denn auf halb zehn ist der Transfer zum Flughafen angesagt, und ich muss noch fertig packen. Wir gelange über den Malecón (Uferpromenade) Richtung Norden zum besagten Viertel. Margrit wird schon etwas nervös. Ich schaffe es aber noch, die Treppe hoch zum Mirador (Aussichtspunkt) zu spurten, kurz eine Aufnahme zu machen und in aller Eile die Treppe hinunter zurück auf den Malecón zu gelangen. Margrit ist noch da, so dass wir zusammen rechtzeitig im Hotel zurück sind.
Carlos fährt uns heute zum letzten Mal, nämlich zum Flughafen von Guayaquil. Nach zwei Extrarunden kommen wir dort rechtzeitig an und verabschieden uns von unserem Fahrer. Er hat seine Sache gut gemacht.
Der Flug nach San Cristobal ist kurzweilig, sitzt doch neben mir eine junge Deutsche, die auf Galapagos ein Praktikum absolviert und heute zum zweiten Teil ihres Aufenthalts, zur Arbeit in einer Schildkrötenstation, anreist. Wir haben genügend Gesprächsstoff.
Am Flughafen werden wir von unserem Guide Roberto in Empfang genommen und zum Bus gewiesen, der uns zum Hafen bringt. Dort haben wir noch eine halbe Stunde Zeit, uns mit für eine Minikreuzfahrt notwendigen Dingen zu versorgen. Wir müssten Dollars haben! Zwei Bancomaten gibt es da, aber erstens sind sie schon besetzt und zweitens lassen sie sich, nachdem sie endlich frei sind, mit drei verschiedenen Karten nicht dazu bewegen, uns die dringend nötigen Banknoten auszuspucken. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als in die Bank hinein zu gehen und dort anzustehen. Am einen Schalter wird ein junger Mitarbeiter von einer versierten Fachfrau in die Arbeit mit dem PC eingeführt, und das dauert. Aber endlich sind auch wir an der Reihe. Nun geht es für südamerikanische Verhältnisse schnell, und es klappt. Mit einem Bündel Dollarnoten verlassen wir die Bank. Nun kann das Abenteuer Minikreuzfahrt starten.
Wir werden mit Gummimotorbooten (Dinghies) zu unserer Kreuzfahrtyacht „Galaxy“ gebracht. Dort müssen wir die Schuhe ausziehen, dann gibt’s Mittagessen, um 14.30 Uhr. Nachher erleben wir den ersten „Ernsteinsatz“. Das Schiff fährt zur Isla Lobos, wo wir in die Dinghies umsteigen, um auf diesem kleinen, unberührten Inselchen einen ca. anderthalbstündigen Spaziergang zu machen. Wir begegnen dabei Seelöwen, Landleguanen, Blaufusstölpeln und Fregattvögeln. Zudem zeigen sich auch zwei Goldwaldsänger. Erstaunlich ist, dass die Tiere nicht scheu sind und sich zum Teil von ganz nah betrachten und fotografieren lassen. Allerdings sagt uns Roberto, dass wir zwei Meter Distanz einhalten sollen. Anschliessend steigen wir wieder in die Dinghies und beobachten eine Kolonie Bindenfregattvögel auf der Hauptinsel, wobei einige Hähne unter ihnen ihren roten Kehlsack präsentieren, um den Hühnern die Auswahl zu erleichtern.
Nach  der Rückfahrt in den Hafen von San Cristobal gibt es eine Theorie-Lektion zum Thema Leben und Verhalten auf dem Schiff, und das morgige Programm wird bekannt gegeben. Um halb acht ist Nachtessen, und nachher kehrt schon bald Ruhe ein.

15. Tag: Mittwoch, 13.08.14


Um Mitternacht ist die Galaxy abgefahren und bei recht hohem Wellengang nach Süden zur Isla Española, in die Gardner Bay, gefahren. Wir haben beide beim zu Bett Gehen eine Reisetablette geschluckt, und so vertragen wir das ständige Schaukeln des Schiffs sehr gut.
Um halb sieben werden wir geweckt, Margrit hat mich allerdings schon eine Stunde früher gemahnt, es sei 6.30 Uhr. So bin ich jetzt geduscht und schreibe gerade an diesem Bericht.
Um acht fahren wir mit dem Dinghy an den weissen, feinen Sandstrand und spazieren barfuss dem Vegetationsgürtel entlang. Vom Meer her kommen die Seelöwen an Land und lassen sich von den sich überschlagenden Wellen umspülen, oder sie legen sich an die Sonne und räkeln sich. Vom Land her fliegen die Galapagos-Spottdrosseln auf den Sand und beschimpfen uns Eindringlinge. Im Bereich, wo Pflanzenüberreste herumliegen, suchen sich die mittleren Grundfinken ihr Futter. Rechts drüben, auf den Felsen, liegt der angespülte Kadaver eines Buckelwals. Fliegen in grosser Zahl belästigen sowohl die Seelöwen wie uns. Nachdem alle genügend fotografiert und gefilmt haben, fahren wir zur Galaxy zurück.
Als nächstes ist Schnorcheln angesagt. Ich fasse eine Tauchbrille mit Schnorchel, Flossen und einen Neoprenanzug und ziehe mich entsprechend an. Mit dem Dinghy fahren wir Schnorchler auf die Gegenseite der Bucht zu einer Steilküste. Das Schnorcheln an diesem Ort ist eine Erleuchtung. Bisher schnorchelte ich erst einige Male im Mittelmeer. Aber was ich hier zu sehen bekomme, übertrifft dass alles bei Weitem. Die sagenhafte Farben- und Formenvielfalt beeindruckt mich ausserordentlich. Das Pünktlein auf dem I ist die Anwesenheit der Seelöwen. Vorher haben wir sie am Strand beobachtet, wie sie schwerfällig an ihr Sonnenplätzchen robben. Jetzt bewegen sie sich im Wasser mit äusserster Eleganz, pfeilen zu mir hin, weichen kurz vor mir elegant aus, wenden sich auf den Rücken und inspizieren mich von unten, einfach fantastisch. Und plötzlich sehe ich auf dem Grunde, in eine grosse Felsspalte eingezwängt einen riesigen Rochen. Weitere Höhepunkte sind die recht grossen Fische und ein einzelner grosser „Nemo“ … Schon bald ist es Zeit zur Rückkehr aufs Mutterschiff, wo ich dusche. Dann gibt’s Mittagessen. Übrigens macht das unser Koch ausgezeichnet.
Am Nachmittag fahren wir ans Westende der Insel zur Punta Suárez. Wir machen alle zusammen einen rund dreistündigen Rundgang der Küste entlang und durch das niedrige Gehölz. Unser Guide will uns vor allem die Galápagos-Albatroskolonie zeigen. Wir können diese Riesenvögel wirklich in verschiedenen Stadien ihres Daseins beobachten. Wir sehen ein Paar beim Balzen, Albatroseier in Bodennestern, brütende Vögel, Jungvögel, können ein Elternpaar beim Füttern ihres Jungen beobachten, sehen sie fliegen und landen. Aber da gibt es natürlich sonst noch vieles zu sehen. Wir schauen den mit roten Flecken versehenen Meerechsen zu, die sich hier überall auf und neben dem Gehweg breit machen und die Sonnenstrahlen nutzen, um die notwendige Betriebstemperatur zu erreichen. Längere Zeit verharren wir über einem Steilküstenabschnitt und beobachten verschiedene Vögel im Flug. Da sind u.a. Nazcatölpel, Blaufusstöpel und Rotschnabel-Tropikvögel. Beim nächsten Halt schauen wir zu, wie ein Blasloch im Boden Meerwasser bei entsprechendem Wellengang zischend hoch in die Luft spritzen lässt. Überall sonnen sich zudem Lavaechsen, deren Weibchen einen roten Kopf und Hals aufweisen.
Bei der Rückkehr aufs Schiff werden wir mit Ananassaft und Früchten versorgt.
Nach der Vorstellung des morgigen Programms und dem Nachtessen, das wieder wunderbar schmeckt, gehen wir früh zu Bett. An Schlaf ist vorerst nicht zu denken, da um neun der Schiffsmotor zu arbeiten beginnt, um uns ans morgige Ziel, die Insel Floreana zu bringen. Nicht die Motorengeräusche hindern uns am Schlafen, sondern der hohe Wellengang. Aber irgendwann schlummern wir trotzdem ein.

16. Tag: Donnerstag, 14.08.14


Kurz vor sechs schaue ich mal aus der Kabine: Hell, Himmel grau, die höchste Berge der Insel vor uns verhangen, Vegetation nur gerade an der Küste grün, dahinter graubraun.
Nach dem Morgenessen um sieben ist die Abfahrt mit dem Dinghy auf acht angesagt, mit nasser Landung, Ausflug zu einer Lavahöhle und Schnorcheln in der Post Office Bay. Zuerst aber fahren wir etwas weiter nach Westen, wo die Galàpagos-Pinguine in den Lavafelsen daheim sind. Nach einigem Suchen mit dem Feldstecher findet Roberto auf einem Felsen wirklich einen jungen Pinguin, den wir genauer anschauen können. Bei der Rückfahrt sehen wir noch  zwei Pinguine beim Fischen. Darauf steigen wir am Sandstrand aus dem Boot und gehen zur Post Box. Roberto klaubt drei Plastiktüten aus dem Kasten und verteilt deren Inhalt, das meiste Postkarten, unter uns, um herauszufinden, ob Post an Leute in der Nähe unseres Wohnorts dabei ist. Wir finden jedenfalls zwei Karten, die ins Urnerland gelangen sollen und nehmen diese mal mit in der Absicht, uns bei den beiden Adressaten zu melden. Mal schauen, was dabei herauskommt. Wir selber lassen zwei Karten zurück. Vielleicht meldet sich jemand.
Als nächstes wartet auf uns eine Lavahöhle, in die man hinuntersteigen kann. Gemäss Roberto ist  die Höhle mit dem Meer verbunden, aber die Öffnung ist eng, zu eng, um ins Meer hinaus zu gelangen.
Als Abrundung des heutigen Vormittags ist Schnorcheln in der Bucht angesagt. Leider ist das Wasser sehr trübe. Erst weiter draussen wird es klarer, aber dazu muss man viele unsichtbare Steine am Strand überschwimmen, wenn möglich ohne die Zehen anzuschlagen. Dann sollte man Schildkröten und Rochen beobachten können. Ich sehe zwar verschiedene Fische und zwei Seelöwen, aber keinen Rochen und keine Schildkröten. schon bald gebe ich auf und schwimme an den Strand zurück.
Um zwölf ist Mittagessen. Gleichzeitig ändert die Galaxy ihre Position und fährt zur Punta Cormorán.
Um 14 Uhr fahren wir in Schnorchelausrüstung mit dem Dinghy zur Corona del Diablo, um dort im Wasser Umschau zu halten. Das ist nun der absolute Hit. Wir steigen alle nördlich der Teufelskrone aus dem Dinghy, „bewaffnet“ mit Schnorchel, Brille und Flossen. Roberto erklärt uns, wir müssten links herum um die paar Lavafelsen tauchen, ja nicht durch die Mitte. Er macht uns auf eine starke Strömung aufmerksam, die um diese Lavafelsen herrscht. Ich versuche möglichst nah den Felsen entlang zu schwimmen. Da tut sich eine noch nie gesehene Welt auf. Höhepunkte sind die Sichtung dreier riesiger Rochen, ich schätze zwischen 1.5 und 2 m Spannweite, und zweier Meeresschildkröten. Aber auch andere Fische lassen sich nicht lumpen und erscheinen in noch nie gesehenen Farben und Grössen. Dazu kommen unterschiedliche Seesterne, Seeigel und Seeanemonen und eine Unterwasserlandschaft mit riesigen Trümmerteilen aus Lavabrocken und weissen, feinen Kiesflächen. Fast unbeschreiblich! Leider fehlt mir die Unterwasserkamera.
Schon wieder ist ein Tag verflogen. Was wird der morgige Tag bringen? Schon bald wird das Programm verkündet.

17. Tag: Freitag, 15.08.14


Heute werden wir schon um sechs Uhr geweckt. Scheinbar gehört es hier dazu, dass es am Morgen bedeckt und grau ist. Nachtsüber ist unser Schiff zur Insel Santa Fé gefahren. Es war eine ziemlich unruhige Fahrt. Vor unserer Kabinentüre ist der Boden nass, und es haben sich Pfützen gebildet.
Nach dem Morgenessen findet ein Landausgang mit Nasslandung statt. Also packe ich Feldstecher und Kamera in den Plastiksack, stecke die Socken in die Schuhe und binde diese zusammen. Dann steigen wir alle in die beiden Dinghies und fahren zum Sandstrand, der bereits von den Seelöwen besetzt ist. Höhepunkte dieser Insel sind die Feigenkakteen mit einem verholzten Stamm (Baumopuntien) und die Santa-Fé-Landleguane, urtümliche Echsen von beträchtlicher Grösse. Vor unserer Rückkehr auf die Galaxy, beim Einsteigen in die Boote, können wir noch Haie, die an den Sandstrand geschwommen sind, im untiefen Wasser sehen.
Nun wird gerudert. In Kunststoffkajaks fahren wir zu zweit in der Bucht herum. Vom Kajak aus lassen sich die Meeresschildkröten sehr schön beobachten.
Als letztes steht heute Vormittag noch Schnorcheln auf dem Programm. Das ist wiederum ein fantastisches Ding. Der Höhepunkt ist diesmal Schwimmen mit den Schildkröten. Diese riesigen Dinger tauchen ganz gemütlich durch die Bucht und strecken hie und da den Kopf aus dem Wasser, um Luft zu holen. Ich kann längere Zeit über einem dieser Urtiere schwimmen und genau beobachten, wie es mit seinen Vorderflossen im Gleichtakt und gemächlich rudert, während es Hinterflossen und Schwanz einfach im Wasser hängen lässt.
Nach dem Mittagessen werden die Motoren angeworfen, und die Galaxy nimmt Kurs auf Plaza Sur. Die Fahrt verbringen wir auf dem Sonnendeck. Bindenfregattvögel verfolgen unser Schiff, führen ihre Flugkünste vor und landen u.a. auf dem Deckgeländer. Da  zeigt sich, dass auch sie wenig Scheu vor Menschen zeigen, denn sie lassen uns ganz nah kommen und posieren prächtig für unsere Fotos. Sie setzen sich aber auch auf den Rand des Sonnendachs. Daran haben aber nicht alle Sonnenbadenden Freude, denn diese Vögel könnten ja auch etwas fahren lassen. Diese Aussicht lässt die Sonnenanbeterinnen aufjucken und ihre Liegestühle verschieben, was wiederum die Vögel zu verscheuchen vermag.
Die Ausschau nach blasenden Walen und Kapriolen machenden Delphine bleibt leider erfolglos.
Kurz nach Ankunft vor Plaza Sur legen wir mit den Dinghies ab Richtung Insel. Wir machen einen ca. anderthalbstündigen Rundgang, auf dem wir nochmals verschiedene Echsen und viele Seelöwen sehen. Das Besondere an dieser Insel ist, dass die Feigenkakteen hier anders aussehen, dass hier der Boden mit einer Pflanze bedeckt ist, die zu dieser Jahreszeit rot gefärbt ist und weite Flächen der Insel bedeckt, und dass hier an der südlichen Steilküste eine Rotschnabeltropikvogelkolonie angesiedelt ist, deren Mitglieder immer wieder schrille Töne von sich gebend über uns hinweg fliegen. Zudem können wir mehrmals in die Kinderstube von Gabelschwanzmöwen gucken, da diese ihre Eier in unmittelbarer Umgebung des markierten Fusspfads ablegen, da brüten und die Jungen aufziehen. Alle beobachteten Paare mit Nachwuchs haben nur ein Junges. Wir können zudem beobachten, wie ein Fregattvogel einen Rotschnabeltropikvogel angreift und mit den Krallen packen will, aber der Tropikvögel wehrt sich gegen diese Attacke erfolgreich und kann fliehen. Leider ist das unsere letzte Exkursion von der Galaxy aus. Heute ist noch Wellfare-Apero und Nachtessen. Dann fährt unser Schiff nach Santa Cruz in den Hafen von Ayora, wo wir noch in unserer Kabine schlafen werden.

18. Tag: Samstag, 16.08.14

Nach einer wellenreichen Nacht mit mehreren Schlafunterbrüchen werden wir morgens um halb sieben geweckt. Nach dem Morgenessen packen wir unsere Koffer fertig, geben Rückmeldung und Trinkgelder ab, stellen unsere Koffer hinaus auf Deck, fassen unsere Schwimmwesten, verabschieden uns von der Schiffsbesatzung und werden mit den beiden Dinghies an Land gebracht, und zwar zur Aufzuchtstation von Riesenschildkröten. Diese urtümlichen Viecher waren vor Jahrhunderten auf den Inseln in grosser Zahl heimisch, wurden dann aber nach und nach sehr stark dezimiert, da sie den Seefahrern, die hier anlegten, als lebende Fleischkonserven dienten. In dieser Station werden die Schildkröten erfolgreich gehalten und gezüchtet, um sie später wieder auf den Inseln, auf denen sie heimisch sind, auszusetzen. In Freiheit haben wir bisher nur Meeresschildkröten gesehen, hier können wir ausgewachsene Riesenschildkröten in Gehegen bestaunen. Es ist beeindruckend, mit welcher Langsamkeit sie sich bewegen. Wir sehen auch Jungtiere verschiedenen Alters. Was ich speziell interessant finde, ist die Methode, wie das Geschlecht der Tiere festgelegt wird. Ausschlaggebend ist die Bruttemperatur für die Eier. Liegt diese bei 28° Celsius, so schlüpfen weibliche Tiere, beträgt sie 29.5°, so schlüpfen Männchen aus dem Ei. Schildkröten von verschiedenen Inseln lassen sich nicht erfolgreich miteinander kreuzen.
Der Rest des Tages ist für den Transfer nach Puerto Villamil auf der Isla Isabela reserviert. Puerto Ayora ist ein typischer Touristenort mit Souvenir- und Schmuckläden, Reiseagenturen, Restaurants und Hotels. Im Hafen herrscht geschäftiges Treiben. Von hier aus werden einerseits die Kreuzfahrtyachten mit Lebensmitten versorgt, andrerseits ist hier offenbar ein wichtiger Zu- und Umsteigeort.
Um halb zwei müssen wir am Hafen sein. René hat organisiert, dass unser Gepäck bereits dahin transportiert worden ist. Er hat für uns das Ticket für die Überfahrt nach Isabela besorgt, ein handgeschriebener Zettel. Nun suchen die Schnellbootfahrer oder ihre Gehilfen mit handgeschriebenen Passagierlisten in der Hand krampfhaft ihre Kunden. Irgendwann findet uns der beauftragte Gehilfe. Unser Gepäck wird nun einen Holzsteg hinunter zu einer Anlegestelle gebracht und dort zusammen mit uns auf ein Taxiboot verladen, das uns für einen halben Dollar pro Person zum Schnellboot GABI bringt. Nun können wir umsteigen, und das Gepäck wird umgeladen. Das Schnellboot ist nicht gerade das, was wir uns als Schweizer Touristen unter einem solchen Gefährt vorstellen. Margrit und ich sitzen nebeneinander zuvorderst auf der linken Längsbank unter Dach, via-á-vis des Fahrers, der auf einem Hochsitz thront. Hinter uns sitzen die übrigen rund 20 Passagiere dicht an dicht. René, Annemarie und Laura haben das Glück, dass sie zuhinterst auf der Querbank, also in Fahrtrichtung, und zudem im Freien sitzen können mit genügend Frischluftzufuhr. Die Fahrt geht los, noch mit gedrosselten Motoren im Hafenbereich, dann aber volle Pulle Richtung Südwesten. Die Meeresoberfläche ist unruhig, die Wellen hoch. Vorsichtshalber haben wir beide eine Reisetablette geschluckt, was sich bewährt, denn wir überstehen die gut zweieinhalbstündige Fahrt gut. Es wird sehr heiss in der Kabine, und ich ziehe die Schwimmweste mit dem stillen Einverständnis unseres Fahrers aus. Nun heisst es einfach, die Enge durchzuhalten. Kurz vor fünf gelangen wir in den Hafen von Puerto Villamil, wo uns nach einigem Warten ein Taxi abholt und zum Landungssteg bringt, allerdings mit dem Unterschied, dass hier der Taxidienst doppelt so teuer ist. Wir werden von einem Pickup abgeholt. Hintendrauf werden die Koffer geladen plus Nadja und ich. Der Rest der Reiseteilnehmenden setzt sich in die Kabine. Glücklich gelangen wir so zu unserem Hotel, wo uns eine herrliche Dusche erwartet.
Das Nachtessen geniessen wir nach einem Rundgang im Dorf in einem Gartenrestaurant im Zentrum.

19. Tag: Sonntag, 17.08.14


Um ca. sechs Uhr sind wir wach. Was erwartet uns heute?
Nach dem Morgenessen spazieren wir alle gemeinsam zur Schildkröten-Aufzuchtstation von Isabela, die etwas westlich von Puerto Villamil liegt. Dorthin gelangt man über einen speziell angelegten Fussweg mit langen Holzstegen über verschiedene Lagunen. In diesen können wir einerseits schwimmende Leguane entdecken, andererseits sind hier auch verschiedene Wasservögel zuhause. Wir können die Bahamaente, den Stelzenläufer, den amerikanischen Sandregenpfeifer, den Regenbrachvogel, das Teichhuhn und den Krabbenreiher bestimmen. Nachdem wir uns längere Zeit in der attraktiv gestalteten Schildkrötenstation aufgehalten und hier heimische Riesenschildkröten in allen Lebensaltern gesehen haben, gehen wir noch zu einer nächsten Lagune. Darin stolzieren rund ein Dutzend Rosaflamingos herum und sieben sich mit ihrem darauf spezialisierten Schnabel ihre Nahrung aus dem seichten Brackwasser. Dazu trampeln sie mit ihren Füssen in schneller Folge auf den Untergrund, ich denke, um diesen und damit Organismen aufzuwirbeln. Dabei erzeugen sie schmatzende Geräusche. Auf unserem Spaziergang begegnen wir noch weiteren Vögeln, u.a. dem bisher nie beobachteten Glattschnabel-Ani. Danach ist ein Mittagessen fällig in einem wunderschön am Strand gelegenen „ Beizli“ unter einem Sonnenschirm. Wir werden freundlich bedient und mit vorzüglichen Spezialitäten versorgt, z.B. Ceviche, Tintenfisch mit Knoblauchsauce, frischen Shrimps, Kochbananen…
Den Nachmittag gestalten alle individuell. Ich widme mich der Bestimmung der beobachteten Vögel und gehe anschliessend noch etwas im Meer schwimmen. Dann mache ich mit Margrit einen Spaziergang im Dorf. Zum Nachtessen gehen wir wieder zusammen in ein Restaurant und beschliessen, am nächsten Tag zu Fuss zur Mauer der Tränen zu gehen. 

20. Tag: Montag, 18.08.14


Schon um fünf sind wir wach. Ein Hahn kräht unermüdlich. Um sechs hören wir Kinder plaudern, schreien und lachen. Dazu poltert es immer wieder, so als ob sie auf einem Holzboden herumtrampelten. Ich gehe hinaus und umrunde das Hotel. Da scheint wirklich eine Schulklasse mit ihrem Lehrer Turnunterricht zu haben. Auf dem neben dem Hotel liegenden Basket- und Volleyballfeld sitzen jetzt Jugendliche geordnet im Kreis und führen die Dehnungs- und Steckübungen durch, die der Lehrer ihnen vormacht. Frühstunde auf ecuadorianisch!
Nach dem Morgenessen machen wir uns für die Wanderung zur Muro de las Lágrimas auf. Rund 8 km soll ein Weg messen. Diese Mauer wurde in den Jahren zwischen 1946 und 1959 von Sträflingen, die auf der Insel in einem Gefangenenlager eingesperrt waren, mit grossen Lavabrocken erstellt. Ihr Bau diente offenbar ausschliesslich der Beschäftigung dieser Sträflinge. Die Mauer erfüllte sonst keinen Zweck. Die Häftlinge litten unter den grausamen Haftbedingungen und starben frühzeitig. Kurz vor dem Bauwerk ist ihnen eine Gedenktafel gewidmet. Die Mauer besteht aus lauter behauenen Lavasteinen und weist am Fuss eine   Dicke von gegen zehn m auf. Die Mauerlänge schätze ich auf gegen hundert Meter.
Auf unserer Wanderung kommen wir wieder an Lagunen vorbei, worin dieselben Wasservögel heimisch sind, die wir schon gestern beobachten konnten. Am Strand, der teilweise parallel zum Weg verläuft, sind vor allem Regenbrachvögel in grosser Zahl auf Nahrungssuche. Der Hit sind die insgesamt drei oder vier Riesenschildkröten, die wir frei lebend am Strassenrand vorfinden. Sie sehen schon urtümlich aus, diese Viehcher. Und sie posieren wunderbar für unsere Fotos.
Ein weiterer Höhepunkt ist ein Mirador. Ein steiler Weg führt uns zu Metalltreppen, die auf einem Hügel, auf einer Plattform, enden. Von da aus haben wir eine prächtige Sicht aufs Meer hinaus und ins Hinterland. Leider hangen die Wolken tief, so dass wir den Vulkan Sierra Negra nicht sehen. Nur der Fuss des Kegels ist sichtbar.
Mit einem Taxi, das Nadia bestellen liess, fahren wir zurück und geniessen anschliessend ein frisch zubereitetes Mittagessen in „unserem Beizli“, zur Freude des Wirts.
Am Abend stellt sich aber heraus, dass uns nicht der bestellte Taxifahrer mitnahm, sondern ein anderer, der, als er gefragt wurde, ob er Edoardo sei, diese Frage bejahte. Der bestellte Fahrer meldet sich im Hotel und verlangt den ihm entgangenen Fahrpreis. Nadia bezahlt ihm zehn Dollar, womit er dann zufrieden ist.
Ich genehmige mir noch ein erfrischendes Bad im Pazifik und eine letzte Dusche auf Isabela. Das letzte Abendessen in Ecuador und auf den Galapagos steht noch an. Ich liebe hier die Fischtranchen vom Holzkohlengrill, das wird wohl die letzte sein für längere Zeit. Auch sie schmeckt wunderbar. Wir verabschieden uns von Laura und Annemarie, die noch zwei weitere Nächte auf der Insel Isabela verbringen werden.

21. Tag: Dienstag, 19.08.14
Wir fahren heim. Um 5.20 Uhr werden wir vom Taxi im Hotel abgeholt und mit allem Gepäck zum Hafen gebracht. Dort besteigen wir unser Schnellboot, diesmal etwas moderner und mit mehr Platz. Da das Meer relativ ruhig ist, dauert die Fahrt nach Puerto Ayora keine zwei Stunden. Hier erwartet uns wieder ein Taxi, das uns über die Insel Santa Cruz zur Fähre hinüber nach Baltra bringt. In Baltra müssen wir nun warten, bis das Flugzeug nach Guayaquil landet. Und nun geht es Schlag auf Schlag: Ruhiger Flug nach Guayaquil, Abschied von René, der nach Quito fliegt, Warten, sehr ruhiger Flug nach Amsterdam!
 
22. Tag: Mittwoch, 20.08.14
Am frühen Nachmittag landen wir in Amsterdam bei Regen und müssen auf den Flieger nach Zürich umsteigen. Bei der Sicherheitskontrolle wird mir die tropische Konfitüre (Maracuja und andere Früchte), die Margrit für mich auf der Isla Isabela in einer Kooperative erstanden hat, leider, leider abgenommen, mit der Begründung, das sei eine Flüssigkeit. Der Flug nach Zürich ist kurz und angenehm zu ertragen. Da werden wir bereits von Tochter und Grosskindern erwartet und nach Hause gefahren. Es war eine tolle Reise! Und trotzdem ist es schön, wieder zuhause zu sein.

Peru und Regenwald

Mittwoch, 20. April:

Das Telefon reisst uns aus dem seligen Schlaf. Margrits Weckradio zeigt 4:19 Uhr. Hat das Gerät versagt oder war ich die Ursache? Ich stehe flink neben dem Bett und gehe ins Büro, nehme den Hörer ab, aber da ertönt einfach das Besetztzeichen an meinem Ohr. Sofort ist klar: Das ist Beatrice oder Judith. Sicher erwarten uns die beiden schon seit ein paar Minuten in der Tiefgarage. Im Pijama und barfuss spurte ich hinunter, wo die beiden bereits mit Gepäck-Umladen beschäftigt sind und mich grinsend empfangen. Schleunigst zurück zu Margrit in die Wohnung, aufs WC, mich in die bereitgelegten Kleider stürzen, Handy und Tablett vom Strom trennen, verpacken und einige Minuten später stehen auch wir abfahrbereit in der Garage. Das Gepäck hat Judith bereits zum grösseren Teil im Auto verstaut.
Nach wenigen Kilometern muss Judith nochmals anhalten: Ist mein Passport auch dabei! Ja, er ist…
Um halb sechs sind wir am Flughafen Zürich, verabschieden uns dankend von Judith und geben dort in aller Ruhe das Gepäck auf, geniessen noch einen Kaffee mit Gipfeli und passieren dann die Sicherheitsschleusen. Unterdessen ist ein weiterer Mitreisender in unser Bewusstsein gerückt, ein Plüschteddy ohne Namen, der sich zwischen Beatrice’ Gepäck versteckt hat. Von ihm wird ein Foto gemacht und ins Facebook gestellt, und schon bald   trifft auf Beatrice’ Handy ein Namensvorschlag ein. Rudi soll er heissen.
Rechtzeitig steigen wir in unseren Flieger nach Madrid. Vorerst mit prächtiger Aussicht auf die Mittellandseen, dann auf die Alpen, Thuner- und Genfersee. Schon bald braut sich unter uns und später neben uns eine graue Nebelsuppe zusammen, was unser Flieger mit recht heftigem Rumpeln quittiert.
In Madrid verbringen wir die rund dreistündige Wartezeit bei Sushi und einem Glas Weisswein in einem der vielen Restaurants. Da es viel zu reden gibt über Vergangenes und Bevorstehendes, verfliegt die Zeit in Windeseile.
Etwa um halb zwei hebt die Maschine Richtung Lima ab. Der Flug dauert… Wir sitzen bei eintönigem Rauschen in unseren Sitzen, lesen, dösen vor uns hin, schreiben, lösen Sudoku und hie und da etwas Wasser, während Teddy Rudi im Handgepäckkasten eingepfercht, über unseren Köpfen, klaglos schläft.
Nach der letzten verteilten Mahlzeit, einem Schinken-Käse-Sandwich mit einem Glas Vino tinto und nach fast zwölfstündigem Flug, zeigt uns der Bildschirm auf der Rücklehne des Vordersitzes an, dass unser Flug nur noch 37 Minuten dauern wird. Die Sonne geht im Nordwesten rotglühend unter. Riesige weiss-grau-rote Wolken türmen sich auf. Es ist 18:19 Uhr Lokalzeit.
Und endlich setzt das Flugzeug auf der Landepiste auf. Mit steifen Gliedern lösen wir nach dem Andocken die Sicherheitsgurten, stehen auf und sammeln unsere persönlichen Sachen zusammen.
Nachdem wir die Einreiseformalitäten hinter uns gebracht haben, werden wir von Alex, einem Bekannten von Beatrice, beim Ausgang in Empfang genommen und in einer für uns spektakulären Fahrt mit viel Tempo und Bremsen, Drängeln und Hupen, zum Hotel in der Nähe der Plaza de Armas geführt.
Zimmerbezug, ein Pisco sour in der Hotelbar und Ceviche, eine peruanische Fischspezialität, in einem Strassenrestaurant runden den Abend ab.

Donnerstag, 21. April:

Ausgeruht erwache ich schon frühmorgens. Wir haben mit offenem Fenster, hinaus auf einen trostlosen Hinterhof mit unverputzten Backsteinmauern und grauer Hotelfront, geschlafen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist eine Lücke mit Sicht auf eine vorbeiführende Strasse. Von da dringt Verkehrslärm und Stimmengewirr herein und wecken uns.
Um neun trifft unser vorbestelltes Taxi ein. Trotz geduldigem Abwarten im Stau treffen wir rechtzeitig auf dem Flughafen ein. Problemlos können wir unser Gepäck aufgeben und einchecken für den Flug über Pucallpa nach Iquitos. Leider sind die Fensterplätze alle vergeben, und wir müssen mit den übrigen Sitzplätzen Vorlieb nehmen. Kaum haben wir abgehoben, beginnt die Maschine schon wieder mit dem Sinkflug, und wir landen auf einer holprigen, vielfach geflickten Piste. Etwas zurückversetzt liegen Tower und Flughafengebäude, auf das unsere Maschine zurollt. Je von zwei kräftige Männern werden die Ausstiegstreppen zugeschoben. Der Grossteil der Passagiere steigt aus, 25 Minuten Aufenthalt werden angesagt, und wir nutzen die Zeit, uns Fensterplätze mit möglichst sauberen Scheiben zu ergattern.
Währen des ebenfalls kurzen Weiterflugs nach Iquitos bewundern wir das dünn besiedelte Regenwaldgebiet am Ucayali- und Marañon-Fluss. Sowohl beim Aufstieg als auch beim Landeanflug lassen sich die hohen Baumwipfel, die für die Landwirtschaft kahl geschlagenen sowie die verlassenen, neu überwucherten Flächen erkennen. Dazwischen liegen grössere und kleinere Wasserflächen und die mäandrierenden Flussläufe. Während vor allem die fliessenden Gewässer hellbraune Farbtöne aufweisen, hervorgerufen von den gewaltigen Mengen an Schwebstoffen, sind stehende Gewässer von dunkler, blau-grau und grüner Tönung. Dazwischen liegen Einzelgebäude und Siedlungen der einfachsten Bauart.
Im Flughafen von Iquitos werden wir von Keila, der Lodge-Betreiberin von „Fuente del Amazonas“, ihrem Baby Diego und ihrem Vater Pablo erwartet und herzlich begrüsst. Eine furchtbare Hitze treibt uns Touristen aus Europa den Schweiss aus den Poren. In zwei Taxis fahren wir alle zusammen zur Casa Fitzcarraldo, wo wir die Zimmer zugewiesen bekommen. Margrit und ich wohnen in der Suite, in der Caudia Cardinale lebte, als der Film „Fitzcarraldo“ hier in dieser Gegend gedreht wurde. Beatrice ist im Zimmer untergebracht, wo Mick Jagger während der Dreharbeiten hauste.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir im Schatten der vielen Pflanzen im Hotelpark. Im Baumhaus, hoch über dem Swimmingpool filmen und fotografieren Beatrice und ich den farbenprächtigen Sonnenuntergang.
Das Abendessen nehmen wir nach einer halsbrecherischen Fahrt zu dritt in einem der für Iquitos berühmten Mototaxis, auf der Terrasse eines Restaurants am Boulevard ein. Die servierten Menüs mit Fisch (Paiche) und Kaimanfleischstückchen schmecken ausgezeichnet. Müde und zufrieden legen wir uns nach einer erneuten Mototaxifahrt zurück zu unserer Unterkunft ins Bett.

Freitag, 22. April:

Nach einigen nächtliche Ruhestörungen durch bellende Hunde erwachen wir wieder, als es draussen bereits hell ist. Ein ausgiebiges Morgenessen mit Orangensaft, Früchten, Spiegeleiern, Schinken, Käse, Brötchen, Butter, Marmelade und Kaffee stärkt uns. Wir fahren mit dem Mototaxi auf die andere Seite von Iquitos, nach Nanay-Bellavista.
Als wir dort aussteigen, kommt gleich ein „alter Bekannter“ auf Beatrice zu und begrüsst sie ganz herzlich. Es ist Sandro, der ein Ausflugsboot besitzt. Mit ihm fahren wir auf dem Rio Nanay zur Schmetterlingsfarm Pilpintuwasi. Auf einem sumpfigen Weg, der mit einem Maschendrahtzaun in Tunnelform überdeckt ist, gelangen wir zum Kassenhäuschen, wo uns eine ältere englischsprachige Praktikantin empfängt und uns nach Einkassieren des Tickets durch den Park führt. Im mit feinmaschigen Netzen abgetrennten Bereich lebt eine riesige Anzahl verschiedenartiger Schmetterlinge. Wir foto- und videografieren, was uns vor die Kamera kommt. Wirklich prachtvolle Sommervögel, in unterschiedlicher Färbung und Grösse, gaukeln um uns herum und setzen sich auf die rundum auf Stäbe aufgesteckten Obststücke. Der von uns in der Hitze abgesonderte Schweiss auf unserer Haut zieht verschiedene Schmetterlinge an. Sie setzen sich auf unseren Kopf, aufs Gesicht und auf die Arme, fahren ihren Rüssel aus und tasten mit ihm unsere Haut ab. Ob es das Salz unseres Schweisses ist, das sie anlockt?
Anschliessend besuchen wir die „Puppenstube“, wo lauter Schmetterlingspuppen aufgereiht an Korkwänden hängen. Bei genauerem Hingucken erkennen wir, dass da und dort bereits Schmetterlinge ihre unansehnlichen Hüllen verlassen haben und nun ihre Flügel trocknen lassen.
Ein nächster Besuch gilt den einheimischen Tieren, die verletzt oder illegal gehalten, hier eingeliefert wurden. Da sind Tiere darunter, die sich gegenüber Menschen nicht mehr scheu verhalten. Wir werden darauf aufmerksam gemacht, dass wir auf unsere Sachen wie Brille oder Kamera aufpassen sollen, da sie von diebischen Affen gestohlen werden könnte. Hier sehen wir Tierarten wie Jaguar, Ozelot, Tapir u.a., die sich in freier Wildbahn kaum zeigen.
Danach gehen wir zum Boot zurück und lassen uns zum Restaurant Bufeo beim Zusammenfluss von Rio Nanay und Momón fahren. Es ist heiss, wir trinken einen Fruchtsaft und geniessen einen gemischten Salat dazu. Währenddessen suhlen sich ein paar Frauen unterschiedlichen Alters beim Steg im kühlen Wasser. Leider blieb meine Badehose im Hotel zurück, sonst hätte ich ihnen gerne Gesellschaft geleistet.
Danach führt uns Sandro noch zur Mündung des Rio Nanay in den Amazonas. Er meint, dass wir hier noch Amazonasdelfine sehen könnten. Zwar kann Margrit zwei Exemplare kurz beobachten, aber dann herrscht tote Hose. Wir können ein paar Seeschwalben zuschauen, wie sie Wassertiere jagen, indem sie spähend wenige Meter über der Oberfläche fliegen und sich dann urplötzlich fast senkrecht hinunter auf die Beute stürzen. Es sind sicher zwei verschiedene Arten, die hier jagen.
So gegen zwei Uhr fahren wir dann zurück zum Hafen und drängeln uns noch durch die vielen Essstände, wo vor Ort ein sagenhaftes Angebot an auf Holzkohle gegrillten Fischen aus dem Amazonas angeboten wird. Hier sitzen auch viele Einheimische auf Bänken an einfachen Holztischen und geniessen einen frisch zubereiteten Fisch mit einheimischen Zutaten wie Maniok, Kochbananen u.a.
Ganz verschwitzt im Hotel angekommen geniessen wir das kühlende Wasser des Swimmingpools und dazu die Milch einer frisch geöffneten Kokosnuss. Im Schatten der zahl- und artenreichen Sträucher und Bäume des Hotelgartens geniessen wir den Rest des Tages beim Lesen, Schreiben, Diskutieren und Pläne-Schmieden für den morgigen Tag.

Samstag, 23. April:

Die Nacht war unruhig. Zuerst ertönte von irgendwoher südamerikanische Musik mit Gesang, dann hörte man Leute laut reden und lachen, Töffmotoren heulten auf, eine Katze miaute erbärmlich unter unserem Fenster und Hunde bellten. Später erklangen Sirenentöne und eine weibliche Stimme, über Lautsprecher verstärkt, plärrte durch die Nacht. Dazwischen schlief ich recht gut und fühle mich erholt. Schon bald gibt’s Morgenessen.
Heute steht zuerst der Markt von Belen auf unserem Programm. Mit dem Mototaxi, wie immer zu dritt auf die enge Sitzbank hineingequetscht, erreichen wir den sehenswerten Markt. Alle Leute hier scheinen etwas zu verkaufen zu haben. Da gibt es kaum etwas, was man nicht bekommt. Stände mit Lebensmitteln aller Art sind in der Mehrzahl. Die geschlachteten Tiere werden aufgeschnitten mit den essbaren Eingeweiden in ihrem Bauch auf den Markttischen präsentiert. Da werden neben den bei uns ebenfalls in den Metzgereien erhältlichen Haustieren auch verschiedene Wildtiere wie Tapir, Schildkröte, Wildschwein, Rotwild u.a. angeboten. Aber auch fingerdicke Raupen, gebraten, gesotten oder gegrillt, sind zu kaufen. Wunderschön gezeichnete Fische in verschiedenen Grössen werden auf den Tischen vor den Augen der Käufer zerteilt. An den Tischen sitzen Frauen, oft mit ihrem Bébé neben sich, und zerlegen Palmherzen in Streifen, die in Salaten Verwendung finden. Der nahe Regenwald liefert eine ungeahnte Zahl von Früchten, die wir bei uns kaum kennen. Zudem werden aber auch Früchte und Gemüse aus der Andenregion und aus dem Küstenstreifen Perus verkauft. Heilmittel natürlicher Herkunft für jedes «Bobochen» und «Wehwehchen», aber auch von der Pharmaindusrie hergestellte Medikamente sind zu günstigen Preisen erhältlich. Eine Zehnerschachtel eines den Viagratabletten ebenbürtigen Produkts wird für sage und schreibe 2 Soles (rund 70 Rappen verkauft) – unglaublich. Und zudem gibt es Schmuck, Kleider, Hygiene- und Kosmetikartikel, Reinigungs- und Waschmittel, lebende Katzen und Enten… Einige Verkäufer bieten ein Riesesortiment an und andere haben gerade nur einen Artikel im Angebot. Wenn du einen Verkäufer nach einem bestimmten Artikel fragst und er ihn nicht im Sortiment hat, dann anerbietet er sich, ihn dir zu besorgen, verlässt seinen Stand und taucht schon nach kurzer Zeit mit ihm auf.
Der Markt ist ein sinnliches Erlebnis sondergleichen, nicht vergleichbar mit europäischen Märkten. Aber wir müssen uns schon überwinden, über gewisse Praktiken hinweg zu sehen und unsere Vorstellungen und Ansichten ausschalten.
Beatrice trifft auf einen Guia, der ihr eine Bootsfahrt inkl. Besuch seiner Familie offeriert, was wir ohne zu zögern akzeptieren. Aber bevor wir aufs Boot gehen, steht uns noch ein anderes Erlebnis bevor. Da steht eine ältere Frau auf einer blumengeschmückten Terrasse an einem Haus mit wunderbar freier Aussicht auf den Rio Itaya. Beatrice kommt mit ihr ins Gespräch, und sie lädt uns ein, zu ihr auf die Terrasse hinaufzusteigen, was wir umgehend in die Tat umsetzen. Ein paar Aufnahmen von ihrer Terrasse aus und die Bewunderung ihrer Familienfotos im Wohnraum lassen uns erfahren, dass sie 80 Jahre zählt und dass sie in den 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts einmal zur Miss Peru gekürt wurde. Zum ersten Mal in meinem Leben lerne ich eine richtige Miss persönlich kennen.
Kurz nach diesem Zusammentreffen, steigen wir zu einer Rundfahrt durch den schwimmenden Teil des Stadtviertels Belen in ein Boot. Da stehen viele Häuser im Wasser, weil es dieses Jahr überdurchschnittlich hoch steht. Überall hat man Stege erstellt, um den Bewohnern den Zugang zu ihren Häusern trockenen Fusses zu ermöglichen. Etwas weiter draussen, wo die Häuser über längere Zeit im Wasser stehen, sind sie entweder auf Stelzen oder auf Flossen gebaut. Wir fahren durch die Kanäle durch das Venedig Südamerikas. Allerdings ist da nichts vom Prunk vergangener Zeiten zu sehen. Die Häuschen sind mit wenigen Ausnahmen aus Holz gebaut und sehen zum grösseren Teil recht armselig aus.
Unser Guide, Carlos, führt uns kurz vor Abschluss der Fahrt zu seinem Haus und zu seiner Familie in der schwimmenden Stadt. Das Boot legt auf der Hinterseite der Hütte an, und wir steigen auf das Floss, worauf die Behausung ca. einen Meter erhöht steht. Oben, in einer Lücke in der Wand, erscheint sein kleiner Sohn und guckt erwartungsvoll und scheu auf uns. Seine hübsche, sehr junge Frau zeigt sich ebenfalls mit ihrem älteren, ca. vierjährigen Buben. Das Betreten der aus einem einzigen Raum bestehenden Wohnung fällt uns nicht so einfach, denn es ist keine brauchbare Leiter vorhanden. Mit Hilfe eines Holzhockers und des Besitzers schaffen wir den Aufstieg. Wir luxusgewohnte Europäer stehen in der Wohnung einer einfachstens lebenden, jungen peruanischen Familie. Unmittelbar neben diesem Hintereingang steht die Kochstelle. Sie ist ein grob gezimmerter Holztisch mit einem vielleicht zehn Zentimeter über die Platte stehenden Rand. Darin liegt die Asche vom zuletzt entfachten Feuer. Um zu verhindern, dass der Herd selber zu brennen anfängt, wurde vorgängig Erde darauf verteilt. Möbelstücke fehlen, die Kleider sind an Nägeln aufgehängt, die an der einen Seite unter dem Hüttendach eingeschlagen wurden. Die Spielgeräte der Kinder sind auf dem Boden verstreut. An einer Wand steht ein Fernseher an erhöhter Stelle. Eine Hängematte ist an den Holzverstrebungen angebracht. Ich werde beim Filmen darauf aufmerksam gemacht, das ich auf dem „Bett“ der Eltern stünde, d.h. die Bewohner schlafen auf dem Boden. Das Ganze sieht wirklich armselig aus, und wir können einfach hoffen, dass Carlos den „Lohn“, den er von uns bekommt, zugunsten seiner Familie einsetzt.
Nach diesem eindrücklichen Familienbesuch in Belen, fahren wir noch zu einem schwimmenden Tante Emma-Laden, wo wir unseren Flüssigkeitsverlust mit Inka-Cola ergänzen – auch das ein nachdenklich machendes Erlebnis.
Wir werden zurückgefahren zu unserem Ausgangspunkt, und Carlos führt uns durch den Markt, wo viele Händler in Aufbruchstimmung oder neben ihrem Stand eingeschlafen sind. Wir erreichen den Ausgangpunkt, verabschieden uns von unserem Guia, nehmen ein Mototaxi und fahren zum Boulevard, wo wir uns eine Erfrischung gönnen. Wir haben viel gesehen, Eindrücke gesammelt, die jetzt noch verarbeitet werden müssen.
Am Abend gehen wir in ein neueres Restaurant, eine Holzkonstruktion, die auf Stelzen an das Ufer des Rio Itaya gestellt wurde. Neben ein paar Jugendlichen, die etwas trinken, sind wir die einzigen Gäste. Wir essen gut, und weil sich die anderen Gäste allmählich verabschieden, wird auch die Musik etwas leiser gestellt.
Am Boulevard, wo wir noch einen Schlummertrunk geniessen, ist heute Abend sehr viel los. Zwei Schauspieler, der eine als Frau verkleidet, der andere als Mann agierend, bringen die in Scharen rundum stehenden Zuschauer immer wieder zum Lachen. Aber die Strassencafés sind schlecht besetzt und die Strassenhändler, die Schmuck, Ballone und Zuckerwatte anbieten, machen schlechte Geschäfte.
Mit einem Mototaxi fahren wir zurück zum Hotel. Die beiden Frauen haben den Eindruck, dass wir zu dritt etwas besser in den engen Sitz passen als am Morgen noch. Haben sie abgenommen vom vielen Schwitzen?

Sonntag, 24. April:

Unser Programm für heute Sonntag sieht einen Zoobesuch vor. Nach dem üppigen Zmorge lässt Beatrice ein Taxi rufen. In gewohnt zügiger und für unsere Verhältnisse halsbrecherischen Fahrt erreichen wir nach gut halbstündiger Fahrt den Eingang zum Zoo und zur Lagune von Quistococha. Zuerst widmen wir und den „ausgestellten“ Tieren. Leider befindet sich die Zooanlage in einem desolaten Zustand. Zwar sind trotz Sonntag mehrere Angestellte mit dem Rechen der Wege beschäftigt. Das Delfinarium mit einem einzigen Amazonasdelfin scheint neueren Datums zu sein. Am einen Rand des Beckens scheint noch eine Zuschauertribüne im Anfangsstadium stecken geblieben zu sein. Die Gehege sind alt, eng und bröcklig, ebenso die Wege für die Besucher. Ein einsamer Otter schreit erbärmlich, schwimmt nervös von einem Punkt zum andern, begibt sich an Land und stürzt sich wieder in den Teich im Gehege. Der eine Jaguar zeigt deutliche Symptome von Hospitalismus, indem er hinter dem Gitter immer hin und her läuft. Sicher werden hier einige der eingesperrten Tiere nicht nach den neueren Erkenntnissen zur Tierhaltung in Zoos gehalten. Wir bekommen aber einen Eindruck davon, was für Arten im Amazonasgebiet anzutreffen sind.
Noch etwas möchte ich zum Delfinbecken anmerken. Da ist eine Frau im Badekleid darin und bringt den Delfin dazu, sich dem Publikum zu zeigen. Augenscheinlich hat sie einen guten Draht zu ihm, denn er folgt ihr offensichtlich gerne und geht auf ihre Wünsche bzw. Befehle ein. Allerdings sind seine vorgeführten Kunststücke nicht so spektakulär wie ich sie von Meeresdelfinen gesehen habe.
Nachdem Beatrice und ich im einen Restaurant am Strand des Sees einen wohlschmeckenden Fisch vom Grill verzehrt haben, versuchen wir uns im Wasser noch etwas abzukühlen. Aber das bleibt ein Wunschtraum. Das Wasser ist sicher so um die dreissig Grad. Aber angenehm ist es dennoch, hier etwas im Wasser zu planschen. Ich staune, wie diszipliniert hier die Besucher aus der Umgebung sind, denn ausser uns beiden geht niemand weiter hinaus als bis zur markierten Grenze. So kommen wir doch noch ein wenig zum Schwimmen. Die Abkühlung hole ich mir anschliessend an die Rückfahrt mit dem Taxi im Hotelpool.
Das Abendessen ist heute im Restaurant Al Frio y Al Fuego vorgesehen. Doch es kommt anders. Als wir um ca. 19 Uhr an Beatrice’ Zimmertüre klopfen, klagt sie über Unwohlsein. Also machen wir uns halt zu zweit auf den Weg und halten ein Mototaxi an. Damit fahren wir zur Übersetzstelle, denn das schwimmende Restaurant befindet sich mitten in einem See, der durch den Rio Itaya vor seiner Einmündung in den Amazonas gebildet wird. Aber dort werden wir abgewiesen, da das Lokal sonntags nicht so lange geöffnet habe. Also lassen wir uns zum Boulevard führen und nehmen unser Abendessen auf der Terrasse des La Noche ein, wie am zweiten Abend in Iquitos. Darauf geniessen wir das laute und lebensfreudige Treiben auf dem Boulevard und auf der Plaza de Armas, bevor wir uns von einem Mototaxi zum Hotel zurückführen lassen.

Montag, 25. April:

Um sechs soll das Expeditionsschiff „Bremen“ mit Urs an Bord, Beatrice’ und Margrits Cousin, in Iquitos ankommen. Walter Saxer, der Hotelbesitzer, hat für uns herausgefunden, dass es im Handelshafen beim peruanische Zoll zwischen sieben und acht anlegen soll. Das müsste doch unbedingt foto- und videografisch festgehalten werden. Aber da spielen die peruanischen Zollangestellten nicht mit.
Also machen wir uns um ca. halb sieben auf den Weg. Als wir beim Eingang zum Hafengelände Eintritt verlangen, werden wir nicht eingelassen. Da müssten vorerst noch einige Abklärungen getroffen werden, aber dann könnten wir schon zur Anlegestelle gehen. Das Schiff trifft ein, wir können seine Einfahrt aus der Ferne mitverfolgen, aber eben aus der Ferne und mit vielen Sichtbehinderungen. Und immer werden wir vertröstet, dürfen mal den Personalausweis zeigen, unsere Namen aufschreiben, und plötzlich ist der Verhandlungspartner weg und ein anderer Zollangestellter übernimmt, ohne orientiert zu sein, seinen Job. Verschiedene Leute, die ein- und ausgehen, bieten Beatrice ihre Hilfe an. Es wird telefoniert, aber wir werden nicht eingelassen. Um ca. Viertel nach neun platzt Beatrice der Kragen, und sie marschiert, nachdem sie schon vorher auf die andere Seite des Eingangsportals eingedrungen ist, ohne um sich zu schauen, Richtung Anlegestelle. Und siehe da, nach rund einer Viertelstunde kommt sie zusammen mit Cousin Urs auf einem Mototaxi zurück. Nun lassen wir uns ins Hotel zurückfahren.
Der Nachmittag ist für den Besuch eines Yagua-Dorfes reserviert. Einer der ehemaligen Guias, Leo, selbst ein Yagua, hatte ihr von einem Dorf berichtet, das eine eigene Schule bauen und gerne unterstützt werden möchte, da die Ressourcen fehlen. Sie informierte uns bereits vor der Reise, dass sie da einsteigen möchte. Urs und wir sagten ihr eine Beteiligung zu, und so organisierte sie im Voraus zusammen mit Leo einen Besuch im Dorf, wobei den Kindern und den Dorfbewohnern Schulmaterial überreicht werden soll. Leo kaufte darauf zusammen mit seiner Frau einiges an nützlichen Dingen ein, stellte Lehrer- und Schülerpakete zusammen und brachte die Sachen vorgängig ins Dorf. Und heute fahren wir nun mit dem Boot zum Dorf. Ausserordentlich herzlich werden wir da begrüsst und zum Platz geleitet, wo der Aushub und das Grundgerüst für das geplante Schulhaus bereit sind. Der Dorfvorsteher, Leo und Beatrice richten an die Dorfbevölkerung und insbesondere an die Kinder einige Worte. Darauf werden die Geschenke verteilt und verdankt. Grossen Anklang findet die Verteilung von Schoko-Branches. Manches Kindergesicht bekommt braune Flecken ab, und auch den Erwachsenen schmecken sie offensichtlich. Was auch immer gut ankommt, sind Fussbälle. Schon sehr bald haben sich zwei Kindermannschaften gebildet, und da ich als einziger sichtbar an meinem Arm eine Uhr trage, werde ich beauftragt, die Zeit für das Match zu stoppen. Die Erwachsenen freuen sich am Fotoalbum, das ihnen Beatrice vom Chocolatata- Fest im letzten Jahr mitgebracht hat. Für einige von ihnen ist es das erste Mal, dass sie sich selber auf einem Foto sehen können. Zum Abschluss werden alle nochmals zusammengerufen für ein Gesamtbild mit vielen strahlenden Gesichtern.
Mit etwas zwiespältigen Gefühlen kehre ich zurück in unser Hotel. Ist diese Art der Hilfe richtig? Sicher haben wir viel Freude und etwas Abwechslung ins Dorf gebracht. Und vielleicht war auch die Branches-Aktion nachhaltig, hat doch Margrit mit dem Zusammenlesen der achtlos weggeworfenen Verpackungen Einheimische dazu animiert, diese auch vom Boden aufzuheben und sie in eine bereitgestellte Kartonschachtel zu legen.
Den Tag lasse ich am kühlenden Pool ausklingen. Morgen früh geht’s in die Lodge.

Dienstag, 26. April:

Um halb acht ist Morgenessen angesagt. Bereits zuvor erstellen wir unsere Dschungelpackung. Nach dem Morgenessen bringen wir unser Gepäck, das in der Casa Fitzcarraldo zurückbleibt, ins Büro von Walter Saxer. Unser Guia für den Regenwald, Monó alias Edwin, kommt und holt uns mit einem Fahrer mit Van ab. Er gibt uns das heutige Programm bekannt.
Der erste Stopp findet bei einer Aufzucht- und Pflegestation an der Strasse nach Nauta statt. Hier werden Seekühe, die mutterlos oder verletzt aufgefunden werden, aufgepäppelt und später wieder ausgesetzt. Seekühe sind urtümliche Tiere mit aussehensmässig sehr grosser Ähnlichkeit zu Robben, leben im Amazonasgebiet in Lagunen und ernähren sich von Pflanzen, und zwar sollen das 80-100 kg sein pro Tag. Sie sind stark gefährdet, da sie gejagt und die Jungtiere zwei Jahre gesäugt werden. So kommen viele Junge um, weil die Mutter getötet wird und sie dann die besonders eiweisshaltige und laktosefreie Milch nicht mehr erhalten. Wir dürfen da auch zwei Jungtiere füttern und bestaunen die spezielle Ausbildung des Mundes, der gleichsam Blätter an der Wasseroberfläche ansaugen kann und mit den seitlich ausgestülpten Lippen, die mit dicken Borsten ausgestattet sind, in den Schlund befördern. Schneidezähne besitzen sie keine. Die Betreiber dieser Station haben die Anlage so gestaltet, dass vor allem Kinder angesprochen werden, denn vor allem diese sollen für den Schutz dieser Tierart sensibilisiert werden. Zudem sind wie schon im Schmetterlingspark Pilpintuwasi eine stattliche Anzahl Gehege vorhanden, worin Tiere, vor allem Affen, gehalten werden, die aus illegaler Haltung stammen.
Nun geht die Fahrt weiter nach Nauta, wo wir die Sapi Sapi Lagune mit einer darauf hinausgebauten Plattform besuchen. Auf zwei künstlich angelegten Inseln sonnen sich mehrere Schildkröten. Die Sehenswürdigkeiten in dieser Lagune sind aber die darin lebenden Fische. Mit Brotstücken, die man ins Wasser wirft, lockt man sie an. Sehr schnell schnappen sie nach den schwimmenden Brocken und zeigen sich an und teilweise über der Oberfläche. Es sind drei Arten: der Paiche oder Arapaima von dunkelgrauer Farbe mit leuchtend orangefarbenen Streifen im Schwanzbereich, der Monkeyfish oder Arowana von hellgrauer Farbe mit gelblich getöntem Bauch und der Catfish, eine Welsart, von ganz dunkler Farbe mit grossem Maul und je grossen seitlichen Barten.
In einem einfachen Restaurant gibt’s Mittagessen, Lomo saltado und Saft dazu.
Als nächstes besteigen wir ein typisches Boot, recht lang, mit zwei seitlichen Bänken und einem Heckmotor mit Schraube, die sich am Ende einer langen Stange befindet, so dass sie je nach Wasserstand verschieden tief eingetaucht werden kann. Unser Gepäck, das wir im Van gelassen haben, ist bereits eingeladen. Es geht zuerst ein Stück flussabwärts auf dem Rio Marañon und dann den Ucayali hinauf. Treffsicher – für uns sieht das Ufer überall gleich aus – hält der Fahrer auf eine bestimmte Stelle am rechten Ufer zu. Da stehen bereits Pablo und ein weiterer Helfer, die uns in Empfang nehmen und an Land helfen. Wir ziehen die mitgebrachten Stiefel an und behängen uns mit unserem Gepäck.
Jetzt kommt der abenteuerlichste Abschnitt unserer Reise zur Lodge. Ein Stück legen wir im Boot zurück, indem vorne Pablo und hinten ein Gehilfe staken. Dann heisst es aussteigen und ein Stück durch glitschigen Sumpf waten. Unterdessen schleppen Pablo und Gehilfen das Boot durch die seichte Stelle. Wir steigen erneut ein. Ein Stück weit geht es per Motor weiter, dann wieder staken, aussteigen, zu Fuss weitergehen, einsteigen, Bootsfahrt… Ordentlich verschwitzt und dampfend erreichen wir die „Fuente del Amazonas Lodge“, wo wir mit markant aufgehängter Schweizer Fahne empfangen werden.
Nachdem wir unsere Bungalows bezogen, den Schweiss abgeduscht und uns etwas erfrischt haben, schwitzen wir weiter. Schon bald wird es dunkel, und es ist eine erste Exkursion mit Taschenlampen und in Stiefeln angesagt. Edwin, unser Guia, leuchtet vom Steg der Lodge aus Richtung Wald, sagt: „There is a caiman!“ und rennt barfuss durch die Pfützen zu einer bestimmten Stelle. Dort greift er mit beiden Händen in den Morast, aber diese bleiben leer. Wir folgen ihm und leuchten mit unseren Taschenlampen in die Tümpel. Er erklärt uns, wenn rot reflektierende Punkte sichtbar würden, handle es sich um die Augen von Kaimanen. Also halten wir Ausschau nach solchen Reflexionen, und schon haben wir Erfolg. Blitzschnell ist Edwin zur Stelle, greift hinein in die Pfütze und schon hat er einen Jungen Kaiman von gut 30 cm Länge in den Händen. Nachdem er mit Erklärungen dazu angefangen hat, werden wir zu einer anderen Stelle gerufen, wo sich fast ein Meter lange Schlangen in einer Pfütze tummeln. In einer Hand den Kaiman, fasst Edwin nach einer Schlange und schon hält er sie in der Hand. Nun noch die richtigen Griffe, so dass die beiden Tierchen nicht entfliehen und nicht unnötig leiden, und wir können sie uns genauer ansehen. Einen weissen Kaiman und eine Wasserschlange haben wir vor uns. Wir erhalten noch ein paar Erklärungen dazu, wir können fotografieren, und dann werden die beiden wieder in die Freiheit entlassen.
Schon bald nach dem ausgezeichnet schmeckenden Nachtessen gehen wir in die Klappe. Es herrscht keineswegs Ruhe, rundherum zirpt und pfeift und zwitschert es und zwischendurch ertönen auch tiefe Brummtöne oder ein Gezeter. Ich schlafe aber trotzdem schnell ein und höre nur einmal Motorenlärm, wohl von einem auf dem nahen Ucayali vorbeifahrenden Schiff.

Mittwoch, 27. April:

Schon kurz nach sechs ist es hell. Die Vögel sind bereits mit ihrem Morgengesang beschäftigt. Da drängen sich erste Beobachtungen auf. Rund um die Lodge können wir zum Teil recht farbenfrohe Exemplare beobachten. Mit dem Bestimmen hapert es allerdings, da das Buch über die peruanische Vogelwelt in der Lodge-Bibliothek nicht mehr zu finden ist und das aufgelegte Tableau nur eine kleine Artenzahl zeigt. Mit Gewissheit ist der Social Flycatcher (ein Fliegenschnäpper) dabei.
Weil es während des Morgenessens recht intensiv zu regnen beginnt, wird der Start zur heutigen ganztägigen Exkursion an den Rio Yarapa verschoben.
Nach dem von gestern bekannten Procedere in umgekehrter Reihenfolge verlassen wir die Lodge kurz um ca. halb zehn zum Beobachten, zusätzlich mit Regenschutz ausgerüstet. Bevor wir dann am Ucayali mit dem bereitstehenden Boot losfahren können, muss es noch „umgebaut“ werden. Aus dem Boot, das wir benutzt haben, um das Ufer des Ucayali zu erreichen, werden eine Platte der Bodenabdeckung in ihre Bestandteile zerlegt und anschliessend daraus zwei zusätzliche Sitzbänke auf dem anderen Boot montiert.
Nun geht die Fahrt Ucayali abwärts bis zum Amazonas und noch etwas weiter. Durch eine schmale Schneise im Uferbewuchs zweigt das Boot rechts ab und gelangt zum viel schmaleren und ruhiger fliessenden Rio Yarapo. Nun fahren wir wieder flussaufwärts. Wir schalten hie und da einen Halt ein, um Tiere und Pflanzen genauer zu beobachten. So sehen wir in den Baumkronen verschiedene Affen herumturnen, können einem Linienspecht vor seiner Nesthöhle und den Seeschwalben bei der Jagd zuschauen. Verschiedene Papageien und sogar einmal ein Trupp Jabirus (Storchenvögel) fliegt über uns hinweg. Wunderschön finden wir sie blau-weissen Schwalben, die in grösseren Gruppen auf dürren Gehölzen im Wasser sitzen und beim Näherkommen unseres Schiffes wegfliegen und elegante Schleifen um uns ziehen.
Wir besuchen das Dorf Puerto Miguel, wo sich bei der Entsorgungsstelle ein paar nacktköpfige Rabengeier aufhalten.  Gerade bei der Anlegestelle tummeln sich zwei Amazonasdelfine und zeigen immer wieder ihre Rückenflossen. Natürlich wollen auch die Dorfbewohner ihre Raritäten präsentieren. So werden wir zur Dorfbar geleitet, wo uns ein putziges, junges Faultier angehängt wird. Und da sich bei uns der jöh-Effekt einstellt, anerbietet sich ein weiterer Dorfbewohner, für uns seine Anakonda zu holen. Schon bald dürfen wir das Prachtsstück von geschätzten vier Metern Länge bewundern und streicheln. Gerne würde er sie jemandem von uns um die Schultern legen, aber niemand ist bereit dazu. Das Schicksal solcher „Haustiere“ ist oft tragisch, da das nötige Umfeld für eine tiergerechte Haltung fehlt.
Zum Glück wird es im Laufe des Tages heller, und bei der Rückfahrt zur Lodge kommen wir bereits wieder etwas ins Schwitzen. Um ca. halb fünf sind wir zurück und werden gleich zum Essen gerufen. Nachher ist Ruhezeit. Später treffen wir uns noch zu einem Schlummertrunk. Es regnet wieder und im Freien sieht man Wetterleuchten und hört Donnergrollen in der Ferne. Als ich im Bett liege, blitzt es einmal ganz hell und Sekunden später erschüttert ein gewaltiger Donnerschlag das Bett.

Donnerstag, 28. April

Schon früh werden wir geweckt. Es regnet in Strömen und ist recht kühl geworden. Beatrice bringt uns um vier Wolldecken, die Margrit gerne entgegennimmt.
Beim Morgenessen ist noch immer alles grau und es giesst weiterhin. Unser Bootsführer ist unterdessen fischen gegangen und hat reichlich Beute gemacht. Pablo nennt mir alle Arten. Die nicht zum Essen geeigneten Exemplare werden ausgelegt, damit sie von Karakaras, einer Unterfamilie der Falken, geholt werden könne. Es dauert wirklich nicht sehr lange, und zwei dieser Vögel holen sich je ein Stück. Der eine fliegt damit auf ein Dach, ein anderer auf einen am Boden liegenden Baumstamm. Da wird die Beute verzehrt, was wir gut beobachten können.
Als es endlich etwas aufhört zu regnen, fahren wir los. Zuerst muss aber wieder der Ucayali erreicht werden. Im etwas grösseren Schiff geht es heute bis zur Einmündung des alten Rio Tarapo und dann diesen hinauf. Schon bald beobachten wir sicher zwei verschiedene Arten Eisvögel (Kingfischer). Allerdings sind sie sehr scheu und verschwinden pfeilschnell in den Büschen.
Einen Halt legen wir am Platz ein, an dem Pablo in Zusammenarbeit mit Jorge, dem Bootsführer, mit dem Bau einer neuen Lodge begonnen hat. Das Grundgerüst für die zweistöckige Rezeption steht bereits. Wenn sich in der Lodge, wo wir sind, keine Gäste aufhalten, arbeitet er am Neubau. Wir alle sind eingeladen, ihm gute Ideen mitzuteilen.
Danach schalten wir auf dem Rückweg einen Halt in Vista Alegre, einem Dorf am Ucayali, ein. Dort machen wir einen Dorfrundgang und besuchen die Kulturpflanzungen der Bewohner. Edwin zeigt uns bekannte und auch unbekannte Gemüse und Früchte, die hier angebaut werden. Es handelt sich hier um extreme Mischkulturen, und die Grundstücke sind nicht mit Zäunen vor den Passanten abgesperrt, sodass wir immer aufpassen müssen, dass wir nicht plötzlich frisch angesäte Kulturen zertrampeln. Wir sehen hier Yucca, Tomaten, Ingwer, Papaya, Reis und verschiedene andere Früchte, die u.a. zu Säften verarbeitet werden.
Die Einwohner des Dorfes sind recht innovativ und nehmen ihr Schicksal selbst in die Hand. So sind sie dabei, eine gedeckte Küche neben der Schule zu bauen, wo die Schulkinder dereinst ihr Mittagessen einnehmen können. Sie setzen sich zudem für naturschützerische Anliegen ein. So wird uns eine Station gezeigt, die der Aufzucht einer bedrohten Säugetierart dient. In einem grossen Gehege aus einfachen Netzen gebaut, werden vier Arten Schmetterlinge gehalten. Im Gehege wachsen die entsprechenden Futterpflanzen und im Holzhäuschen nebendran befinden sich in einfachen Kunststoffbechern mit Deckel Raupen, Puppen, frisch ausgeschlüpfte Schmetterlinge und natürlich auch ein Kässeli für Spenden. Wir dürfen anschliessend im Gehege je einen frisch geschlüpften Schmetterling fliegen lassen. Die uns führende Frau versichert uns, dass auch Schmetterlinge in die Freiheit entlassen würden.
Anschliessend fahren wir Richtung Lodge und erreichen sie ziemlich durchnässt und teilweise frierend, da die Lufttemperatur unterdessen massiv gefallen ist. Nach einem feinen Mittag-Nachtessen verschwinden wir in unsere Bungalows. Um halb acht ist ein Früchteznacht angesagt, das allerdings nur noch Urs und ich nutzen. Wie immer gibt es früh Nachtruhe, denn frühmorgens ist eine Vogelexkursion angesagt.


Freitag, 29. April


Um fünf weckt uns Edwin und teilt uns mit, dass er die Frühexkursion auf morgen verschiebt, da das Wetter zu wenig sicher sei. Also schlafen wir weiter.
Um acht gibt es Frühstück, um neun starten wir zu einer Bootsexkursion ins Dorf Castilla, da unsere beiden Mitreisenden heute Mittag nach Iquitos zurückfahren und Beatrice sich dort noch verabschieden will. Für uns beide ist dieser Besuch spannend, da wir schon vor drei Jahren in diesem Dorf waren. Beatrice macht uns darauf aufmerksam, dass sie sehr enttäuscht sei über das Verhalten vor allem des Dorfchefs, der sich ihrer Meinung nach zu stark auf Staats- und andere Hilfen verlässt und zu wenig Eigeninitiative entwickelt. Ein Angebot für neue Wandtafeln für die Schule hat er vor zwei Jahren ausgeschlagen, weil der Staat sowieso eine neue Schule errichten wolle. Ca. hundert Meter entfernt von der alten Schule wurde dann aber von einer Beatrice unbekannten Institution eine gemauerte WC-Anlage gebaut. Und heute, als wir ans Ufer kommen, ist die Schule eine Ruine, vom Hochwasser führenden Ucayali zerstört, unmittelbar am Ufer gelegen. Die WC-Anlage steht noch, wird aber kaum genutzt. Viele Häuser fielen ebenfalls dem Hochwasser zum Opfer, ebenso die „Hauptstrasse“ und die Strassenbeleuchtung. Das Dorf sieht noch ärmlicher aus als vor drei Jahren.
Wir besuchen zuerst Miguel, einen alten Bekannten von Beatrice. Sie schenkt ihm ein Fotoalbum mit Bildern ihrer Begegnungen im Laufe der letzten Jahre. Den Dorfbewohnern schenkt sie ebenfalls ein Album mit Fotos von ihren Besuchen in den letzten Jahren, wobei sie jedes Mal auch Geschenke mitbrachte. Die beiden Alben finden sehr grossen Anklang, da die Leute hier kaum Bilder von sich und von Anlässen im Dorf besitzen.
Eine Zusammenkunft mit dem Dorfchef dient der offiziellen Verabschiedung Beatrice’ vom Dorf, da sie die Lodge endgültig an Keila übergeben hat.
Am Nachmittag unternehmen wir nach der Verabschiedung von Beatrice und Urs noch einen Spaziergang in den Dschungel. Edwin haut uns mit der Machete einen Pfad durch das Dickicht. Er zeigt uns u.a. einen Verwandten des Kautschukbaums. Er schlägt eine Kerbe in die Rinde, und sofort läuft ein weisser, klebriger Saft heraus, den er Rubber nennt. Zudem führt er uns zu einem Riesenbaum mit riesigen Brettwurzeln. Als ich ihn nach dem Alter dieses Baumes frage, meint er, der sei sicher über zehn Jahre alt. Als es langsam zu dunkeln beginnt, gehen wir denselben Weg zurück. Die Mücken sind jetzt sehr aggressiv, und wir wehren uns trotz Mückenmittel mit allen Kräften gegen die stechenden Biester.

Samstag, 30. April


Wir sitzen jetzt, um 17 Uhr, zum letzten Mal in der Hängematten-Hütte und geniessen den Abend in der Lodge. Während des Schreibens lassen sich ausgezeichnet die Vögel, die in der Umgebung leben oder hier vorbeiziehen, beobachten und hören. Im Augenblick ist das „Geglubsch“ des Krähenstirnvogels (Oropendula), der melodische Gesang eines unsichtbaren Singvogels und das Schimpfen eines weiteren im Laub versteckten Vogels zu hören. Am Morgen wurde die Vogelexkursion nochmals verschoben, auf morgen Samstag. Morgenessen war um acht.
Eine Stunde später machen wir uns per Boot auf den Weg zu einer Lagune einige Kilometer südlich der Lodge. Zuerst geht es rund eine Stunde lang den Ucayali hinauf. Unser Bootsführer fährt nahe am Ufer entlang. An Tieren sehen wir wenig. Uns fasziniert aber die Pflanzenwelt.
Nach der Passage des Dorfes Vista Alegre schwenken wir in den Rio Yarapo ein und folgen ihm bis zu einem nächsten Nebenfluss. Hier tauchen nun plötzlich verschiedene, teilweise noch nie gesehene Arten auf. Braune Schwalben fliegen um unser Boot herum. Mehrmals können wir Eisvögel, die pfeilschnell über die Wasseroberfläche flitzen, beobachten. Am Ufer stehen weisse Reiher mit bräunlichen Hälsen und einem hellblauen Schnabel (Kappenreiher). Sie fliehen, sobald wir näherkommen. In einem. Strauch, der weit ins Wasser hinausragt, verschwindet ein etwa amselgrosser Vogel mit leuchtend rotem Kopf. Quer zu unserer Bahn fliegen schwarzbraun gefärbte Anis übers Wasser.
Und jetzt gerade ist auf den Ästen eines nahen Strauchs ein Trupp wunderschön gefärbter Vögel eingetroffen. Die einen sind ganz schwarz mit einem ganz hell gefärbten Schnabel, die andern haben ein leuchtend rotes Gesicht, einen roten Kopf, eine rote Brust und einen ebensolchen Bürzel.
Gegen Ende unserer Hinfahrt muss sich das Boot durch eine dichte Pflanzenschicht, die die Wasserfläche vollständig überdeckt, drängen. Währen der Mittagspause ist Fischen angesagt. Als Angelruten dienen einfache Stecken, an deren einem Ende jeweils ein ca. ein Meter langer Nylonfaden mit Angel befestigt ist. Als Köder dienen Fischstücke. Aber die Pirañas haben keine Lust zu beissen. Nur gerade Edwin erwischt ein kleines Fischchen, das er als Köder verwendet. Unverrichteter Dinge machen wir uns auf den Rückweg, der noch von einigen Beobachtungsstopps verlangsamt wird.
In der Lodge gibt’s feinen Fisch, Reis, Kochbananen und einen gemischten Salat. Anschliessend duschen wir und machen uns frisch. Und dann geniessen wir das Dschungeldasein in der Hängematten-Hütte, allerdings im Schaukelstuhl.

Sonntag, 1. Mai


Heute ist unser letzter Tag in der Lodge.
Um halb sechs stehen wir auf und machen uns für die Frühexkursion bereit. Edwin ist bereits am Machete-Schleifen. Wir sprühen unsere Kleider ordentlich mit Mückenmittel ein. Für die Haut verwenden wir ein einheimisches Mittel. Im frühmorgendlichen Dschungel lassen sich von allen Seiten die verschiedensten Töne und Geräusche hören. Da klopft zum Beispiel ein Specht energisch auf Holz, hoch in den Bäumen zetern die Papageien, aus dem Sumpf gluckst es immer wieder, Zikaden und Heuschrecken zirpen in allen Stimmlagen, Edwin ahmt Vogel- und Affenlaute nach, um die Tiere anzulocken. Aber das Glück ist uns nicht besonders hold. Auf einem Baum bewegt sich etwas. Edwin sagt: „Monkeys, eine nachtaktive Art.“. Auf einem anderen Baum bewegt sich ein Bushdog abwärts, Margrit findet mit dem Bestimmungsblatt heraus, dass es sich um ein Tyana handelt. Die vielen Blätter behindern die Sicht ungemein. Zudem hackt Edwin einen grossen Teil des Weges, den wir machen, mit der Machete aus dem Dickicht, vorwiegend wildwachsenden Ingwer, so dass die Tiere in der Nähe ohnehin verschwinden. Ein paar farbenprächtige Schmetterlinge zeigen sich dennoch, und auch die Pflanzenwelt ist spannend. Um acht sind wir zurück, es gibt Morgenessen.
Danach duschen wir nochmals kalt, packen unsere Sachen und machen uns bereit für die Rückreise nach Iquitos. Nach der Übergabe einiger Geschenke und einem Abschiedsfoto vor der Lodge steigen wir mit allem Gepäck ins erste Boot, werden damit zum zweiten Boot mit Motor gefahren und tuckern damit durch den Wald, die Lagune und wieder durch den Wald zur nächsten Ausstiegsstelle. Nun legen wir gegen hundert Meter zu Fuss zurück, während die Lodgeangestellten das Boot zur nächsten Einstiegsstelle schleifen. Hier können wir wieder einsteigen, um nachher noch gegen zweihundert Meter zu Fuss zum Ufer des Ucayali zu gehen. Kurz vor elf sind wir da. Das eine Boot schleppen wir dann noch über Land zum Fluss, wassern es und nehmen es ins Schlepptau.
Nun führt die Fahrt den Ucayali hinunter und dann nach dem Zusammenfluss mit dem Marañon diesen hinauf nach Nauta. Da werden wir von einem Taxi abgeholt. Die Fahrt nach Iquitos erfolgt rasend schnell, und schon stehen wir wieder vor der Casa Fitzcarraldo. Hier verabschieden wir uns von Monó, alias Edwin, von Pablo und von Keila, die mit Bruder und Söhnchen auf dem Roller hierherkommen.
Nach einem kühlenden Bad im Pool treffen Beatrice und Urs ein, und wir machen einen Termin ab. Am Boulevard essen wir zusammen Fisch aus dem Amazonas und Yucca. Margrit und ich entschliessen uns nach mehreren Gesprächen mit Kennern der Szene, morgen einen Platz auf einem Eduardo-Schiff nach Yurimaguas zu buchen.

Montag, 2. Mai


Um acht sollen wir beim Hafen sein, um die Schiffahrt nach Yurimaguas zu buchen, wurde uns gesagt. Mit dem Mototaxi und den Hängematten unterm Arm machen wir uns auf zum Puerto Masusa. Wir werden vor das richtige Schiff, die Eduardo VI, geführt. Ein hilfsbereiter älterer Mann kümmert sich um uns und führt uns aufs bereitstehende Schiff. Schnell und problemlos bekommen wir unsere Fahrkarten und eine Kabine zugewiesen. Unser Helfer steigt mit uns aufs Oberdeck und knüpft unsere Hängematten in der Nähe unserer Kabine an die dafür vorgesehenen Stangen an der Decke. Unsere Kabine wird unterdessen desinfiziert und die Matratzen bekommen ein sauberes Leintuch. Nach einer Viertelstunde begeben wir uns zu Fuss auf den Rückweg, mit dem Kabinenschlüssel im Sack. Um drei sollen wir uns mit unserem Gepäck einfinden. Unterdessen überwache unser Helfer unsere Schlafsäcke, deutet er uns mit Gesten und Worten.
In der Casa Fitzcarraldo erwarten uns Beatrice und ein feines „Zmorge“ im Schatten. Es schmeckt wunderbar.
Um zehn kommen Pablo und Keila vorbei. Da wir noch etwas Geld wechseln möchten, schlägt Keila vor, dass Pablo mich mit dem Roller ins Zentrum fahren und mich zu einer vertrauenswürdigen Person zum Wechseln führen würde. So schwinge ich mich hinter Pablo auf den Sitz, kralle mich an ihm fest, und los geht die Fahrt, natürlich ohne Helm und in Shorts und Shirt. Eine Fahrt auf einem Zweirad auf löchrigen Strassen, mit unzähligen Mototaxis und überbreiten Bussen, und alle fahren chaotisch, überholen, reihen sich auf vor Rotlichtern, weichen links und rechts aus, das ist ein höchst riskantes Unterfangen und erfordert höchste Konzentration. Pablo schafft das problemlos und ich sitze immer lockerer hintendrauf. Da mir Margrit noch ihre Uhr mitgab, bei der die Schnalle zum Schliessen des Armbandes verloren ging, machen wir bei einem Uhrmacher Halt. Er sitzt in einem engen, gläsernen Kabine auf dem Gehsteig, auf einem erhöhten Stuhl, vor einer kleinen Arbeitsfläche. In einer Schublade rechts von ihm „grümschelt“  er in einem unübersehbaren Sortiment solcher Schnallen und findet schon bald die gesuchte. Mit ein paar Handgriffen und einer Zange montiert er sie, und siehe da, das Armband tut seinen Dienst wieder.
Als nächstes ist der Geldwechsel angesagt. Pablo führt mich zu einer älteren Dame, die auf einem Stuhl am Trottoirrand sitzt. Sie trägt eine grüne Jacke mit vielen Taschen. Höflich begrüsst er sie per Händedruck mit Señora Maria und bringt ihr mein Anliegen vor. Jetzt erst stelle ich fest, dass sie offenbar sehr schlecht sieht. Sie drückt Pablo einen Taschenrechner in die Hand, nennt ihm den Wechselkurs und lässt ihn die Eingabe mit dem Betrag multiplizieren. Er nennt ihr das Ergebnis und sie verlangt nun von mir den Betrag. Einzeln befühlt sie jede Banknote mit ihren Fingerkuppen und zählt sie zweimal. Dann bündelt sie die gereichten Noten und steckt sie in eine der vielen Taschen. Als nächstes nimmt sie aus verschiedenen Taschen Hunderter-, Fünfziger-, Zwanziger- und Zehnernoten in Zehnerbündeln hervor und zählt sie ab. Zuletzt holt sie noch mit Klebband zusammengehaltene Rollen zu je zehn Münzen hervor. Sie zählt alles nochmals nach und lässt sich den Betrag durch Pablo nochmals nachrechnen. Dann übergibt sie uns die Soles zum Nachzählen. Da es nicht ganz einfach ist für mich, Zwei- und Fünfsolesmünzen voneinander zu unterscheiden, kratzt Señora Maria am Randstein unter sich das Klebband an der Oberfläche der Münze weg, so dass ich die Fünf sehen kann. Alles ist perfekt und wir können uns von Señora Maria verabschieden.
Nun folgt noch ein Abstecher in eine Farmacia. Wir benötigen eine Salbe gegen das lästige Jucken der Mückenstiche. Dann geht’s zurück zu Casa Fitzcarraldo.
Am Nachmittag fahren Margrit und ich per Mototaxi nochmals zum Boulevard und besuchen das sich auf einem ausgemusterten Amazonasdampfer befindliche Schifffahrtsmuseum, eine spannende Sache.
Um drei machen wir uns mit unserem Gepäck auf den Weg zur Eduard VI. Seit heute früh ist hier einiges passiert. Auf der Ladefläche sind schon einige Frachtgüter abgestellt worden, z.B. „nigelnagelneue“ Mototaxis, noch zerlegt und vieles Anderes. Auf dem Mittel- und auf dem Oberdeck sind schon einige Hängematten aufgehängt worden.  Wir deponieren unser Gepäck in der Kabine, und dann beobachten wir das Treiben im Hafen und an Bord. Da werden schwere Metallgestelle von vier bis fünf Männern über zwei vom Schiff auf das Hafengelände, übrigens eine grosse, schmutzige Sandfläche, gelegte Holzbretter auf Deck getragen. Die Bretter biegen sich „gefürchig durch. Mototaxis fahren hinzu und bringen neue Passagiere und neue Fracht. Auf dem Schiff bieten fliegende Händler Hängematten, Taschenlampen, Decken, Einwegrasierer, Ladegeräte, Hühnchen mit Reis, frisch gekocht, frische Früchte usw. an.
Die Abfahrtszeit naht. Je näher sie kommt, desto hektischer das Treiben auf und ums Schiff. Um halb sechs, dem geplanten Start, ist noch so viel los. Es denkt niemand an Abfahrt. Erst eine Dreiviertelstunde später ertönen die Sirenen, es gilt ernst.  Da fällt noch jemandem ein, dass vor dem Schiff noch ein hoch beladenes Mototaxi steht. Die Läden sind auf Deck gebracht. Helfer tragen Stühle und weitere Einrichtungsgegenstände zur Ladefläche und dort werden sie von Leuten auf dem Schiff entgegengenommen. Sie haben’s geschafft. Jetzt fährt unser Schiff, denken wir. Aber es fährt nur zum Zollhafen, legt dort an und dann geht nichts mehr, mindestens bis nach halb acht und dann erst gilt Leinen los.
Die Nacht verbringen wir bis ca. zwei Uhr in der Hängematte, dann verziehen wir uns in die Kabine und machen es uns auf den harten Pritschen „bequem“.

Dienstag, 3. Mai


Um fünf weckt uns die Sirene: kein Alarm, sondern Ankunft in Nauta. Wir verlassen die Kabine und lassen uns durch das geschäftige Treiben rundum in Bann ziehen. Es ist noch dunkel. Am Himmel steht der abnehmende Mond. Im Osten rötet sich der Himmel. Am Ufer ist Betrieb. Die Marktstände sind beleuchtet. Die Händler preisen ihre Waren an. Neue Passagiere besteigen das Schiff und neue Fracht wird verladen. Aber schon bald fährt das Schiff wieder. Die Sonne geht auch auf. Wir können uns unserer Morgentoilette widmen, allerdings nur minimal. Wir verlegen unseren Aufenthaltsort wieder aufs Deck. Um viertel nach sieben wird das Frühstück zur Kabine gebracht, ein Becher heisse Reismilch, ein Brötchen mit Butter und eins mit einem Wurstrad. Margrit verschenkt ihre Portion einem einheimischen Mädchen, dass dieses Geschenk mit freudigem Gesicht entgegennimmt. Schwesterlich teilt es das Morgenessen mit seinem kleineren Bruder.
Nun zieht die Landschaft an uns vorbei: sehr viel Wald, riesige Lagunen, Dörfer der Amazonasbewohner und Lodges für Touristen. Verkehr hat es wenig, mal ein Touristenboot und mal ein Boot eines Einheimischen.
Beim einen Halt steigen rund zwanzig Frauen aus dem Dorf mit Tablaren, Körben und anderen Behältnissen ein. Darauf und darin sind Wegwerfteller mit frisch zubereiteten Fischen vom Grill, mit Reis, Kochbananen, Yucca und anderen Köstlichketen. Das Schiff fährt ohne diese Händlerinnen von Bord zu schicken, weg und hält ein paar hundert Meter weiter flussaufwärts, um sie nach erfolgreichem Geschäft wieder abzusetzen.
Steht jemand am Flussufer und winkt mit einem roten Tuch, dann heisst das darauf zu- und anhalten. So finden solche Stopps immer wieder statt. Es werden Leute und Materialien ab- und aufgeladen. Anschliessend muss die Fracht auf der Ladefläche wieder neu eingeordnet werden. Teilweise sind die Frachtstücke offenbar sehr schwer, und die ganze Lademannschaft, ein Dutzend junge Burschen, müssen wirklich alle Kraft aufbieten. Zudem sieht es teilweise recht gefährlich aus. Als Zuschauer bin ich froh, dass sich niemand dabei verletzt. Vergisst jemand, sein Gepäck einzuladen oder ist er zu spät dran, dann kann das Schiff auf offener Strecke anhalten und darauf warten, bis ein nachgesandtes Boot mit dem Fehlenden eintrifft.
Man kommt mit den Leuten in Kontakt. Ein junges französisches Paar belegt die Kabine neben uns. Der Mann stammt aus Paris, die Frau aus der Normandie. Sie sind schon zwei Jahre unterwegs und wollen noch weitere zwei bis drei Monate anhängen. Neben unserer hängt die Matte einer jungen Frau mit zwei Kindern. Das Mädchen hat heute Vormittag schon Margrits Frühstück bekommen. Gerne kommt es immer wieder in unsere Nähe und interessiert sich für mein i-Pad. Ich mache ein Foto und zeige es ihm. Da staunt es aber. Ein Lehrer aus Iquitos ist mit zwei seiner Schüler unterwegs. Er spricht ein paar wenige Brocken Englisch und möchte wissen, woher wir sind. Von der Schweiz weiss er zwei Sachen: Die Schweizer sind reich und geschäftstüchtig, und die Alpen sind ein hohes Gebirge und liegen in der Schweiz. Ich mache ihn darauf aufmerksam, dass die Anden höher sind. Er bekommt Margrits Mittagessen, das er gerne entgegennimmt, so muss er nicht anstehen.
Die An- und Ablegemanöver werden häufiger, da wir offenbar in dichter besiedeltes Gebiet kommen. Die Siedlungen vermitteln ganz unterschiedliche Eindrücke. Da und dort scheint ein gewisser Wohlstand zu herrschen, die Häuser sehen gepflegt und sauber aus, es wird Zement, ein Betonmischer, Isoliermaterial abgeladen. Andere sehen sehr armselig aus.
Es ist wieder heiss heute. Wenige Male regnet es ein paar Tropfen. Der Fahrtwind macht die Hitze erträglich. Trotzdem gönne ich mir am Abend eine Dusche. Die Verhältnisse unterscheiden sich wesentlich von den bei uns üblichen Anlagen. WC und Dusche sind im selben grossen Raum. Zwischen der Klosettschüssel und dem Duschkopt oben an der Decke ist ein  rund 15 Zentimeter hoher Raumteiler. Im Duschteil befindet sich in der Höhe ein Hahn ohne Brause, aus dem kaltes Wasser plätschert. Alles rundherum ist nass. Im WC-Teil sind  auf fast zwei Meter Höhe drei Haken angebracht. Ablagefläche existiert keine. Aber das kühle Wasser wirkt erfrischend.
Um sechs ist es dunkel. Der Sternenhimmel kommt in der rundum herrschenden Dunkelheit in seiner ganzen Pracht zum Vorschein. Sehr deutlich ist das Band der Milchstrasse sichtbar. Die Sternbilder kenne ich zu wenig, glaube aber, den Grossen Bär zu erkennen.
Wir legen uns in die Hängematten, da es in der Kabine zu warm ist. Wenn das Schiff wieder anlegt, stehen wir auf und verfolgen das Geschehen vom Oberdeck aus: immer wieder spannend, nicht nur für uns, auch für andere Mitfahrende.
Nach zehn Uhr verziehen wir uns in unsere spartanisch ausgerüstete Kabine. Auf den harten Pritschen können wir recht gut schlafen. Ich muss einfach etwa jede Stunde einmal die Lage verändern, damit alle Knochen und Muskeln gleichmässig drankommen.

Mittwoch, 4. Mai


Kurz vor fünf werde ich richtig wach. Vom Steuerhaus her ertönt Musik. Ans Wieder-Einschlafen ist nicht mehr zu denken. Das Schiff legt an. Also stehe ich auf und begebe mich nach draussen. Da werden schon wieder Waren umgeschlagen. Es ist sagenhaft, was die Verlademanschaft in kürzester Zeit schafft. Es werden Getränkeflaschen, zu sechst oder mehr in Plastik verschweisst, hinausgetragen. Die Burschen nehmen drei bis fünf Packkungen auf einmal auf ihren Buckel und tragen sie nur in Flip-Flops oder sogar barfuss über ein Brett mit ein paar senkrecht dazu aufgenagelten Leisten an Land.
Heute Morgen ist der Himmel bedeckt, und es beginnt schon bald, recht heftig zu regnen. Allerdings währt der Niederschlag nicht sehr lange. Schon bald reissen die Wolken auf und die Sonne scheint zeitweise.
Um zehn nehmen wir Abschied von unserer Nachbarn, der jungen Mutter und ihren beiden Kindern, Luciola und Brize. Sie steigen an einem Ort aus, wo gerade nur ein Haus steht und ein Mann mit dem Aushöhlen eines Einbaums beschäftigt ist. Wir winken den dreien noch, als das Sciff weiter stromaufwärts fährt. Sie scheinen jemanden zu erwarten, der sie abholt. Unterdessen geht wieder ein Regenschauer nieder.
Um ca. halb zwei erreichen wir die Einmündung des Rio Huallaga in den Rio Marañon und zweigen in jenen ab. Der Fluss hier ist nun wesentlich schmaler. Die Umgebung bleibt in etwa die gleiche: Regenwald. Vor einigen Minuten regnete es noch, jetzt scheint wieder die Sonne. Den ersten Halt am neuen Flusslauf haben wir auch schon gemacht, in San Luis. Und siehe da, zum ersten Mal sehen wir hier ein Hausschwein, das frei und ohne Scheu bei den Menschen lebt. Irgendwie sind wir froh, dass wir unseren Reiseplan geändert haben. So wie es zurzeit aussieht, werden wir noch eine Nacht an Bord der „Eduard VI“ verbringen. Das reicht uns. Wir waren gut beraten, die kürzere Strecke auf dem Marañon zu wählen statt die ursprünglich geplante Schifffahrt auf dem Ucayali.
Um vier erreichen wir Lagunas, ein wichtiger Ort für Touristen, die ins Pacaya-Semiria-Reservat wollen. Wir aber möchten nur schon bald in Yurimaguas sein.
Das Nachtessen besteht heute aus einer Reis-Gemüsesuppe mit einem Stück Kochbanane und einem Stück Poulet. Sie schmeckt solala.
Um sechs geht die Sonne unter. Zudem herrscht Gewitterstimmung. Margrit versucht diese mit dem Fotoapparat festzuhalten. Nun bekommen wir auch die Information, dass unser Ziel morgen um sechs erreicht werden soll.
Um ca. neun Uhr räumen wir unsere Hängematten ab und verziehen uns in unsere Kabine. Die Nacht verbringen wir auf den harten Pritschen.

Donnerstag, 5. Mai


Schon vor fünf Uhr sind wir wieder wach, erledigen unsere Morgentoilette und erscheinen bald an Deck. Unser Schiff fährt mit reduzierter Geschwindigkeit. Wir überholen in der Dunkelheit ein anderes gleichartiges Schiff mit einer grossen Ladefläche und mit einem Aufbau hinten, wo ebenfalls Hängematte an Hängematte aufgehängt sind. Eine grosse Siedlung können wir nirgends erkennen. Am rechten Ufer aber ändert sich die Landschaft, das Gelände ist hügelig und zum Teil gerodet. Wiesen und Felder sind erkennbar und die Hütten sind höher gelegen, so dass sie nicht mehr dem Hochwasser ausgesetzt sind.
Es ist unterdessen Tag geworden und vor uns. In einer Flussschlaufe drin wird eine grosse Siedlung mit Funk-, Handy-, Radio- und TV-Antennen sichtbar. Schon bald beginnt das Anlegemanöver. Neben einem weiteren Eduardo-Schiff, am unausgebauten Ufer, legt unser Schiff an. Die Verladeläden werden von Helfern ans Ufer gezogen, und schon strömt eine Menge Männer, die beim Entladen helfen, aufs Schiff.
Wir sind gerade dabei, unser Gepäck aus der Kabine zu nehmen, da ist schon ein hilfsbereiter Mann da und nimmt uns die schweren Sachen ab, fragt wohin wir wollten und als er den Namen Tarapoto hört, deutet er uns, ihm zu folgen. Draussen am Ufer dirigiert er uns zu einem bereitstehenden Pick-up mit, reicht unsere Rucksäcke einem auf der Brücke bereit stehenden Mann und macht uns klar, dass dieses Auto nach Tarapoto fahre und wir umgehend einsteigen sollen. Die Rücksitze sind bereits mit vier Personen und einem Kind belegt, wir beide sollen vorne auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Das akzeptieren wir nicht, und ich verlange umgehend unsere Rucksäcke zurück. Die bekommen wir problemlos. Unterdessen hat unser Helfer bereits ein Mototaxi organisiert. Unsere Rucksäcke verladen wir umgehend auf die Ladefläche und entlohnen den Helfer, der uns erklärt, dass uns der Fahrer zu einem Taxibetrieb bringen werde, wo wir ein Taxi engagieren könnten. Und wirklich, unser Fahrer bringt uns zu einem Betrieb, der sogenannte colectivos betreibt, d.h. der Fahrer fährt erst los, wenn er seinen Wagen gefüllt hat. Ein Mitfahrer sitzt bereits im Taxi, und wir zwei enscheiden uns für drei zu zahlen, so dass wir umgehend losfahren können.
Wie bereits andernorts verläuft die Fahrt rasant und in unseren Augen öfters auch riskant. Zu unserem Glück landen wir nach rund zwei Stunden wohlbehalten in Tarapoto, wo wir uns in einem einfachen Restaurant ein Frühstück genehmigen. Mit dem Mototaxi fahren wir zu unserem aus dem Reiseführer ausgewählten Hotel La Posada Inn. Da können wir unser Zimmer unmittelbar beziehen und unter eine wohltuende Dusche stehen.
Wir sehen uns etwas in Tarapoto um und kümmern uns vor allem um unser Weiterkommen. Mit einem Mototaxi fahren wir zu einem der recht zahlreich vorhandenen Busterminals und buchen die Weiterfahrt nach Trujillo, eine 18stündige Fahrt über die Anden.
Anschliessend geniessen wir die Rückkunft in die Zivilisation, indem wir im Städtchen herumschlendern, ein Bierchen und/oder einen Jugo trinken und uns im Souvenirkomplex umsehen.
Den Abend geniessen wir in der „Ausgehmeile“ – die ist allerdings nicht so lang – und die Nacht in unserem richtig bequemen Bett.

Freitag, 6. Mai


Den Vormittag verbringen wir nach dem Frühstück und dem Packen unserer Sachen im Städtchen Tarapoto. Wir schlendern durch die Gassen, geniessen einen frischen Jugo, schauen uns nochmals im Souvenir-Bereich um und erfreuen uns am schönen Wetter.  Rechtzeitig holen wir im Hotel unser Gepäck ab und fahren mit einem Mototaxi zum Busterminal.
Hier hole ich mir bei einer Strassenküche ein Mittagessen. Ich kann aus verschiedenen Pfannen, die auf einem Gasherd warmgehalten werden, auswählen: Reis, Geschnetzeltes mit Gemüse, weisse Bohnen… Die Köchin gibt von allem nach Wunsch in eine Styropor-Schale, verlangt dafür vier Soles und leiht mir noch eine Gabel aus. Im Warteraum des Busunternehmens esse ich. Die einfache Mahlzeit schmeckt mir. Die Gabel bringe ich zurück.
Um drei fährt der Bus. Wir geben das Gepäck auf und warten auf die Öffnung des Gates. Endlich dürfen wir den Bus nach einer Kontrolle mit einem Metalldetektor und der Aufnahme eines Fotos von uns besteigen. Wir sitzen ziemlich weit hinten. Die Beinfreiheit ist gross, die Rückenlehne lässt sich recht weit hinunterklappen und am Vordersitz ist eine ausklappbare Ablagefläche für die Beine angebracht. Bequemlichkeit wird also grossgeschrieben. Und so starten wir denn zu unserem Busfahrtabenteuer durch die Anden.
Nach rund eineinhalb Stunden Fahrt können wir noch einmal aussteigen. Hier ist auch ein Kiosk vorhanden, wo ich uns etwas zu knabbern kaufe.
Die Nacht über versuchen wir zu schlafen, was uns allerdings nicht so leicht fällt. Aber hie und da schlummern wir doch ein. Das lange Sitzen macht uns einige Mühe. Die Fahrt verläuft eher ruppig, aber wir überleben sie. Da und dort zwickt es etwas im Rücken, in den Waden, im Nacken.

Samstag, 7. Mai

Nach einer Buspanne und längerem Warten an einer Haltestelle kommen wir wohlbehalten in Trujillo an, wo wir unser Gepäck entgegennehmen und mit einem Taxi in die Nähe unseres Hotels fahren, das wir aus dem Lonely Planet Reiseführer ausgewählt haben. Es liegt in einer Fussgängerzone, an einer Strasse zur Plaza de Armas. Das Zimmer können wir gleich beziehen. Eine Dusche tut jetzt gut.
Als erstes gehen wir zu Fuss zur Plaza de Armas und machen anschliessend einen aus dem Reiseführer ausgewählten Rundgang mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Trujillo präsentiert sich als sehr gepflegte und saubere Stadt. Viele Häuser aus der Kolonialzeit sind restauriert und leuchten in allen Farben.
Wir wollen morgen weiterreisen nach Lima. Aus diesem Grunde suchen wir eine Reiseagentur auf, um entsprechende Tickets zu kaufen. Nach der langen Busreise möchte ich eigentlich einen Flug buchen. Aber wir bekommen die Auskunft, dass nur noch ein Platz am Sonntag frei ist. Zudem sind auch alle Busplätze am Sonntagabend in den von der Agentur vertretenen Gesellschaften ausgebucht.  Nachdem wir uns für einen teuren Flug am Montag entschieden haben, können wir allerdings nicht mit der Karte zahlen, und genügend Bargeld haben wir auch nicht dabei. Das Personal verweist uns an ein anderes Büro. Wir gehen darauf zu einer weiteren, nahegelegenen Reiseagentur und bekommen dort zwei Plätze in einem Nachtbus in der ersten Reihe im Oberdeck angeboten. Die nehmem wir. Und der Terminal der Gesellschaft ist erst noch sehr nahe beim Hotel gelegen.
Was uns erstaunt, ist die Tatsache, dass in Trujillo an diesem Samstag auf der Strasse für die Erdbebenopfer im Nachbarstaat Ecuador gesammelt wird. Offensichtlich sind hier die Leute trotz geringem Wohlstand bereit, die Geschädigten im Nachbarland grosszügig zu unterstützen. Chapeau!
In der Fussgängerzone sind des weiteren Tafeln mit Neugeborenen, mit glücklichen Müttern, mit Ultraschallaufnahmen und mit Bildern von Foeten aufgestellt. Zudem stehen Texte darauf und es sind Auskunftspersonen anwesend. Es handelt sich unserer Meinung nach um eine Kampagne gegen Schwangerschaftsabbruch. Viele Menschen schauen sich die Tafeln genauestens an und lassen sich auch auf Diskussionen mit den bereitstehenden Auskunftspersonen ein.
Vor dem wieder rechtzeitigen Zubettgehen – Schliesslich war die letzte Nacht eine anstrengende Sache – besprechen wir noch das Programm für morgen. Wir beschliessen, ein Taxi zu chartern und damit ein paar Ausgrabungsstätten ausserhalb der Stadt und den Strand in Huanchaco zu besuchen.

Sonntag, 8. Mai